Nagelsmann mit klaren Worten an Matchwinner Undav
Im Regen von Stuttgart feierte der DFB einen 2:1-Testspielsieg gegen Ghana, doch der Abend gehörte einem Spieler: Deniz Undav. Der VfB-Stürmer avancierte in seinem Heimstadion mit dem späten Siegtreffer zum Matchwinner, doch Lob von Bundestrainer Julian Nagelsmann blieb aus. Im Gegenteil: Der Nationaltrainer übte deutliche Kritik.
Der Adler und der Matchwinner
Paule, das DFB-Maskottchen in Adler-Gestalt, schob den Liebling der Fans nach dem Schlusspfiff regelrecht ins Rampenlicht. Während die Nationalspieler ihre Ehrenrunde drehten, wurde Undav erneut von den begeisterten VfB-Anhängern gefeiert. Ein emotionaler Moment für den Stürmer, der mit seinem vierten Länderspieltor den Sieg sicherte.
Doch die Analyse des Bundestrainers fiel nüchtern aus. "Ich fand Deniz’ Leistung bis zum Tor nicht gut", sagte Nagelsmann unverblümt. "Er hat, glaube ich, einmal den Ball berührt." Erst der späte Geistesblitz nach Kopfballvorlage von Leroy Sané brachte die Wende – ein klassisches Undav-Tor, wie der Trainer anerkannte.
Die Joker-Debatte und taktische Überlegungen
Bereits im Spiel gegen die Schweiz hatte Nagelsmann Undav auf die Bank gesetzt, auch gegen Ghana begann der Stürmer erneut als Einwechselspieler. In der ARD erklärte der Bundestrainer seine Entscheidung: "Deniz hat viele gute Aktionen in der Liga, wenn der Gegner schon ein bisschen müde ist, weil er eine außergewöhnliche Kreativität hat. Und die geht so ein bisschen flöten, wenn er sehr viel im Spiel erstmal arbeiten muss."
Im Rollengespräch mit jedem Spieler habe er Undav die Joker-Rolle zugewiesen. Nagelsmann fürchtet, "sonst meine Glaubwürdigkeit" zu verlieren, wenn er davon abweicht. Ironisierend fügte der 38-Jährige hinzu: "Auch im Sommer werden wir Jungs brauchen, die in der Lage sind, Spiele spät zu entscheiden. Wir werden es nicht immer in den ersten sechs Minuten hinkriegen."
Undavs Reaktion und Fan-Unterstützung
Der Matchwinner selbst zeigte sich nach dem Spiel keck. "Es war krass zu hören, wie die Fans hinter mir stehen", sagte Undav. "Ich genieße das. Ein perfekter Abend: Sieg geholt, entscheidendes Tor gemacht – top." Auf seine Klassifizierung als Joker angesprochen, meinte er schelmisch: "Ich versuche, meine Rolle zu akzeptieren, Gas zu geben und der Mannschaft mit Toren zu helfen. Aber durch wichtige Tore kann sich die Rolle vielleicht verändern."
Nagelsmann reagierte gelassen auf diese Aussagen: "Er setzt sich mit seinen Aussagen selber unter Druck. Wenn er damit gut klarkommt, kann er das gerne machen. Jeder Spieler sollte den Drang haben, eine bessere Rolle zu spielen – das ist gut so."
Teamhygiene und die WM-Perspektive
Doch der Bundestrainer machte auch deutlich, dass Spieler, die ihre zugewiesene Rolle nicht akzeptieren, ihre "Daseinsberechtigung als Kadermitglied" verlieren könnten. Ein ungeduldiger oder unbequemer Spieler stelle eine Gefahr für die Teamhygiene und Hierarchie der Mannschaft dar.
Genervt sprach Nagelsmann von "sieben Tage Dauerthema Deniz Undav". Ob der Bundestrainer die Kontroverse mit zur WM nehmen möchte, entscheidet er selbst. Am 12. Mai steht die Kadernominierung an – der D-Day, oder wie einige bereits sagen: Deniz-Day.
Für Undav bleibt die Situation ambivalent: Matchwinner in seinem Heimstadion, gefeiert von den Fans, doch mit klaren Worten des Bundestrainers konfrontiert. Seine 23 Tore und 13 Vorlagen in 38 Pflichtspielen für den VfB Stuttgart machen ihn zum aktuell besten deutschen Angreifer, doch im Nationalteam muss er sich weiterhin als Joker beweisen.



