Der TSV Havelse träumt weiter vom Rettungs-Wunder in der 3. Liga. Mit einem dramatischen 3:2-Sieg gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart verhinderte der Dorfklub am Dienstagabend den vorzeitigen Abstieg. Matchwinner war der völlig unbekannte Temilola Samuel Awoyale (20), der in der Nachspielzeit seinen ersten Profitreffer erzielte – und das in erst seinem zweiten Kurzeinsatz für die Niedersachsen.
Ein Märchen aus der Verbandsliga
Awoyale, ein Nigerianer, kickte bis zum Winter noch in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern für den FCM Schwerin. Anfang Februar wechselte er nach Havelse. Im Spiel gegen Stuttgart II wurde er in der 86. Minute eingewechselt und spitzelte den Ball in der Nachspielzeit mit der Pike zum 3:2-Sieg ins Tor. Ein bisschen Slapstick, ein bisschen Glück und viel Gefühl – die 3. Liga hat ein neues Fußball-Märchen.
Trainer Samir Ferchichi (40) bekam feuchte Augen, als ihm Awoyale nach dem Tor in die Arme flog: „Das sind Momente, die du als Trainer nie vergisst.“ Ferchichi hatte vor der Einwechslung zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen: „Ich habe ihm eine schallende Ohrfeige mitgegeben, um ihn wachzubekommen. Das ist ja manchmal nicht ganz verkehrt“, sagte der Coach grinsend.
Hoffnung auf das Wunder
Dank Awoyales Treffer haben die Havelser drei Spieltage vor Schluss „nur“ noch acht Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz, den die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim belegt. „Wir glauben weiter an das Wunder“, sagte Emre Aytun (26), der gegen Stuttgarts U17-Weltmeister Noah Darvich (19) ein starkes Spiel machte und den Ausgleich zum 2:2 erzielte.
Havelse feierte den dritten Sieg in den letzten vier Spielen und will am Samstag (14 Uhr) beim SC Verl die nächste Mini-Chance auf die Rettung wahren. Im Fernduell spielt Hoffenheim zeitgleich in Regensburg. An den letzten beiden Spieltagen muss Havelse dann gegen Schlusslicht Schweinfurt und in Aachen ran, während Hoffenheim auf Saarbrücken und Wiesbaden trifft.
Trainer stolz auf Mannschaft
„Wir wollen die Hoffnung weiter am Leben halten“, sagte Ferchichi nach dem Krimi im Eilenriedestadion von Zweitligist Hannover 96. Allein die Tatsache, dass Aufsteiger Havelse nach 35 Spieltagen noch im Rennen um die Rettung ist, sei ein Erfolg: „Unabhängig davon, ob wir absteigen oder nicht, spielen wir eine überragende Saison. Kein Rückschlag dieser Welt bringt uns ins Wanken, wir sind nie totzukriegen. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.“ Und besonders auf Awoyale, der vor knapp drei Monaten noch in der Verbandsliga kickte.



