Lionel Messi ist zum alleinigen Rekordtorschützen bei Fußball-Weltmeisterschaften aufgestiegen. Der argentinische Offensivstar erzielte mit dem Tor zum 1:0 (38. Minute) im zweiten Gruppenspiel gegen Österreich seinen 17. WM-Treffer und überholte damit den deutschen Ex-Weltmeister Miroslav Klose. In der 9. Minute hatte Messi noch einen Elfmeter verschossen. Zum Auftakt gegen Algerien war ihm ein Hattrick gelungen.
Mbappé als Verfolger
Gefahr droht Messi aber noch von Kylian Mbappé. Der Franzose kommt vor dem heutigen Spiel gegen Irak (23 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) auf 14 WM-Tore. Mbappé ist elf Jahre jünger und hat wohl mindestens noch ein weiteres Turnier vor sich, während Messi seine sechste und letzte Weltmeisterschaft spielt. Der Weltmeister-Kapitän wird in zwei Tagen 39 Jahre alt.
WM-Aus für Schlotterbeck
Nico Schlotterbeck fällt für den Rest der WM aus. Der 26-Jährige von Borussia Dortmund hat sich nach übereinstimmenden Informationen von „Bild“, Sky und der Nachrichtenagentur dpa beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste einen Bänderriss im linken Sprunggelenk zugezogen und kann demnach beim Turnier in den USA nicht mehr für die Fußball-Nationalmannschaft zum Einsatz kommen. Ihm droht eine Pause von rund zwei Monaten.
Nach der Muskelverletzung von Lennart Karl muss Bundestrainer Julian Nagelsmann damit schon den zweiten Turnierausfall verkraften. Da die Fifa-Frist abgelaufen ist, kann er jetzt aber keinen Spieler mehr nachnominieren. Der Weltverband erlaubt nach der ersten Partie jedes Teams nur noch eine neue Berufung von Torhütern ins Aufgebot.
Die Verletzung von Schlotterbeck in seinem 29. Länderspiel ist bitter für Nagelsmann. Der BVB-Verteidiger ist wichtig für den Spielaufbau aus der Abwehr heraus und war als einziger Linksfuß unter den Innenverteidigern Stammkraft. Nach dem frühen Ausscheiden 2022 endet auch die zweite WM-Teilnahme für Schlotterbeck mit einer bitteren Enttäuschung.
Durch die Verletzung rückt nun Antonio Rüdiger wieder in den Fokus und sehr wahrscheinlich auch in die Startformation für das abschließende Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und Magenta TV) in East Rutherford. Der 33-Jährige, der zuletzt hinter Schlotterbeck und Jonathan Tah zurückstehen musste, war in Toronto zur Halbzeit für den Dortmunder eingewechselt worden. Weitere Innenverteidiger im Aufgebot sind Schlotterbecks BVB-Kollege Waldemar Anton und Malick Thiaw.
Rangnick empfiehlt Wette auf Österreich
Österreich nur Außenseiter gegen Argentinien? Ja, aber gerade deswegen ein guter Tipp für Sportwetten – glaubt zumindest Ralf Rangnick. „Wer sehr, sehr viel Geld gewinnen möchte, der geht noch in die Wettbüros und setzt – keine Ahnung, wie viel er übrig hat – auf einen Sieg für Österreich“, sagte Österreichs Nationaltrainer bei der Pressekonferenz vor dem Duell mit dem Weltmeister heute Abend (19.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) im Dallas-Stadion.
Das sei so, „weil jeder davon ausgeht und der Algorithmus, dass wir das Spiel höchstwahrscheinlich nicht gewinnen“, sagte Rangnick: „Wir spielen against all odds.“ Gegen jede Chance also. Bei den Wettanbietern liegt Österreichs Siegquote ungefähr bei 6,5. Das bedeutet: Wer zehn Euro setzt und richtig liegt, erhält 65 Euro zurück.
