Preußen-Abstieg: Scherder gibt nicht auf – Kampf um Klassenerhalt
Preußen-Abstieg: Scherder kämpft weiter

Noch ist die Rettung rechnerisch möglich. Mit Siegen in Hannover (So./13:30 Uhr), gegen Darmstadt (10.5.) und beim SV Elversberg (17.5.) kann sich Zweitliga-Schlusslicht Münster den Klassenerhalt sichern. Doch daran glauben wohl nur die allergrößten Optimisten. Selbst die treuesten Fans haben die Saison inzwischen abgehakt – und das soll die Mannschaft offenbar auch zu spüren bekommen. So wollen die Ultras nach BILD-Information den kultigen Schlachtruf „Alle zusammen für Preußen Münster“, der die Mannschaft so wunderbar durch die letzten Jahre getragen hat, ab sofort einstellen. Ihr Anpfiff nach dem Abpfiff – Totenstille statt gemeinsamem Feiern oder Leiden.

Eine Entwicklung, die natürlich auch Simon Scherder (33) bedauert. Für Münsters Kultkicker, der seit 14 (!) Jahren für die schwarz-weiß-grünen Profis (316 Pflichtspiele) aufläuft, endet ohnehin gerade ein großer Traum. Seitdem er sich im Oktober des vergangenen Jahres (22.10.) einen Kreuzbandriss zuzog, kämpft er verbissen um sein Comeback. Macht dabei gute Fortschritte. Spätestens zur Vorbereitung auf die neue Saison will der eisenharte Innenverteidiger wieder einsteigen. Aber eben nicht mehr im deutschen Fußball-Unterhaus.

Scherder ehrlich: „Schon als kleiner Junge war es mein Ziel, einmal in der Bundesliga zu spielen. Für ganz oben hat's zwar nicht gereicht, aber auch die 2. Liga hat mich schon wahnsinnig stolz und glücklich gemacht.“ Erst recht, weil er genau weiß, was dieser sportliche Erfolg auch für die gesamte Region bedeutete. „Ich habe alle Höhen und Tiefen miterlebt, bin mit Preußen bis runter in die Regionalliga gegangen. Die Zweitliga-Rückkehr nach 33 Jahren war einfach für alle der blanke Wahnsinn.“

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Während er dort in der ersten Saison noch leichte Anlaufschwierigkeiten hatte, konnte sich der Abwehr-Routinier zu Beginn der aktuellen Spielzeit seinen Stammplatz erkämpfen. Erntete dafür sogar von Ex-Coach Alexander Ende (46/jetzt Fortuna Düsseldorf) großes Lob: „Überragend! Diese Leistungen hätte ich Simon eigentlich gar nicht zugetraut.“

Dann aber riss ihm nach nur neun Spieltagen im Training zum dritten Mal in seiner Karriere das Kreuzband. Anstatt auf dem Rasen oder wenigstens durch seine Präsenz in der Kabine beitragen zu können, die Liga zu halten, blieb ihm nur noch das Daumendrücken oben auf der Tribüne. Was nicht viel nutzte. Hilflos musste Scherder die sportliche Talfahrt seiner Truppe mitverfolgen. Die Derby-Pleite am vergangenen Samstag gegen Erz-Rivale Arminia Bielefeld (2:3) – sie war mutmaßlich der Sargnagel für die „Adlerträger“ – hat ihn schwer mitgenommen. Das gibt er sogar offen zu: „Unmittelbar nach dem Schlusspfiff habe ich mich erst einmal kurz in den Raum von unseren Zeugwarten zurückgezogen. Ich brauchte ein paar Minuten für mich allein. Das tat echt weh zu wissen, dass ich vorerst nicht mehr in der 2. Liga auflaufen werde.“

Bis 2027 hat er Vertrag bei den Preußen. Und bei allem Frust seinen Kampfgeist nicht verloren. „Klar wird's schwer, uns steht ein großer Umbruch bevor. Doch ich werde alles raushauen, um im nächsten Jahr wieder erfolgreich zu sein. Als wir 2020 in die 4. Liga abgestiegen sind, habe ich mich auch zu Preußen bekannt. Um den Betriebsschaden wiedergutzumachen. Das ist uns gelungen,“ so Scherder, „warum soll das nicht auch ein zweites Mal klappen?“

Genau diese Einstellung macht Hoffnung. Und sie ist es auch, warum die Fans ihren „Fußballgott“ so lieben.

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