Regionalliga-Reform vor entscheidender Weichenstellung
In Frankfurt könnte die langwierige Diskussion um die Reform der Regionalligen endlich einen Durchbruch erleben. Funktionäre des Deutschen Fußball-Bunds, Verbandsvertreter und Vereinsrepräsentanten kommen zu einer möglicherweise wegweisenden Sitzung zusammen, die als kleines Finale eines mehrjährigen Reformprozesses gilt.
Das Kompass-Modell als favorisierte Lösung
Im Zentrum der Diskussion steht das sogenannte Kompass-Modell, das eine grundlegende Neuordnung der Regionalligen vorsieht. Statt der aktuellen fünf Staffeln sollen künftig nur noch vier Ligen existieren: Nord, Ost, Süd und West. Jede dieser Staffeln soll 20 Mannschaften umfassen, wobei die Zusammensetzung vor jeder Saison durch Künstliche Intelligenz neu bestimmt wird.
„Wir sind gerade so weit gekommen wie noch nie in den Bestrebungen, diese eigentliche Selbstverständlichkeit 'Meister müssen aufsteigen' wahr werden zu lassen für alle Regionalligen“, erklärte Marcus Uhlig, Vorstandsvorsitzender von Rot-Weiß Oberhausen, gegenüber der „Neuen Ruhr Zeitung“. Diese Kernforderung steht im Mittelpunkt der Reformbemühungen.
Vorteile und Herausforderungen des neuen Systems
Der fluide Zuschnitt der Staffeln soll mehrere Vorteile bringen:
- Kürzere Fahrtstrecken für die Vereine
- Geringere Reisekosten
- Einheitliche Zulassungskriterien für alle Staffeln
- Fairere Aufstiegsbedingungen für alle Meister
Doch nicht alle Vereine sehen die geplante Reform positiv. Franz Gerber, Geschäftsführer von Rot-Weiß Erfurt, äußerte gegenüber dem „Kicker“ gemischte Gefühle: „Das Kompass-Modell wäre zu 95 Prozent gerecht. Eine Lösung, die alle zu 100 Prozent zufriedenstellt, wird es nie geben.“
Kritikpunkte und alternative Modelle
Besonders Vereine an geografischen Rändern wie Weiche Flensburg befürchten höhere Fahrtkosten durch die neue Einteilung. Auch der Verlust attraktiver Lokalderbys bereitet einigen Clubs Sorgen – so würden etwa die Kickers Offenbach oder Hessen Kassel aus der Regionalliga Südwest in die West-Staffel wechseln.
Als Alternativen zum Kompass-Modell wurden verschiedene Ansätze diskutiert:
- Das Modell „Fünf aus Fünf“ mit fünf direkten Aufsteigern
- Eine Aufstockung der 3. Liga
- Eine Aufspaltung der 3. Liga in zwei Staffeln
Der DFB lehnt diese Alternativen jedoch mehrheitlich ab, da sie die Planungssicherheit gefährden oder bereits in der Vergangenheit nicht funktioniert haben.
Die Arbeitsgruppe und ihre Zusammensetzung
Den Vorsitz der entscheidenden Arbeitsgruppe führt Michael Vesper, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes. Vesper zeigt sich vor der Sitzung optimistisch: „Was mich ermutigt, ist, dass alle – ich betone alle – Landes- und Regionalverbandspräsidenten diese Gruppe eingerichtet haben.“
Neben Vesper sind alle fünf Regionalligen mit je einem Verbands- und einem Vereinssprecher vertreten. Komplettiert wird das Gremium durch Manuel Hartmann (DFB-Geschäftsführer Spielbetrieb) und Ansgar Schwenken (DFL-Direktor Spielbetrieb & Fans).
Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ hat mittlerweile 65 Unterstützer von der Bundesliga bis zur Oberliga gewonnen. Sollte sich die Arbeitsgruppe auf eine konsensfähige Lösung einigen, könnte diese dem DFB-Bundestag zur Abstimmung vorgelegt werden. Die neue Struktur soll frühestens zur Saison 2027/28 in Kraft treten.



