VAR-Chaos im DFB-Pokal: Schiedsrichter sprechen hinter vorgehaltener Hand
Im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig wurde das VAR-Chaos einmal mehr offensichtlich. Die Gäste aus Leipzig waren aufgebracht, weil ein Foulspiel an der Strafraumgrenze nicht geahndet wurde. Dass Schiedsrichter Daniel Siebert sich nach dem Spiel nicht zum Interview stellen wollte, um Licht in die Kommunikation mit dem „Kölner Keller“ zu bringen, erhitzte die Gemüter zusätzlich. Laut RB-Trainer Ole Werner verweigerte ihm Siebert nach Abpfiff sogar den Handschlag, die traditionelle Geste der Versöhnung.
Die geheime Kritik der Unparteiischen
Hinter vorgehaltener Hand sprechen auch die Schiedsrichter selbst über die gravierenden Probleme beim VAR-Einsatz. Es fehlt an einer klaren und vor allem einheitlichen Linie. Jede Woche, abhängig von der Besetzung der Kontrollräume in Köln, gibt es unterschiedliche Sicht- und Arbeitsweisen. Die Frage, wann sich wer einschaltet – und wann nicht – bleibt unbeantwortet. Die Fronten sind verhärtet, sogar auf Seiten der Schiedsrichter.
Ein aktueller Bundesliga-Schiedsrichter sieht als Konsequenz, dass es den Spielleitern immer häufiger vor allem darum geht, bei potenziellen Fehlentscheidungen nicht der offensichtlich Schuldige zu sein. Der eigene Ruf und die anschließende Bewertung, nämlich nichts falsch gemacht zu haben, stehen über allem. Die Schiedsrichter auf dem Platz lassen das Spiel in kritischen Situationen immer öfter laufen und geben die Verantwortung in Richtung Kontrollraum ab. Der Assistent vor dem Bildschirm wird so zum Haupt-Verantwortlichen gemacht.
Die Verunsicherung ohne technische Hilfe
In den DFB-Pokalrunden, die ohne VAR-Einsatz gespielt wurden, war die neue Verunsicherung der Spielleiter deutlich zu spüren. Ohne den „Entscheider“ im Ohr wirkten einige überfordert. „Die Schiedsrichter haben verlernt, autonom zu arbeiten“, konstatierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Es vergeht kaum mehr ein Spiel, in dem es nicht knallt. Wut und Unverständnis regieren auf Seiten der Klubs und immer mehr Experten, die lange vor allem die positiven Aspekte des Video-Schiedsrichters in den Vordergrund gestellt hatten, verlieren den Glauben. Nicht an die Technologie, aber an die Umsetzung.
Warum der VAR dennoch unverzichtbar bleibt
Aktuell herrscht VAR-Chaos und die Lage wird immer schlimmer statt besser. Dennoch darf die Nutzung technologischer Hilfsmittel in der Aufklärung schwieriger Spielsituationen nicht in Frage gestellt werden. Gerade die momentane Unzufriedenheit – und zwar auf allen Seiten – zeigt, wie wichtig klar nachvollziehbare und verständliche Entscheidungen sind. Deswegen muss der VAR auf jeden Fall bleiben.
Nur, und darum muss es dringend gehen: Einsatz und Integration ins Spiel müssen verbessert werden. Dass bei der Einführung neuer Technologien etwas ruckelt, auch mal ganz heftig, das war immer so und das gehört, so nervenaufreibend es oft ist, leider auch dazu. Es müssen nur die richtigen Schlüsse gezogen und das Projekt transparent mit allen Beteiligten nach vorne entwickelt werden. Immer weiter, immer besser – statt immer frustrierter.
Das Thema VAR einfach zu beenden und im deutschen Profifußball wieder einzustellen, wäre ein Armutszeugnis. Und der größtmögliche Schritt zurück. Die Debatte zeigt, dass der Weg zur Perfektion noch lang ist, aber notwendig bleibt.



