Raúl: Warum ich fast aus der Arena abhauen wollte – BILD-Reporter erinnert sich
Raúl: Warum ich fast aus der Arena abhauen wollte

BILD-Reporter Peter Wenzel blickt auf 35 Jahre als Schalke-Berichterstatter zurück. In Teil 2 seiner Serie erinnert er sich an besondere Momente mit Stars wie Raúl, Olaf Thon und Emile Mpenza. Besonders der spanische Superstar Raúl hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Raúls Magie: Ein Lupfer, der alles veränderte

Wenzel gesteht, dass er sich oft über das Klischee des kämpferischen Schalke geärgert habe. Doch es gab auch Spieler, die fantastischen Fußball zeigten. Olaf Thon (60), auf Kohle geboren, sei ein „ganz Großer aus Gelsenkirchen“ gewesen, der den Ball streichelte und das Spiel las. Doch alle überstrahlte Raúl (48), der nur zwei Jahre für Schalke spielte.

„Beim legendären 4:1 gegen Köln (später zum ‚Tor des Jahres‘ gewählt) schoss mir sogar eine Lupfer-Sekunde lang durch den Kopf, am liebsten sofort aus der Arena abzuhauen und dieses Das-erzähle-ich-meinen-Enkeln-Gefühl zu genießen“, schreibt Wenzel. Mehr Magie sei nicht gegangen. Das Endergebnis (5:1) interessierte ihn nicht mehr.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der Super-Profi Raúl: Pünktlich und bescheiden

Raúl wohnte mit seiner Familie in Düsseldorf, damit seine Kinder die internationale Schule besuchen konnten. Trotz des Verkehrschaos forderte er nie einen späteren Trainingsstart. „Raúl hätte selbst in Köln leben können und wäre pünktlich gewesen – ein Super-Profi, wie ich ihn nur selten erlebt habe“, so Wenzel.

Raúl machte auch andere besser: Klaas-Jan Huntelaar (42) wurde 2011/2012 mit 29 Toren und 11 Vorlagen Torschützenkönig – nicht zuletzt dank Raúl (15 Tore, 6 Vorlagen). Zusammen kamen sie auf 61 Scorerpunkte.

Das Traumpaar Sand und Mpenza

Noch mehr begeisterte Wenzel das Duo Ebbe Sand (53) und Emile Mpenza (47). In der Saison 2000/01 erzielten sie 56 Scorerpunkte und führten Schalke zur „Meisterschaft der Herzen“. Sand (22 Tore, 10 Vorlagen) und Mpenza (13 Tore, 11 Vorlagen) waren vorher keine europäischen Top-Stars.

Mpenza war nicht nur auf dem Platz schnell. Auf der Autobahn gab er gerne Gas, was zu Konflikten mit Manager Rudi Assauer (†74) führte. Daraufhin versteckte Mpenza seinen roten Ferrari beim italienischen Restaurant „La Scala“ in Gelsenkirchen-Buer und fuhr mit einem unauffälligen BMW Cabriolet von Chef Carmelo Campisi (62) zum Training.

Marc Wilmots und der Andy-Möller-Transfer

Mpenzas Landsmann Marc Wilmots (57) reagierte anders auf Assauer. Als dieser sensationell Andy Möller (58) vom Rivalen Borussia Dortmund holte, rief Wenzel Wilmots an. „Er tobte bei BILD, Schalke habe ‚hinter seinem Rücken ein Baby gemacht‘“, erinnert sich Wenzel. Er rechnete mit einem Rückzug von Wilmots, doch der eskalierte: Er wechselte umgehend zu Girondins Bordeaux. „Die Konsequenz eines Stars!“

Wenzel resümiert: Schalke hatte nicht nur Kämpfer, sondern auch Spieler mit außergewöhnlichem Talent und Charakter.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration