DFB-Chef Rettig sieht WM 2026 als wirtschaftliche Herausforderung
Andreas Rettig, Geschäftsführer Sport des Deutschen Fußball-Bundes, hat deutliche wirtschaftliche Bedenken zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada geäußert. In einem Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ nannte der 62-Jährige mehrere Faktoren, die das XXL-Turnier zu einem finanziellen Risiko für den DFB und andere Verbände machen könnten.
Rekordprämien der FIFA versus reale Kosten
Die FIFA hatte zwar Rekord-Prämien für das Turnier angekündigt: Insgesamt 655 Millionen US-Dollar fließen in die nach Endplatzierungen vergebenen Erfolgsprämien, was einer Steigerung von 50 Prozent gegenüber der WM 2022 entspricht. Jede teilnehmende Mannschaft erhält zudem erstmals 1,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten. Die schlechtesten WM-Teilnehmer auf den Plätzen 33 bis 48 bekommen neun Millionen Dollar, während der Weltmeister mit 50 Millionen Dollar prämiert wird.
Doch Rettig betont: „Preisgelder in Dollar und damit Wechselkursrisiken, große Entfernungen und ein längeres Turnier machen es anspruchsvoll, ebenso die steuerrechtlichen Fragen.“ Ohne sportlichen Erfolg könne das Turnier für viele Verbände schnell zum Verlustgeschäft werden. Die Kombination aus hohen Reisekosten, logistischen Herausforderungen und Währungsschwankungen stellt laut Rettig eine erhebliche finanzielle Belastung dar.
Zurückhaltung bei politischen Äußerungen
Im Gegensatz zu seiner deutlichen Kritik vor der WM in Katar hält sich Rettig bei der anstehenden WM in Nordamerika mit politischen Statements zurück. „Als Geschäftsführer Sport habe ich zudem eine andere Expertise und einen anderen Auftrag, als öffentlich politische Analysen vorzunehmen“, erklärte der DFB-Funktionär. Er sei Teil einer Organisation, die verantwortlich handeln und das Beste für viele verschiedene Gruppen erreichen müsse.
Dennoch spürt Rettig die weltpolitische Belastung: „Wir sind gefühlt im Dauerstressmodus.“ Während Vorfreude auf das sportliche Großereignis vorhanden sei, bedrückten ihn auch die aktuellen geopolitischen Entwicklungen.
Klare Haltung gegen russische Teilnahme
Deutlich positioniert sich Rettig hingegen zur möglichen Teilnahme russischer Mannschaften an internationalen Wettbewerben. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte diese Möglichkeit in Erwägung gezogen, doch der DFB-Geschäftsführer schließt Spiele gegen Russland vor dem Ende des Ukraine-Kriegs kategorisch aus.
„Ich kann mir nicht vorstellen, freiwillig gegen russische Mannschaften zu spielen – auch nicht im Nachwuchsbereich“, sagte Rettig. Die Teilnahme russischer oder belarussischer Teams an internationalen Wettbewerben mit Nationalfahnen sei für ihn nicht nachvollziehbar. Man müsse weiterhin Verantwortung übernehmen und klare Haltungen zeigen.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen der WM 2026 bleiben damit ein zentrales Thema für den DFB, während gleichzeitig politische Grundsatzfragen die Fußballwelt weiter beschäftigen.



