100 Tage vor der WM: Politische Krisen drohen undenkbares Szenario
Politische Krisen drohen WM-Szenario

Politische Krisen überschatten WM-Vorbereitungen

Nur noch 100 Tage bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada, doch statt sportlicher Vorfreude dominieren politische Konflikte die Diskussion. Die Vorbereitungen auf das Turnier vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 sind massiv belastet, und der eskalierende Iran-Konflikt sorgt für das nächste große Fragezeichen.

Nagelsmanns realistische Einschätzung

Bundestrainer Julian Nagelsmann brachte es im kicker auf den Punkt: „Wir sollten das Bewusstsein haben, dass politische Themen vorherrschen, die der Sport nicht lösen wird.“ Diese Einschätzung erweist sich als zutreffend, denn die jüngste Entwicklung im Iran-Konflikt stellt die Teilnahme der qualifizierten Mannschaft aus dem Kriegsgebiet ernsthaft infrage. Ein undenkbares Szenario droht: Was geschieht, wenn Iran nicht an der WM teilnehmen kann?

Der iranische Ligabetrieb ist bereits ausgesetzt, anstehende WM-Vorbereitungsspiele wurden abgesagt. „Sicher ist, dass nach diesem Angriff nicht zu erwarten ist, dass wir hoffnungsvoll auf die WM blicken“, erklärte Irans Verbandsboss Mehdi Taj gegenüber dem Sportnachrichten-Anbieter Varzesh3. Die US-Regierung habe das Heimatland angegriffen, und dies werde nicht unbeantwortet bleiben.

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Historische Entscheidung für die FIFA

Die Iraner sollen ihre drei WM-Vorrundenspiele in Los Angeles und Seattle austragen, doch die Situation ist äußerst fragil. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström äußerte sich zurückhaltend: „Es ist zu früh, um dies im Detail zu kommentieren, aber wir werden die Entwicklungen in allen Fragen weltweit weiter beobachten.“ Der Weltverband möchte nach wie vor alle qualifizierten Teams an den Start bringen.

Doch mehrere Szenarien sind denkbar:

  • Iran entscheidet sich zu einem Boykott
  • Andere Länder stufen die Teilnahme der in einen Krieg verwickelten Nation als unsicher ein
  • Die USA lassen die iranische Mannschaft nicht einreisen
Bereits jetzt ist Iranern der Zugang zu den USA untersagt, mit Ausnahme für Sportmannschaften – zumindest aktuell. Schon bei der WM-Auslosung wurden einige iranische Delegierte nicht ins Land gelassen, wobei die FIFA damals machtlos erschien.

Mögliche Lösungen für ein WM-Problem

Das FIFA-Reglement adressiert, was geschieht, wenn ein WM-Teilnehmer wegfällt: Die FIFA entscheidet nach eigenem Ermessen und kann den betreffenden Verband durch einen anderen ersetzen. Zwei Optionen erscheinen möglich:

  1. Iran wird durch eine andere Nation ersetzt (potenzielle Kandidaten: Irak oder Vereinigte Arabische Emirate)
  2. Die Vorrundengruppe wird auf drei Teams reduziert
Ein Rückzug von einer WM gab es seit 1950 nicht mehr – damals stiegen Schottland, die Türkei, Indien und Frankreich aus der ersten Austragung nach dem Zweiten Weltkrieg aus.

Weitere Herausforderungen für die XXL-WM

Geplant sind 104 Partien an 16 Spielorten in vier Zeitzonen, wobei 78 Begegnungen in den USA stattfinden sollen. Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika ist im Azteken-Stadion von Mexiko-City geplant, das Finale in New York. FIFA-Boss Gianni Infantino versprach „104 Super Bowls“, die dem Weltverband Rekordeinnahmen von elf Milliarden Dollar bringen sollen.

Trotz massiver Kritik an hohen Eintrittspreisen gab es laut FIFA 508 Millionen Nachfragen für die rund sieben Millionen Tickets. „Alle Spiele sind ausverkauft“, verkündete Infantino. Doch ob die Ränge tatsächlich überall gefüllt sein werden, erscheint ebenso offen wie die Frage, ob wirklich an jedem geplanten Standort gespielt werden kann.

Weitere Probleme belasten die Vorbereitungen:

  • Der Drogenkrieg in Mexiko lässt besonders auf Guadalajara mit Sorge blicken
  • Boston droht auszusteigen, wenn bis Mitte März nicht eingefrorene Bundesgelder für Sicherheitsmaßnahmen fließen
  • Die Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump verschreckt mögliche Besucher
  • Todesschüsse von ICE-Beamten, aggressive Außenpolitik und verschärfte Einreisebeschränkungen wirken nicht einladend

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Sport im Schatten der Weltpolitik

Die Vorbereitungen auf die Endrunde sind derart belastet, dass kaum jemand über die Hoffnung auf ein friedliches Fest der Kulturen oder gar den Sport spricht. Nagelsmann, der sich gemäß seiner Jobbeschreibung auf den Fußball konzentrieren möchte, ist sich dieser Realität bewusst: „Unsere eigene Leistung auf dem Fußballplatz hat für die weltpolitische Lage leider gar keine Relevanz.“

Statt der erwarteten Diskussionen über 48 Teilnehmer, 104 Partien und fast sechs Wochen Turnierdauer – den größten Aufregern rund um die erste XXL-WM der Geschichte – bestimmen nun Trump, Grönland, ICE, Mexiko und Iran die Agenda. Die Fußballwelt hat sich verändert, und die WM 2026 könnte in die Geschichte eingehen als das Turnier, bei dem die Politik den Sport endgültig eingeholt hat.