DFB-Sportdirektor Völler zeigt sich besorgt über Gewalteskalation in Mexiko
Rund vier Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 blickt DFB-Sportdirektor Rudi Völler mit ernster Sorge auf die jüngsten gewaltsamen Entwicklungen in Mexiko, einem der beiden Gastgeberländer des Turniers. Der 65-jährige ehemalige Nationalspieler bezeichnete die aktuellen Vorgänge in dem nordamerikanischen Land während der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin als "erschreckend".
Gewaltwelle erschüttert WM-Gastgeberland
Auslöser der jüngsten Eskalation war die Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes durch mexikanische Militäreinheiten. In der Folge entfachten mutmaßliche Bandenmitglieder eine beispiellose Welle der Gewalt, die sich über weite Teile des Landes ausbreitete. Besonders betroffen ist der Bundesstaat Jalisco, dessen Hauptstadt Guadalajara als offizieller WM-Spielort fungiert.
Am vergangenen Sonntag kam es in 20 der 32 Bundesstaaten zu schweren Ausschreitungen, während am darauffolgenden Montag in mehreren Regionen Schulen und Gerichtshöfe vorsorglich geschlossen blieben. Völler äußerte die Hoffnung, dass sich die Lage bis zum WM-Start im Juni 2026 deutlich beruhigen werde: "Wir haben alle natürlich die Hoffnung, dass sich das in den nächsten Tagen und Wochen wieder beruhigt, bis die WM losgeht."
Völler lehnt Boykott-Debatte entschieden ab
Vor dem Hintergrund der Gewalteskalation und bereits zuvor laut gewordener Boykott-Forderungen gegenüber dem Co-Gastgeber USA positionierte sich der DFB-Sportdirektor eindeutig gegen entsprechende Diskussionen. "Es ist sinnlos, das zu diskutieren. Es bringt nichts und du schadest nur den Athleten", betonte Völler mit Nachdruck.
Der Weltmeister von 1990 verwies auf seine eigenen Erfahrungen als aktiver Profi, als es aus politischen Gründen zu Boykotten der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles gekommen war. "Ich war schon immer gegen einen Boykott, weil es halt nichts bringt", stellte der ehemalige Stürmer klar und unterstrich damit seine prinzipielle Ablehnung sportlicher Boykotte aus politischen Motiven.
Fußball im Vordergrund - Politik im Hintergrund
Nach Ansicht des DFB-Verantwortlichen sollten politische Themen nicht den WM-Aufenthalt der deutschen Nationalmannschaft dominieren. "Wir sind vor Ort, um Fußball zu spielen", erklärte Völler und präzisierte seine Haltung: "Es gibt keine Maulkörbe, jeder kann seine Meinung sagen und kann auch Dinge kritisch sehen, aber nicht am Tag vor dem Spiel."
Die Debatte um mögliche Boykotte war bereits zuvor durch das umstrittene Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten sowie durch die territorialen Ansprüche von US-Präsident Donald Trump auf Grönland angeheizt worden. Völlers klare Positionierung lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass die deutsche Mannschaft ungeachtet der politischen Spannungen an der WM 2026 teilnehmen wird.
Der DFB-Sportdirektor betonte abschließend die Verantwortung gegenüber den Spielern, für die eine Weltmeisterschaft den Höhepunkt ihrer Karriere darstelle. Seine Äußerungen machen deutlich, dass der Fußballverband trotz aller Besorgnis über die Sicherheitslage in Mexiko an der Teilnahme festhält und gleichzeitig auf eine Beruhigung der Situation bis zum Turnierbeginn hofft.