Er halte ein Remis und auch einen Sieg dennoch für möglich, äußerte der 67-Jährige: „Weil wir reden trotzdem über eine Mannschaftssportart und wir haben die Möglichkeit, über unseren eigenen Auftritt, über unsere Strategie, über unseren Stil, wie wir spielen, gepaart mit der nötigen Energie und dem Mut, das Spiel eben auch auf unsere Seite zu ziehen, und darauf wird es ankommen.“
Mit Teamstärke will Rangnick auch Ausnahmekönner Lionel Messi stoppen. „Und klar, sie haben mit Messi wahrscheinlich den besten Spieler, den es bis heute jemals gegeben hat, und wir müssen zeigen, dass wir eine der besten Teams, eine der besten Mannschaften sind bei dieser WM“, forderte der frühere Bundesligacoach. Für eine Überraschung brauche es vielleicht sogar „die beste Leistung, die wir in meiner Amtszeit bisher gezeigt haben“.
Türkei-Verbandschef steht zu Trainer und Spielern
Verbandschef Ibrahim Haciosmanoglu hält nach dem vorzeitigen WM-Aus der türkischen Nationalmannschaft an Chefcoach Vincenzo Montella fest und will auch die Spieler nicht verdammen. „Wir werden sowohl zum Trainer dieser Mannschaft als auch zu den Spielern stehen. Das hier ist kein Verein. Wenn man sich die Vereinsmannschaften ansieht, kommt es gerade wegen der mangelnden Kontinuität zu Misserfolgen. Man kann hier nicht einfach 15 Spieler wegschicken und 15 neue holen.“
Die Türken mit ihren Stars Arda Güler, Kenan Yildiz und Kapitän Hakan Calhanoglu hatten zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft mit 0:2 gegen Australien und 0:1 gegen Paraguay verloren. „Man kann den Trainer nicht entlassen und einen neuen holen. Man kann den Vorsitzenden nicht abberufen und einen neuen einsetzen. Deshalb stehen wir zu unseren Spielern“, ergänzte Haciosmanoglu. „Wir tauschen niemals diejenigen, mit denen wir gemeinsam den Weg gegangen sind, gegen andere ein, die wir unterwegs treffen.“
Das türkische Volk werde zu Trainer und Team stehen: „Danach werden uns diese Jungs wieder dieselben Erfolge bescheren.“ Der 52 Jahre alte Italiener Montella ist seit 2023 für die Auswahl verantwortlich und hatte sie nach 24 Jahren erstmals wieder zu einer Weltmeisterschaft geführt.
Ärger um Uruguay-Spieler
Ein Verstoß gegen den Fair-Play-Gedanken hat beim WM-Spiel zwischen Uruguay und Kap Verde (2:2) für große Aufregung gesorgt. Beim Spielstand von 0:1 half Uruguays Stürmer Federico Viñas seinem Gegenspieler Telmo Arcanjo, der von einem Krampf geplagt am Boden lag. Eigentlich eine sportliche Geste.
Als Viñas jedoch sah, dass sich seine Mannschaft gerade eine aussichtsreiche Torchance herausspielte, ließ er den Kap-Verde-Spieler einfach liegen und lief mit in den Strafraum. Genau bei diesem Angriff in der 44. Minute fiel das Tor zum 1:1 durch Maxi Araujo. „Mein Gegenspieler brauchte mich. Aber mein Team brauchte mich noch mehr“, rechtfertigte Viñas hinterher sein Verhalten.
Kap Verdes Trainer Bubista wollte das nicht so stehen lassen. „Ich war verärgert über diese Szene“, sagte er. „Denn Marcelo Bielsa (Uruguays Trainer) lebt uns in jeder Pressekonferenz und in jedem Spiel Fair Play vor. Von ihm haben wir alle gelernt, was Fair Play bedeutet.“ Bielsa wurde 2019 mit dem Fair-Play-Preis des Weltverbands Fifa ausgezeichnet. Er hatte seine damalige Mannschaft Leeds United angewiesen, ohne Gegenwehr ein Tor des Gegners Aston Villa zuzulassen. Leeds hatte unmittelbar zuvor getroffen, als ein Villa-Spieler verletzt am Boden lag.



