Vater radelt 984 Kilometer durch Schnee und Eis zu Olympia nach Mailand
Am Mittwochabend steht für den deutschen Eisschnellläufer Finn Sonnekalb (18) aus Erfurt ein besonderer Moment bei den Olympischen Spielen in Mailand an. Ab 18.30 Uhr will der Thüringer über 1000 Meter glänzen und seine atemberaubende Saison krönen. Der junge Athlet hält bereits den deutschen Rekord über diese Distanz mit 1:06,48 Minuten, aufgestellt in Salt Lake City. Zwar ist das Eis in Mailand nicht ganz so schnell, doch Sonnekalb bewies beim Weltcup in Heerenveen mit Platz zwei hinter dem US-amerikanischen Überflieger Jordan Stolz (21) sein Mega-Talent – und das auf seiner Nebenstrecke. Seine eigentliche Paradedisziplin, die 1500 Meter, folgt erst in der kommenden Woche.
Eine außergewöhnliche Wette führt zu einer winterlichen Radtour
Im Publikum wird an diesem Abend auch sein Vater Gerrit Schädler (53) sitzen, der eine besondere Reise hinter sich hat. Nach einer Wette aus dem Jahr 2024, als Finn bei den Jugend-Olympischen Spielen dreimal Gold gewann, versprach Schädler: „Wenn du mit 18 bei Olympia bist, fahre ich mit dem Fahrrad nach Mailand.“ Nachdem sein Sohn bei der Deutschen Meisterschaft zwei Titel holte und die Olympiaqualifikation schaffte, begann der Papa mit dem Training – obwohl er als ehemaliger Leistungsschwimmer und seit 30 Jahren als Mechaniker im Radladen seines Bruders in Erfurt ohnehin eine „Rad-Meise“ ist. Mit seiner Ehefrau Madlen Sonnekalb unternahm er bereits eine 13-monatige Tour von Vancouver über Alaska nach Mexiko.
Sieben Tage durch winterliche Landschaften
Die aktuelle Strecke von Erfurt nach Mailand bewältigte Schädler in sieben Tagen und legte dabei 984 Kilometer zurück. „Es war echt cool“, resümiert er. Bei Eis und Schnee startete er in Thüringen, wobei der Thüringer Wald mit Glatteis die größte Herausforderung bot. Ab dem Tegernsee ging es bergauf über den Brenner auf der gut geräumten Römerstraße, bis schließlich ab Bozen Palmen am Wegesrand standen. Die Temperaturen bewegten sich zwischen minus zwei und plus drei Grad. „Die Tour selbst ist nicht das Besondere, sondern die Jahreszeit. Wer viel arbeitet, hat aber immer gutes Wetter im Urlaub“, erklärt Schädler humorvoll.
Unterwegs nutzte er die Gelegenheit, bei Bekannten und Verwandten entlang der Route Station zu machen. „Ich bekam viele Angebote für ein Bett und tolles Essen. Mein zweiter Bruder wohnt bei Ingolstadt, viele ehemalige Erfurter überall an meiner Route“, berichtet er. Körperlich war die Tour gut zu bewältigen, lediglich die Füße litten unter der Kälte. „Wenn man nach zwei Stunden in ein Café geht, tauen sie auf. Und wer das Gefühl kennt, der weiß: Das tut schon richtig weh“, so Schädler.
Familienunterstützung und olympische Ambitionen
Die Familie erhielt über Finn Sonnekalb Family-and-Friends-Karten für zwei Angehörige, um ihn im mit niederländischen Fans gefüllten, orangefarbenen Eisschnelllauf-Stadion anzufeuern. Nach dem Rennen am Donnerstag geht es für Schädler zunächst per Bahn zurück nach Hause, da der andere Sohn Jann am Wochenende bei der Jugend-DM antritt. „Nächste Woche zu den 1500 Metern kommen wir dann mit dem Auto wieder nach Mailand“, plant der Vater. Sein Fahrrad bleibt vorerst in Italien.
Was die Leistung seines Sohnes betrifft, zeigt sich Schädler optimistisch: „Unter die ersten Sechs über 1000 Meter wäre toll, das ist eine reelle Größe. Über die 1500 Meter schauen wir mal.“ Eine neue Wette für den Fall einer Medaille gibt es allerdings nicht. Die außergewöhnliche Radtour bleibt somit ein einmaliges Erlebnis, das die besondere Verbindung zwischen Vater und Sohn sowie den olympischen Geist unterstreicht.



