Rani Khedira auf dem Weg zur WM: Union-Star wird tunesischer Nationalspieler
Das Timing hätte kaum besser sein können für Union Berlins Vizekapitän Rani Khedira. Der 32-jährige Mittelfeldspieler erzielte beim 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen nicht nur sein fünftes Saisontor und damit einen persönlichen Rekord, sondern präsentierte seine Qualitäten auch vor einem besonderen Zuschauer.
Scouting unter besonderen Umständen
Auf der Tribüne des Stadions An der Alten Försterei saß Michael Hefele, der deutsche Co-Trainer der tunesischen Nationalmannschaft. Der 35-Jährige war extra angereist, um Khedira als potenziellen WM-Kandidaten für die nordafrikanische Auswahl zu scouten. „Es hat für mich gar keine Rolle gespielt, weil ich versuche, jedes Spiel meine Leistung abzurufen und für meine Mannschaft da zu sein. Das steht über allem“, erklärte Khedira nach dem Spiel gewohnt gelassen.
Fakt ist jedoch: Der Union-Mittelfeldmotor ist nun endgültig ein heißer Kandidat für den WM-Kader der „Adler von Karthago“. Nach Informationen wird die offizielle Verkündung aus Tunesien in Kürze erfolgen – bereits im März könnte eine erste Einladung zur Nationalmannschaft folgen.
Doppelte Staatsbürgerschaft und DFB-Vergangenheit
Khedira besitzt neben der deutschen auch die tunesische Staatsbürgerschaft, was einen Wechsel ermöglicht. Seine fußballerische Ausbildung erhielt er jedoch in Deutschland, wo er bis zur U19 insgesamt 13 Junioren-Länderspiele für den DFB absolvierte. Nun steht der Wechsel zur tunesischen A-Nationalmannschaft unmittelbar bevor.
Traumtor als perfekte Bewerbung
Sein Treffer gegen Leverkusen in der 28. Minute war Bewerbung genug. Khedira nutzte einen Abstimmungsfehler zwischen Robert Andrich und Torwart Janis Blaswich, spritzte dazwischen und lupfte den Ball mit viel Gefühl über den Torwart ins Netz. „Es ist schon tausendmal vorgekommen, dass Verteidiger und Torwart sich so ein bisschen uneinig sind“, analysierte er die Szene. „Da hatte ich so ein Gefühl, dass es so ist. Ich nehme mir die Innenbahn, versuche dazwischen zu kommen. Dann passiert entweder ein Foul oder ich komme an den Ball.“
Offensiver Auftritt und familiäre Unterstützung
Auffällig in dieser Saison: Khedira schaltet sich deutlich häufiger in die Offensive ein als in früheren Spielzeiten. „Ich habe mir vor der Saison Videos angeschaut von Top-Spielern, die das gut machen, und an meiner Abschluss-Effizienz gearbeitet“, verriet der Mittelfeldspieler. Zu seiner Video-Auswahl gehören Enzo Fernández vom FC Chelsea, aber auch sein Bruder Sami Khedira sowie Bayerns Leon Goretzka.
Die familiäre Unterstützung spielt dabei eine wichtige Rolle. Bruder Sami Khedira, selbst ehemaliger Nationalspieler und Weltmeister von 2014, steht ihm mit wertvollen Tipps zur Seite und unterstützt ihn auf seinem Weg.
Union Berlin atmet auf
Nach sieben Spielen ohne Sieg fiel bei den Eisernen endlich wieder Druck ab. Union-Trainer Steffen Baumgart zeigte sich zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: „Ich glaube, dass wir ein Spiel gesehen haben, in dem wir das nötige Quäntchen Glück hatten. Trotzdem haben wir sehr gut verteidigt, das Spiel angenommen und dem Gegner die Räume immer wieder sehr klein gemacht.“
Besonders freute den 54-Jährigen: „Den einen kleinen Fehler, den uns der Gegner angeboten hat, haben wir diesmal ausgenutzt. Das ist uns in letzter Zeit nicht oft gelungen. Umso länger das Spiel ging, war es dann eine Abwehrschlacht.“ Eine Abwehrschlacht, die die Eisernen tapfer über die Zeit retteten und damit drei wichtige Punkte sicherten.
Während Union Berlin im Bundesliga-Alltag weiterkämpft, bereitet sich Rani Khedira nun auf das nächste große Kapitel seiner Karriere vor: die Teilnahme an der Weltmeisterschaft mit der tunesischen Nationalmannschaft. Für den 32-Jährigen könnte sich damit ein langgehegter Traum erfüllen.



