Felix Neureuther, ehemaliger Skirennläufer, sieht die Entwicklung des deutschen Sports mit Sorge. In einem Gastbeitrag für die WELT kritisiert er die Strukturen im Leistungs- und Breitensport und fordert dringende Reformen. Die aktuellen Olympischen Spiele in Mailand-Cortina hätten gezeigt, dass Deutschland im Medaillenspiegel abfalle – besonders ohne die Erfolge im Eiskanal.
Neureuther betont, dass der Medaillenspiegel ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verankerung des Sports sei. Er wolle den Athleten keine Note geben, da sie alles aus ihren Möglichkeiten herausholten. Stattdessen müsse die Sportpolitik bewertet werden, die über die Vergabe von Geldern entscheide. Er wünscht sich eine Runde von politischen Entscheidungsträgern mit Sportlern, um die Weichen neu zu stellen.
Ein zentrales Problem sei die mangelnde Wertschätzung sportlicher Leistung. Während ein italienischer Olympiasieger 180.000 Euro für Gold erhalte, seien es in Deutschland nur 30.000 Euro. Neureuther fordert ein Signal an die Kinder, dass sich sportlicher Einsatz lohne. Er verweist auf den Erfolg Italiens als Gastgeber, das seine Medaillenausbeute im Vergleich zu früheren Spielen verdoppelt habe.
Neureuther plädiert daher für Olympische Spiele in Deutschland. Das Abschneiden europäischer Gastgeberländer zeige, dass Heimspiele einen nachhaltigen Effekt hätten. Großbritannien sei ein Beispiel: Nach den Spielen 2012 in London habe das Land seine Medaillenzahl verdoppelt und sei dauerhaft unter den Top vier geblieben. Olympia in Deutschland sei die große Chance, den Sport zu retten und wieder Weltklasse zu werden.



