Sechs Tage nach dem 7:1-Auftaktsieg gegen WM-Neuling Curaçao hat die deutsche Nationalmannschaft einen weiteren Schritt in Richtung K.-o.-Runde gemacht – wenn auch mit Mühe. Gegen die Elfenbeinküste gewann das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) mit 2:1 (0:1) und zog damit vorzeitig ins Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft 2026 ein. Matchwinner war der eingewechselte Deniz Undav (29), der mit einem Doppelpack in der zweiten Halbzeit die Partie drehte.
Undav erneut als Joker erfolgreich
Nach 60 Minuten beim Stand von 0:1 brachte Nagelsmann Undav, Nadiem Amiri und Jamie Leweling für Jamal Musiala, Leroy Sané und Aleksandar Pavlovic. Die Maßnahme zeigte schnell Wirkung: In der 68. Minute flankte Amiri von rechts in den Strafraum, wo Undav am zweiten Pfosten den Ball volley ins Tor setzte – 1:1. In der vierten Minute der Nachspielzeit war Undav erneut zur Stelle: Nach Zuspiel von Felix Nmecha blieb der VfB-Stürmer cool und schoss Deutschland mit dem 2:1 zum vorzeitigen Einzug in die K.-o.-Runde. Bereits im Auftaktspiel gegen Curaçao hatte Undav nach seiner Einwechslung in der 64. Minute ein Tor und zwei Vorlagen beigesteuert. Nach diesem Spiel kommt Undav nun in 56 WM-Minuten auf insgesamt fünf Scorerpunkte (drei Tore, zwei Vorlagen).
Nagelsmann tobt an der Seitenlinie
Kurz vor Schluss eskalierte die Situation an der Seitenlinie: Wegen angeblichen Zeitspiels der Ivorer explodierte Nagelsmann, der zuvor bereits mehrfach auf 180 war, donnerte einen Ball auf den Boden und diskutierte heftig mit dem Vierten Offiziellen. Die Szene zeigte die Anspannung im deutschen Lager, das trotz des Sieges mit vielen Problemen zu kämpfen hatte.
Abwehrprobleme und schwache Offensive
Der Auftritt der DFB-Elf gab Anlass zur Sorge. Besonders auffällig: Joshua Kimmich (31) wurde hinten rechts im Duell mit Leipzig-Star Yan Diomande (19) schwindelig gespielt. So entstand auch der Rückstand in der 30. Minute: Diomande vernaschte den deutschen Kapitän, lief einfach an ihm vorbei. In der Mitte rettete Jonathan Brown im ersten Versuch noch gegen Diallo, doch der Abpraller fiel vor die Füße von Franck Kessié, der die Kugel zum 1:0 für die Elfenbeinküste ins Tor knallte. Bezeichnend für die Überlegenheit der Ivorer: Kurz vor der Pause setzte Diomande ein Zeichen, indem er Kimmich nach einer fairen Grätsche noch ein paar Worte zurief und einen kleinen Schubser in den Rücken gab. Die Ivorer kämpften um jeden Zentimeter, während die DFB-Stars dem lange nichts entgegensetzen konnten. Auch die harte Linie von Schiedsrichter Benítez, der viele Zweikämpfe laufen ließ, brachte kaum Gegenwehr.
Die Offensive um Wirtz, Musiala und den öffentlich kritisierten Sané fand kaum Ideen gegen die starke Defensive der Ivorer, die in der WM-Qualifikation kein Gegentor kassiert hatten. Einzig Nmecha sorgte mit Distanzschüssen (21. Minute) für Gefahr. Von der Spielfreude gegen Curacao war wenig zu sehen. Dabei lagen zwei Tore der Deutschen im Netz, wurden aber wegen Foulspiels (Pavlovic gegen Fofana, Musiala gegen Kossounou) aberkannt (22./38.).
DFB-Sportdirektor Rudi Völler: „Nach dem Spiel wissen wir definitiv, wo wir stehen“
Vor dem Spiel hatte DFB-Sportdirektor Rudi Völler (66) im ZDF gesagt: „Nach dem Spiel wissen wir definitiv, wo wir stehen.“ Die Antwort nach dem 2:1: noch nicht titelreif, mit Problemen in der Abwehr – aber mit dem besten WM-Joker. Am Ende brachte das goldene Händchen von Nagelsmann und die Klasse von Doppelpacker Undav den Sieg – und den vorzeitigen Einzug ins Sechzehntelfinale.



