Tottenhams beispielloser Absturz: Vom Titelaspiranten zum Abstiegskandidaten
Tottenhams Absturz: Vom Titelaspirant zum Abstiegskandidat

Tottenham Hotspur: Der beispiellose Absturz eines Traditionsklubs

Vor zehn Jahren kämpfte Tottenham Hotspur noch um die Meisterschaft in der Premier League und erreichte wenig später das Champions-League-Finale. Heute, im März 2026, steht der Klub aus dem Londoner Bezirk Haringey kurz vor der Abstiegszone. Nach einer 1:3-Niederlage gegen Crystal Palace belegen die Spurs nur noch Rang 16, lediglich ein Punkt trennt sie von einem Abstiegsplatz. Ein beispielloser Absturz, wie ihn der englische Fußball nur selten erlebt hat.

Die aktuelle Lage: Elf Spiele ohne Sieg

Die blanke Angst im Norden Londons wächst von Spieltag zu Spieltag. Tottenham wartet seit mittlerweile elf Partien auf einen Sieg in der Premier League. Die Serie von fünf Niederlagen in Folge ist die schlimmste seit 50 Jahren – damals stieg der Verein als Tabellenletzter ab. Die Geschichte droht sich zu wiederholen. Der amtierende Europa-League-Sieger von 2025 steht vor dem eigentlich Undenkbaren: dem ersten Abstieg aus der Premier League in der Vereinsgeschichte.

Von der Spitze in den Abgrund: Ein Jahrzehnt des Verfalls

Noch 2016 kämpften die Spurs gegen Leicester City um die Meisterschaft und waren regelmäßig unter den Top Vier der Liga. Mit Spielern wie Dele Alli, Heung-Min Son und Harry Kane galten sie als Vorzeigeklub mit innovativen Strategien, etwa in der Datenanalyse. Doch dieser Status ist längst Geschichte. Wie konnte es so weit kommen?

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Die Ursachen: Strukturelle Probleme und Fehlentscheidungen

Der offensichtliche Auslöser war die Trennung von Erfolgstrainer Mauricio Pochettino im November 2019. Unter dem Argentinier hatte Tottenham zwei Vizemeisterschaften und das CL-Finale erreicht. Doch die Probleme begannen bereits früher. Die Transferpolitik von Klubbesitzer Daniel Levy erwies sich als schwerwiegender Fehler. Spieler wurden entweder gar nicht oder zu spät verkauft, oft erst nach Überschreiten ihres Zenits.

„Spieler langweilen einander irgendwann“, bilanziert The Athletic zur Kaderhygiene. Levy wollte Tottenham nicht als „Verkaufsverein“ darstellen, verpasste aber dadurch dringend benötigte Einnahmen. Kombiniert mit den hohen Kosten des Stadionneubaus ab 2016 fehlte das Geld für gezielte Verstärkungen. Zwischen Januar 2018 und Juli 2019 verpflichteten die Spurs keinen einzigen neuen Spieler – in der Folgesaison verpasste man erstmals nach fünf Jahren die Champions League.

Trainerwechsel und fehlende Identität

Nach Pochettino folgte eine Phase der Orientierungslosigkeit. José Mourinho, normalerweise ein Garant für Titel, blieb ebenso erfolglos wie Nuno Espírito Santo. Sportdirektor Fabio Paratici sollte eine neue Transferstrategie etablieren, doch viele Transfers entpuppten sich als Fehlinvestitionen. Auch Antonio Conte, unter dem der Erfolg kurzzeitig zurückkehrte, kritisierte öffentlich die Vereinspolitik.

Die häufigen Trainerwechsel verhinderten die Entwicklung einer spielerischen Identität. Auf Pochettinos Offensivfußball folgte Mourinhos defensiver Ansatz, dann Conte und schließlich Angelos Postecoglou mit seinem offensiven Stil. Thomas Frank hielt keine zehn Monate, Igor Tudor folgte ihm. Diese Instabilität zahlt der Verein nun teuer.

Die aktuelle Situation: Freier Fall trotz finanzieller Mittel

Nach der enttäuschenden Saison 2024/25 (Platz 17) zog sich Daniel Levy überraschend zurück, hinterließ aber 115 Millionen Euro für sportliche Rehabilitation. Bisher ohne Erfolg: Tottenham steht erneut kurz vor der Abstiegszone. Paradoxerweise gelang in der Champions League souverän die Qualifikation für das Achtelfinale, darunter ein 2:0-Sieg beim BVB. Doch kommende Aufgaben wie das Duell mit Atlético Madrid oder das Auswärtsspiel bei Liverpool dürften in der aktuellen Form zu groß sein.

Entscheidende Spiele stehen an

Am 22. März empfangen die Spurs Nottingham Forest, das nur einen Punkt hinter ihnen liegt. Spätestens dann muss die Horror-Serie enden, um den Abstieg zu verhindern. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Tottenham die Lehren aus jahrelanger Misswirtschaft ziehen und den freien Fall stoppen kann.

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