Regionalliga-Reform sorgt für Zoff: Neues Modell könnte Klubs finanziell ruinieren
Regionalliga-Reform: Neues Modell könnte Klubs ruinieren

Regionalliga-Reform sorgt für massiven Widerstand bei Vereinen

Eine geplante Reform der vierten Fußballliga durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) stößt bei zahlreichen Vereinen auf erbitterten Widerstand. Das sogenannte Regionen-Modell, das von den Regionalverbandspräsidenten vorgeschlagen wurde, könnte für viele Klubs fatale finanzielle und sportliche Konsequenzen haben.

Längere Fahrten und unattraktivere Spiele

Das kontroverse Modell würde dazu führen, dass Vereine aus dem hohen Norden Deutschlands künftig bis in den tiefen Osten reisen müssten. So würden beispielsweise Mannschaften aus Flensburg oder Emden nach Halle oder sogar ins südliche Brandenburg fahren müssen, falls der FC Energie Cottbus aus der 3. Liga absteigen sollte. Gleichzeitig würden traditionsreiche Derbys wie das zwischen Lok Leipzig und dem Halleschen FC voraussichtlich wegfallen.

Sportdirektor Daniel Meyer vom Halleschen FC äußert sich deutlich kritisch: "Dieser Ansatz ist bereits 2018 krachend gescheitert. Nach einem Jahr intensiver Arbeit wirkt es so, als würde ein bereits bekannter und nicht umsetzbarer Vorschlag unter neuem Namen und gegen den klar artikulierten Willen der Vereine aus der Mottenkiste geholt werden."

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Kompassmodell als vernünftige Alternative

Dem umstrittenen Regionen-Modell steht das sogenannte Kompassmodell gegenüber, das bei Fans und Vereinen deutlich beliebter ist. Dieses Modell würde ermöglichen, dass nach 14 Jahren erstmals alle Viertliga-Meister aufsteigen könnten. Seit Februar 2025 haben sich zunächst die Ostklubs und später 70 Vereine aus ganz Deutschland zur Initiative "Aufstiegsreform" zusammengeschlossen, um dieses Ziel zu erreichen.

Beim Kompassmodell ist lediglich die Trägerschaft noch offen. Die Verbandsfunktionäre müssten sich lediglich darauf einigen, eine GmbH zu gründen oder den DFB die Verantwortung übernehmen zu lassen. Doch genau dieser mögliche Machtverlust scheint den Verantwortlichen nicht zu passen.

Fatale Konsequenzen für den Fußball

Die Nachteile des Regionen-Modells sind zahlreich und gravierend:

  • Die bayerischen, nord- und ostdeutschen Vereine müssten deutlich weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen
  • Die Spiele wären für Zuschauer deutlich unattraktiver
  • Alle betroffenen Vereine erhielten weniger Startplätze als im Kompassmodell
  • Die Entwicklung kleinerer Klubs Richtung 3. Liga würde erschwert

Besonders problematisch ist der Übergang zur neuen Liga. Während beim Kompassmodell alle fünf bisherigen Staffeln eine feste und ähnliche Anzahl an Teams stellen dürfen, wird im Regionen-Modell einfach der Osten auf Bayern und den Norden verteilt. Der DFB steht vor dem Rätsel, wie er die letzte Saison in der Regionalliga Nordost werten soll.

Medien reagieren mit scharfer Kritik

Zahlreiche Medien haben den Plan bereits scharf kritisiert. Tobias Gutsche von der "Märkischen Allgemeinen" bringt es auf den Punkt: "Hintergrund ist, dass der sport-moralische Kompass von Verbandsobrigkeiten kaputt zu sein scheint."

Die Regionalliga Nordost, die bisher als zuschauer- und finanzstärkste Regionalliga gilt, würde geopfert und mit unklaren Aussichten in neue Staffeln aufgespalten. Gleichzeitig bliebe die West-Regionalliga, die unter erheblichen wirtschaftlichen Problemen leidet, einfach weiterbestehen.

Die Diskussion um die Regionalliga-Reform zeigt deutlich, dass bei den Verbandsfunktionären offenbar andere Interessen im Vordergrund stehen als der Sport selbst. Während die Vereine und Fans nach fairen Aufstiegschancen und regionalen Derbys rufen, scheinen Machterhalt und politische Spielchen die eigentlichen Triebfedern dieser Reform zu sein.

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