Pionierinnen im Fußball: Diese Frauen brechen die Männerdomäne
Pionierinnen brechen die Männerdomäne im Fußball

Pionierarbeit im Fußball: Frauen trotzen der Männerdomäne

Am Samstag schreibt Marie-Louise Eta (34) Bundesliga-Geschichte: Sie wird die erste Cheftrainerin eines Männerteams in der höchsten deutschen Spielklasse. Ihre Beförderung beim 1. FC Union Berlin markiert einen bedeutenden Meilenstein im männlich dominierten Profifußball. Die frühere Nationalspielerin reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Frauen, die als Trainerinnen, Moderatorinnen oder Aktivistinnen Pionierarbeit leisten und dabei oft mit Hass und Häme konfrontiert sind.

Vorreiterinnen in verschiedenen Rollen

Die Liste der Pionierinnen ist lang und vielfältig. Bibiana Steinhaus-Webb war 2017 die erste Frau, die ein Spiel in der Männer-Bundesliga leitete. „Ich wollte immer nur nach Leistung bewertet werden“, betonte die 47-Jährige, die ihre Karriere als Unparteiische 2021 beendete. Insgesamt pfiff sie 23 Partien im Oberhaus und 92 in der 2. Bundesliga. Viermal wurde sie als Weltschiedsrichterin ausgezeichnet und leitete sowohl das Finale einer Frauen-WM als auch das Finale eines olympischen Fußballturniers der Frauen.

Claudia Neumann schrieb 2016 Fernsehgeschichte als erste Frau, die bei einem EM-Spiel der Männer am Mikrofon saß. Sie kommentierte später WM-Spiele und 2023 das Männer-Finale der Champions League. Immer wieder wurde sie Opfer sexistischer Beleidigungen und im Netz mit Häme überschüttet. „Wir reden hier über gesellschaftliche Probleme: Hass im Netz, Frauenfeindlichkeit, der aggressive Umgang miteinander“, sagte Neumann in einem Interview.

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Führungspersönlichkeiten und Aktivistinnen

Tatjana Haenni ist seit Januar die Vorsitzende der Geschäftsführung bei RB Leipzig und damit aktuell die einzige Frau an der Spitze eines Bundesligisten. Die ehemalige Schweizer Nationalspielerin hatte zuvor verantwortliche Posten bei der UEFA, FIFA und in der US-Frauenliga NWSL inne. Sie organisierte auch die Frauen-WM 2011 in Deutschland mit.

Katja Kraus, Geschäftsführerin der Werbeagentur Jung von Matt/sports, zählt zu den einflussreichsten Frauen im deutschen Fußball. Nach ihrer aktiven Karriere war sie Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt, Vorstandsmitglied beim Hamburger SV und Mitglied des Aufsichtsrats von adidas. „Eine Reihe von Männern hat sich damit schwergetan. In der Anfangszeit wurde beharrlich nach meinen Fehlern gesucht“, berichtete Kraus.

Megan Rapinoe, die US-Amerikanerin, war nicht nur Nationalspielerin, sondern auch eine starke Aktivistin. Die frühere Ballon-d'Or-Gewinnerin kämpfte gegen Sexismus, Homophobie und Rassismus und scheute dabei keine Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump. „Als ich älter geworden bin, habe ich erkannt, wie mächtig eine Stimme sein kann“, sagte sie.

Trainerinnen und Vereinschefinnen

Sabrina Wittmann schrieb 2024 deutsche Fußball-Geschichte, als sie zur Interims- und später Cheftrainerin befördert wurde. „Der Rucksack war schon ein bisschen schwerer, als ich gedacht hätte“, sagte die erste Trainerin im deutschen Männer-Profifußball. Im Januar 2026 erhielt sie die DFB Pro-Lizenz und verlängerte im März ihren Vertrag bei Ingolstadt.

Inka Grings übernahm im April 2019 den damaligen West-Regionalligisten SV Straelen und wurde so zur ersten Frau, die ein Team aus einer der ersten vier Männer-Ligen Deutschlands trainierte. Sie stieg mit dem Club ab und prompt wieder auf. „Die Spieler bestätigen, worauf es ankommt: nämlich ob du Qualitäten, Kompetenzen hast, ob du authentisch bist, führen kannst“, sagte Grings.

Nicole Kumpis wurde 2022 zur Präsidentin des damaligen Drittligisten Eintracht Braunschweig gewählt – zum ersten Mal seit Jahrzehnten stand wieder eine Frau an der Spitze eines deutschen Profifußball-Clubs. „Mein Handy stand nicht still. Es hat größere Wellen geschlagen, als ich es erwartet hätte“, berichtete Kumpis.

Kurze Amtszeiten und weitere Pionierinnen

Donata Hopfen trat Ende 2021 als Geschäftsführerin der Deutschen Fußball Liga an, wurde aber nach knapp einem Jahr wieder abgesetzt. Während ihrer Amtszeit sorgte sie für Kritik, unter anderem durch Äußerungen zu Playoffs in der Bundesliga und einem deutschen Supercup in Saudi-Arabien.

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Weitere Vorreiterinnen sind Imke Wübbenhorst, die 2020 in Lotte einen Männer-Viertligisten coachte, und Gisela Schwerdt, die 1986 für acht Monate Präsidentin des damaligen Zweitligisten Arminia Bielefeld war. Der TSV 1860 München stieg 1991 unter Vereinschefin Liselotte Knecht von der Bayernliga in die 2. Liga auf.

Diese Frauen zeigen, dass der Weg in die Männerdomäne Fußball steinig ist, aber mit Entschlossenheit und Kompetenz bewältigt werden kann. Sie dienen als Vorbilder für eine neue Generation und treiben den Wandel im Sport voran.