Nagelsmanns ungewöhnliches Kriterium: Jubel als Maßstab für Teamgeist
Bundestrainer Julian Nagelsmann beobachtet seine Nationalspieler nicht nur während der Spiele, sondern auch in den entscheidenden Sekunden nach einem Torerfolg. In einem ausführlichen Interview mit dem "Kicker" hat der 38-Jährige jetzt ein ungewöhnliches Auswahlkriterium offengelegt: Wer nach einem Treffer nicht angemessen jubelt, gerät bei ihm in Verdacht.
Jubel als "Salz in der Suppe" des Fußballs
"Wenn ich sehe, ein Spieler schießt ein Tor und jubelt nicht richtig, dann ist das für mich ein Marker, dass da irgendwas nicht stimmt", erklärt Nagelsmann mit Nachdruck. Solche Beobachtungen notiere er sich systematisch. Seine Begründung ist ebenso direkt wie emotional: "Wenn du dich über ein Tor nicht mal mehr richtig freust, dann kannst du Fußball eigentlich sein lassen, weil das das Salz in der Suppe ist."
Der Bundestrainer berichtet, dass selbst Journalisten ihn manchmal fragen, warum er bestimmte Tore so intensiv feiere. Seine Antwort darauf ist programmatisch: "Tja, weil es bei dem Spiel halt um Tore geht. Wenn ich das nicht mehr feiere, dann muss ich einen anderen Job machen." Als positives Vorbild nennt Nagelsmann die Emotionalität bei den Olympischen Winterspielen, die er als herausragend empfindet.
Goretzka trotz Bayern-Reserve mit großer DFB-Rolle
Ein zentrales Thema des Interviews war die Situation von Leon Goretzka, der beim FC Bayern München derzeit meist nur Reservist ist. Nagelsmann stellt dem Mittelfeldspieler dennoch eine bedeutende Rolle in Aussicht: "Stand jetzt wird Leon Goretzka, trotz weniger Spielzeit bei Bayern, gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali."
Der Bundestrainer begründet diese Einschätzung mit Goretzkas besonderen Fähigkeiten: "Weil er einer ist, der auch in den Sechzehner geht, der kopfballstark ist und eine gute Wucht mitbringt." Dieses Profil sei im deutschen Kader einzigartig, während andere Mittelfeldspieler wie Pascal Groß, Angelo Stiller, Aleksandar Pavlovic, Felix Nmecha oder Robert Andrich eher ballorientiert agierten.
Überraschungen im WM-Kader angekündigt
Für den anstehenden WM-Kader kündigt Nagelsmann Entscheidungen an, die möglicherweise auf Unverständnis stoßen könnten. "Es geht darum, wer zusammenpasst", betont der Bundestrainer. "Dabei wird es Entscheidungen geben, das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen. Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit."
Konkret bedeutet dies, dass möglicherweise Spieler nicht berücksichtigt werden, die bei ihren Vereinen Stammspieler und Leistungsträger sind, aber nicht in Nagelsmanns taktische Pläne für die erste Elf passen. Diese Herangehensweise unterstreicht den teamorientierten Ansatz des Bundestrainers.
Testspiele und WM-Gruppenphase
Die deutsche Nationalmannschaft bereitet sich mit zwei Testspielen auf die Weltmeisterschaft vor. Am 27. März trifft die DFB-Elf auf die Schweiz, drei Tage später folgt das Spiel gegen Ghana. In der WM-Gruppenphase erwarten Deutschland dann Begegnungen mit Curaçao am 14. Juni, der Elfenbeinküste am 20. Juni und Ecuador am 25. Juni.
Nagelsmanns klare Worte zum Jubelverhalten seiner Spieler zeigen, dass für ihn nicht nur technische und taktische Fähigkeiten zählen, sondern auch emotionale Faktoren und Teamgeist entscheidende Kriterien für die Kaderzusammensstellung darstellen.



