Nagelsmanns Blick richtet sich auf Nations-League-Auslosung in Brüssel
Mitten in den intensiven Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 muss sich Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits mit der Zeit nach dem Sommer-Highlight beschäftigen. Für einen Kurztrip nach Brüssel unterbricht der 38-Jährige sein WM-Programm, um bei der Auslosung der nächsten Nations-League-Runde dabei zu sein. Anders als bei der umstrittenen WM-Show in Washington, bei der Donald Trump im Mittelpunkt stand, soll diesmal ausschließlich der Fußball die Bühne beherrschen.
Europa-Kracher als reizvolle Herausforderung
„Die Duelle mit den europäischen Top‑Nationen sind in der Zeit zwischen den großen Turnieren sehr reizvoll – für unsere Fans und für unsere Spieler, die sich immer mit den Besten messen wollen“, betonte Nagelsmann im Vorfeld der UEFA-Zeremonie am Donnerstagabend in der Expo-Halle 3 der belgischen Hauptstadt. Der straffe internationale Fußball-Zeitplan erfordert bereits jetzt – im Vorlauf auf das große Sommerturnier in den USA, Mexiko und Kanada – die Festlegung des Spielplans für den nächsten Wettbewerb, der im September mit vier Partien binnen zwei Wochen startet.
Zwar liegt der Fokus der Nationalmannschaft aktuell voll auf der WM mit Kontrahenten wie Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador, doch parallel muss professionell für die Zeit danach geplant werden. „Wir freuen uns extrem auf die WM, und der Fokus liegt aktuell voll auf dem Turnier. Parallel müssen wir natürlich auch schon professionell für die Zeit danach planen“, erklärte der Bundestrainer.
Lostöpfe und mögliche Gruppengegner
Nach der Qualifikation für das Final Four im Sommer 2025 ist die deutsche Nationalmannschaft auch bei der fünften Auflage des UEFA-Wettbewerbs in der Top-Liga A im besten Pool gesetzt. Damit steht bereits fest, dass es in der Gruppenphase nicht zu Duellen mit Titelverteidiger Portugal, Europameister Spanien oder Vize-Weltmeister Frankreich kommen kann. Eine Garantie für eine leichte Gruppe ist dies jedoch nicht.
Die Lostöpfe für die Liga A wurden nach dem Abschneiden in der letzten Ausgabe gebildet:
- Topf 1: Portugal, Spanien, Deutschland, Frankreich
- Topf 2: Italien, Niederlande, Dänemark, Kroatien
- Topf 3: Serbien, England, Belgien, Norwegen
- Topf 4: Wales, Tschechien, Griechenland, Türkei
Möglich wäre eine brisante und reizvolle Konstellation mit der Türkei, England und den Niederlanden. Deutlich leichter wäre hingegen eine Gruppe mit Dänemark, Serbien und Griechenland. In alle vier Gruppen wird je ein Team aus jedem Topf gelost.
Ablauf und Termine der Nations League
Die UEFA verändert den Modus nicht. Gespielt wird in den Ligen A, B, C und D mit Termin-Slots für die sechs Gruppenspiele vom 24. September bis 6. Oktober (vier Spiele) sowie vom 12. bis 17. November (zwei Spiele). Die vier Gruppensieger der Liga A spielen gegen einen Gruppenzweiten im März 2027 in Viertelfinal-Playoffs die Teilnehmer des Final Four aus, bei dem vom 9. bis 13. Juni 2027 der nächste Nations-League-Sieger gekürt wird.
Die Gruppenletzten der Ligen A, B und C steigen ab, während die Gruppendritten der Ligen A und B gegen die Gruppenzweiten der nächsttieferen Liga in Playoffs um den Klassenerhalt antreten. Wie bei der WM muss Nagelsmann eine Nacht schlafen, bevor er den genauen Spielplan erfährt, da die UEFA die Veröffentlichung erst für Freitag angekündigt hat. Dies hängt mit der Koordinierung aller Partien auch mit den unteren Ligen zusammen.
Einfluss auf die EM 2028 und politische Debatten
Die Nations League hat auch Auswirkungen auf den Weg zur EM 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Als Finalteilnehmer käme man sicher in eine kleinere Qualifikationsgruppe, da die Spieltermine im März und Juni 2027 bereits geblockt wären. Ob der Gruppensieg wie bei der WM als Freilos für ein eventuell notwendiges EM-Playoff zählt, wird die UEFA noch bekanntgeben.
Ganz ohne politische Einflüsse geht es in Brüssel jedoch nicht. Vor der Auslosung treffen sich die UEFA-Verbände zu ihrem Kongress in der Expo-Halle. Die Forderungen vornehmlich aus politischen Kreisen nach einem WM-Boykott angesichts der Trump-Politik sowie die von FIFA-Boss Gianni Infantino angestoßene Debatte über eine Rückkehr Russlands in den Welt-Fußball werden die Funktionäre um die deutschen Spitzenvertreter Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke beschäftigen.
Ein WM-Boykott wird bislang von allen maßgeblichen Fußball-Bossen abgelehnt. DFB-Chef Neuendorf hat sich klar positioniert und die Debatte als „zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfehlt“ bezeichnet. Die russische Rückkehr bleibt ein heikles Thema, wobei der Widerstand dagegen zu schwinden scheint. Möglich wäre eine UEFA-Initiative, zunächst Jugendmannschaften wieder für offizielle Wettbewerbe zuzulassen, eine Idee, die UEFA-Präsident Aleksander Ceferin unterstützt.



