Pionierinnen im Fußball: Diese Frauen durchbrechen die Männerdomäne
Pionierinnen durchbrechen die Männerdomäne im Fußball

Pionierinnen im Fußball: Diese Frauen durchbrechen die Männerdomäne

Am Samstag wird Marie-Louise Eta (34) Bundesliga-Geschichte schreiben: Sie ist die erste Cheftrainerin eines Männerteams in der höchsten deutschen Spielklasse. Ihre Beförderung beim 1. FC Union Berlin markiert einen bedeutenden Meilenstein im männlich dominierten Profifußball. Die frühere Nationalspielerin reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Frauen, die Pionierarbeit leisten – ob als Trainerin, Moderatorin, Aktivistin oder in Führungspositionen. Trotz Hass, Häme und strukturellen Hürden setzen sich diese Vorreiterinnen durch und ebnen den Weg für mehr Diversität im Fußball.

Schiedsrichterin, Aktivistin und Geschäftsführerin

Bibiana Steinhaus-Webb war 2017 die erste Frau, die ein Spiel in der Männer-Bundesliga leitete. „Ich wollte immer nur nach Leistung bewertet werden“, betonte die 47-Jährige, die ihre Karriere als Unparteiische 2021 beendete. Insgesamt pfiff Steinhaus-Webb in ihrer Laufbahn 23 Partien im Oberhaus und 92 in der 2. Bundesliga. Viermal wurde sie als Weltschiedsrichterin ausgezeichnet. Außerdem war sie die erste Frau, die sowohl das Finale einer Frauen-WM als auch das Finale eines olympischen Fußballturniers der Frauen leitete.

Megan Rapinoe, die US-Amerikanerin, war nicht nur Nationalspielerin, sondern auch eine lautstarke Aktivistin und starke Stimme neben dem Platz. Die frühere Ballon-d'Or-Gewinnerin kämpfte während ihrer Karriere immer wieder gegen Sexismus, Homophobie und Rassismus und scheute dabei auch keine Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump. „Als ich älter geworden bin, habe ich erkannt, wie mächtig eine Stimme sein kann“, sagte die frühere Kapitänin des US-Teams einmal. 2012 hatte sich Rapinoe offen zu ihrer Homosexualität bekannt.

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Führungskräfte und Medienpersönlichkeiten

Tatjana Haenni ist seit Januar die Vorsitzende der Geschäftsführung bei RB Leipzig und damit aktuell die einzige Frau an der Spitze eines Bundesligisten. Haenni war Schweizer Nationalspielerin und arbeitete auch als Trainerin. Sie gilt seit Jahren als eine der großen treibenden Kräfte im Frauenfußball. Bei der UEFA und bei der FIFA hatte sie verantwortliche Posten, ebenso in der US-Frauenliga NWSL als Sportdirektorin. Haenni organisierte auch die Frauen-WM 2011 in Deutschland mit. Außerdem war die 59-Jährige die erste Frau in der Geschäftsführung des Schweizer Fußball-Verbandes.

Katja Kraus zählt zu den einflussreichsten Frauen im deutschen Fußball. Die Geschäftsführerin der Werbeagentur Jung von Matt/sports war nach ihrer aktiven Karriere als Bundesligaspielerin Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt, Vorstandsmitglied beim Hamburger SV und Mitglied des Aufsichtsrats von adidas. „Eine Reihe von Männern hat sich damit schwergetan. In der Anfangszeit wurde beharrlich nach meinen Fehlern gesucht“, berichtete Kraus jüngst in einem Interview. Die Union-Entscheidung pro Eta begrüßt sie: „Sie wird definitiv ein Vorbild sein. Wir brauchen diese Vorbildfunktion.“

Claudia Neumann, die ZDF-Sportreporterin, schrieb 2016 Fernsehgeschichte als erste Frau, die bei einem EM-Spiel der Männer am Mikrofon saß. In den Folgejahren kommentierte sie WM-Spiele oder 2023 das Männer-Finale der Champions League. Immer wieder wurde sie zum Opfer sexistischer Beleidigungen und im Netz mit Häme und Kritik überschüttet. Das ZDF stellte sogar phasenweise die Kommentar-Funktion in den sozialen Medien ab. „Wir reden hier über gesellschaftliche Probleme: Hass im Netz, Frauenfeindlichkeit, der aggressive Umgang miteinander, an den wir uns fast schon gewöhnt haben“, sagte Neumann einmal im Interview.

Trainerinnen und Vereinspräsidentinnen

Sabrina Wittmann schrieb 2024 deutsche Fußball-Geschichte mit ihrer Beförderung zur Interims- und später Cheftrainerin. Dies sei schon ein „Rucksack“ gewesen, sagte die erste Trainerin im deutschen Männer-Profifußball jüngst in einem Podcast. „Der war schon ein bisschen schwerer, als ich gedacht hätte, um ehrlich zu sein.“ Doch Wittmann setzte sich durch. Im Januar 2026 erhielt sie nach einem Lehrgang vom Deutschen Fußball-Bund die DFB Pro-Lizenz. Im März verlängerte Ingolstadt den Vertrag mit Wittmann.

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Donata Hopfen trat Ende 2021 als Geschäftsführerin der Deutschen Fußball Liga an, wurde aber nach knapp einem Jahr wieder abgesetzt. Für Kritik sorgte während ihrer Amtszeit unter anderem ein Interview, in dem Hopfen Playoffs in der Bundesliga und einen deutschen Supercup in Saudi-Arabien zunächst nicht ausgeschlossen hatte.

Inka Grings übernahm im April 2019 den damaligen West-Regionalligisten SV Straelen im Abstiegskampf – und wurde so zur ersten Frau, die ein Team aus einer der ersten vier Männer-Ligen Deutschlands trainierte. Sie stieg mit dem Club ab und prompt wieder auf. Gegen Vorurteile habe sie sich kaum wehren müssen, sagte Grings. „Die Spieler bestätigen, worauf es ankommt: nämlich ob du Qualitäten, Kompetenzen hast, ob du authentisch bist, führen kannst. Und warum soll ich das als Frau nicht können?“ Auch Imke Wübbenhorst coachte 2020 in Lotte einen Männer-Viertligisten.

Nicole Kumpis wurde 2022 zur Präsidentin des damaligen Drittligisten Eintracht Braunschweig gewählt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten stand wieder eine Frau an der Spitze eines deutschen Profifußball-Clubs. „Mein Handy stand nicht still. Es hat größere Wellen geschlagen, als ich es erwartet hätte“, berichtete Kumpis damals. In ihrem Wahlkampf ging es Kumpis erklärtermaßen nie um die Geschlechterfrage. „Ich habe dazu im Vorfeld gesagt, dass mir das nicht wichtig ist. Es setzt aber ein Zeichen und das muss es auch.“ Historische Vorbilder sind Gisela Schwerdt, die 1986 für acht Monate Präsidentin des damaligen Zweitligisten Arminia Bielefeld war, und Liselotte Knecht, unter deren Führung der TSV 1860 München 1991 von der Bayernliga in die 2. Liga aufstieg.