Erneut wird über ein Comeback von Manuel Neuer in der DFB-Elf diskutiert. Die Debatte ist berechtigt, eine Rückkehr könnte aber mehr schaden als nützen. Der SPORT1-Kommentar.
Neuer-Rückkehr? Der Schaden wäre zu groß
Dieses Thema ist einfach nicht totzukriegen. Aktuell wird erneut darüber debattiert, ob Manuel Neuer nicht doch noch auf den WM-Zug aufspringen soll – trotz seines Rücktritts. Und obwohl er bereits klargemacht hat, dass die Entscheidung in Stein gemeißelt sei.
Ja, die Debatte ist gerechtfertigt – schließlich ist Neuer immer noch der beste deutsche Torhüter und eigentlich kann Julian Nagelsmann auf so einen Mann nicht wirklich verzichten. Der Bundestrainer will naturgemäß den größtmöglichen Erfolg, da kann ein Torwart von Weltklasse-Format nur hilfreich sein.
Trotzdem ist es für eine Rückholaktion zu spät. Für die Länderspiele im März hätte ein Neuer-Comeback Sinn ergeben, der 40-Jährige war damals allerdings verletzt. Jetzt wäre der Schaden, den eine solche Entscheidung anrichten kann, zu groß.
Oliver Baumann würde damit gedemütigt werden. Die relativ unverhohlene Botschaft an ihn wäre: Für die Qualifikation warst du gut genug, für die WM brauchen wir aber einen noch besseren Keeper.
Ein Turnier als Nummer zwei hätte Baumann nach seinen zuletzt guten Leistungen in der Nationalmannschaft nicht verdient. Unter solchen Umständen könnte er auch gleich daheimbleiben und das Turnier von der Couch aus verfolgen.
Zuzutrauen ist dem 35-Jährigen eine WM-Absage nicht. Baumann ist ein Teamplayer, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Ein fader Beigeschmack bliebe trotzdem.
Hoher Konkurrenzdruck im Tor
Und noch ein namhafter Torwart würde unter Neuers Rückkehr leiden: Alexander Nübel. Dass er und der Weltmeister von 2014 nicht das beste Verhältnis pflegen, ist kein Geheimnis.
Und angesichts der Tatsache, dass sich Jonas Urbig sowohl beim FC Bayern als auch in der DFB-Elf ins Rampenlicht gearbeitet hat, macht es für Nübel noch härter, sein WM-Ticket zu behalten.
Nagelsmann steht vor einer schicksalhaften Entscheidung, die ganz Fußball-Deutschland bewegt. Es ist davon auszugehen, dass er alle Argumente genau abwägt. Klar ist aber: Sollte er Neuer wirklich reaktivieren, würde sich der Fokus vor der WM komplett verschieben.
Naturgemäß würde sich fast alles um den Rückkehrer drehen. Ob das der Bundestrainer wirklich will, darf bezweifelt werden. Er sollte der Versuchung daher lieber widerstehen.



