Schottland-Krimi: Showdown um Meisterschaft vor Polizeischutz
Schottland-Krimi: Showdown um Meisterschaft

In Schottland kommt es am letzten Spieltag zum ultimativen Showdown um die Meisterschaft. Dabei könnte eine über 40-jährige Dominanz brechen. Doch vor dem Titel-Thriller entbrennt eine hitzige Debatte.

Kontroverse vor dem "Showdown für die Ewigkeit"

Auch Gary Lineker meldete sich zu Wort. „Das ist wohl die schlechteste VAR-Entscheidung, die ich je gesehen habe (und da gibt es jede Menge Konkurrenz)“, schrieb die englische Fußball-Ikone beim Kurznachrichtendienst X. „Außergewöhnlich angesichts der Bedeutung.“

Konkret geht es um einen Pfiff, der seit Mittwochabend den schottischen Fußball aufwühlt und auch die Experten im Vereinigten Königreich beschäftigt – und das direkt vor dem direkten Showdown um die Meisterschaft zwischen Celtic Glasgow und Heart of Midlothian.

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Wirbel vor Meister-Finale in Schottland

Schiedsrichter John Beaton hatte Celtic Glasgow am Mittwoch nach VAR-Check tief in der Nachspielzeit beim Stand von 2:2 in Motherwell einen umstrittenen Handelfmeter zugesprochen. Sam Nicholson hatte den Ball per Kopf klären wollen, bekam ihn dabei aber unter Bedrängnis an seine erhobene Hand.

„Für alle Leute, die über den VAR jammern, dafür ist er da“, kommentierte der frühere Celtic-Angreifer Chris Sutton die Szene bei X. Und als später TV-Experte Kris Boyd bei Sky Sports eine „weitere fragwürdige Entscheidung zugunsten von Celtic“ sah und sich dabei zunehmend in Rage redete, schrieb Sutton: „Ich habe Angst, dass Boydy gleich explodiert.“

Schiedsrichter unter Polizeischutz

Kelechi Iheanacho behielt nach der viel diskutierten Entscheidung die Nerven und verwandelte zum 3:2 für Celtic – und nun kommt es am Samstag im direkten Duell zwischen Celtic und Heart of Midlothian zum „Showdown für die Ewigkeit“, wie die BBC titelte.

Doch die sich zuspitzende Dramatik hat auch eine Kehrseite: Nachdem persönliche Daten von Schiedsrichter Beaton im Internet geleakt wurden, verbrachte der Referee mit seiner Familie die Nacht auf Freitag zuhause unter Polizeischutz.

Der schottische Verband (FA) verurteilte den zunehmenden Hass auf Unparteiische mit deutlichen Worten. „Wir werden nicht zulassen, dass dies zur Norm wird“, schrieb die FA und kritisierte die „hysterische Berichterstattung der Medien“, die zu dieser Entwicklung beitrage.

Ex-Profi Sutton hielt die Reaktionen vieler Prominenter auf die Schiri-Entscheidung für „völlig übertrieben“. Seine These: „Unter dem Strich würden es die Leute hassen, wenn Celtic wieder den Titel gewinnen würde. Das ist alles.“

Endet eine 40-jährige Dominanz?

Geht der Titel also doch wieder nach Glasgow? So wie in den vergangenen 40 Jahren, in denen Celtic und die Rangers die Meisterschaft in der Scottish Premiership unter sich ausmachten. Der letzte Meister, der nicht Celtic oder Rangers hieß, war der FC Aberdeen, der unter der späteren United-Ikone Sir Alex Ferguson 1985 triumphierte.

Der mittlerweile 84-Jährige hat die laufende Saison ebenfalls im Blick. Ende Februar wurde Ferguson beim Gastspiel seines Ex-Klubs Aberdeen bei den Hearts im Tynecastle Park gesichtet. Er sah einen 1:0-Sieg der Gastgeber, bei denen der frühere Bundesliga-Keeper Alexander Schwolow seinen Kasten sauber hielt.

Der 33-Jährige hatte vor seinem Wechsel nach Schottland Ende August 2025 „durchaus leichte Bedenken“, wie er Ende November im SPORT1-Interview verriet. „Ich wusste nicht einmal, dass der Verein aus Edinburgh kommt.“ Doch Schwolow ließ sich auf das Abenteuer ein – und schrieb gleich mal Geschichte, indem er als erster Hearts-Keeper in seinen ersten vier Spielen ohne Gegentor blieb.

Heart of Midlothian winkt erste Meisterschaft seit 66 Jahren

Nun winkt ihm und dem Klub noch immer Historisches. Vier Mal waren die 1874 gegründeten Hearts schottischer Meister, zuletzt vor 66 Jahren. Nach turbulenten Jahren inklusive Absturz in die Zweitklassigkeit spielen die Hearts erst seit 2021 wieder erstklassig – und greifen nun nach einer Sensationssaison nach dem Titel.

Fast wäre es am Mittwoch schon so gut wie fix gewesen: Mit einem 3:0-Sieg gegen den FC Falkirk machten die Hearts ihre Hausaufgaben. Celtics 3:2-Last-Minute-Sieg im Parallelspiel ließ den Verfolger aber wieder bis auf einen Punkt herankommen. Die Entscheidung fällt nun im „Paradise“. Schon ein Unentschieden würde den Hearts zum Triumph reichen.

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Schwolow will mit den Hearts jubeln

„Uns wurde in der ganzen Saison schon öfter misstraut, es wurde schon gesagt, jetzt schwächeln die Hearts“, sagte Schwolow dem SID. „Immer konnten wir eine Antwort geben. Ich sehe keinen Grund, warum wir sie jetzt nicht auch wieder geben sollten.“

Nach einem starken Start betrugt der Vorsprung auf Celtic nach einem 3:1-Sieg im direkten Duell Ende Oktober sogar acht Punkte. Nun ist der Abstand auf einen Zähler geschmolzen.

Und mit sechs Siegen in Serie scheint sich das Momentum zugunsten von Celtic gedreht zu haben. Doch die Hearts wollen sich vor dem Krimi um den Titel nicht verrückt machen lassen.

Zwar haderte Coach Derek McInnes mit dem Drama am Mittwoch, sprach von einer „widerlichen“ Entscheidung und hatte das Gefühl, „dass wir gegen alle ankämpfen“. Doch er richtete auch kämpferisch den Blick auf den finalen Showdown: „Um es zu schaffen, müssen wir ein positives Ergebnis holen. Ich freue mich schon darauf, wir werden uns nicht selbst bemitleiden. Was für ein Spiel!“

Das Titelrennen in Schottland bleibt also bis zur letzten Minute spannend. Die Fans beider Lager fiebern dem Höhepunkt entgegen, während die Diskussion um den VAR und die Sicherheit der Schiedsrichter weitergeht. Eines ist sicher: Dieses Finale wird in die Geschichte eingehen.