Nach mutmaßlichem Rassismus-Vorfall in der Champions League: Mourinho verweigert Stellungnahme
Die emotionale Rede von Bayern-Trainer Vincent Kompany gegen Rassismus im Fußball hallt weiter nach. Der Belgier hatte am Freitag in einer fast zwölfminütigen Pressekonferenz eindringlich appelliert und dabei auch Benfica-Trainer José Mourinho kritisiert. Hintergrund ist der mutmaßliche Rassismus-Vorfall um Real-Madrid-Star Vinícius Júnior im Champions-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid am vergangenen Dienstag.
Kompany kritisiert Mourinhos Führungsqualitäten
Vinícius Júnior soll von Benfica-Gegenspieler Gianluca Prestianni wegen seiner Hautfarbe beleidigt worden sein. Kompany hatte in seiner Rede Mourinho direkt angesprochen: „Mourinho, der Anführer der Mannschaft, hat den Charakter von Vinícius attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler.“ Der Bayern-Trainer bezog sich dabei auf Äußerungen des portugiesischen Trainers nach dem umstrittenen Spiel.
Kompany ging in seiner Kritik noch weiter und hinterfragte Mourinhos historisches Verständnis: „Er nennt den Namen von Eusébio. Er sagt, dass Benfica nicht rassistisch sein kann, weil der beste Spieler der Klubgeschichte Eusébio ist. Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten?“ Der Belgier verwies auf die Erfahrungen seines eigenen Vaters und die schwierigen Bedingungen für schwarze Spieler in jener Ära.
Mourinho bleibt bei Schweigetaktik
Am Samstagabend nach dem 3:0-Ligasieg von Benfica gegen Aves wollte Mourinho jedoch keine Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Auf Fragen eines Reporters von „sport tv“, ob die Kritik an seiner Person berechtigt sei und ob er Vinícius’ Kampf gegen Rassismus heruntergespielt habe, antwortete der 63-jährige Trainer knapp: „Ich möchte das nicht kommentieren.“
Auf Nachfrage fügte Mourinho lediglich hinzu: „Ich werde das nicht weiter ausführen. Es läuft gerade eine Untersuchung. Ich denke, dass wir heute alle in der Lage waren, professionell unsere Arbeit zu machen.“ Eine direkte Reaktion auf Kompanys ausführliche Kritik blieb damit komplett aus.
Uefa hat Ermittlungen eingeleitet
Bereits am Mittwoch hatte die Uefa angekündigt, offizielle Ermittlungen in Vinícius’ Fall eingeleitet zu haben. Der Vorfall hatte international für Aufsehen gesorgt und die Diskussion über Rassismus im Profifußball erneut entfacht.
Historisch verwies Kompany in seiner Rede auf Eusébio, den legendären Benfica-Stürmer, der in den 1960er Jahren als einer der ersten schwarzen Superstars im europäischen Fußball Karriere machte. Der in Mosambik geborene Angreifer erzielte 42 Tore in 64 Länderspielen für Portugal und gilt bis heute als Sportidol.
Die unterschiedlichen Reaktionen von Kompany und Mourinho zeigen die anhaltende Spannung im Umgang mit Rassismusvorwürfen im Profifußball. Während der Bayern-Trainer eine klare Position bezieht und historische Kontinuitäten thematisiert, verweigert der Benfica-Coach jede öffentliche Stellungnahme und verweist auf die laufenden Untersuchungen.



