Rudi Völler: WM-Boykott-Debatte ist sinnlos und schadet den Athleten
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat sich deutlich gegen die anhaltende Debatte um einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA ausgesprochen. Bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin bezeichnete er die Diskussion als "sinnlos" und betonte, dass sie den Sportlern mehr schade als nütze.
Erfahrungen aus der Vergangenheit prägen Völlers Haltung
Der 65-jährige Völler verwies auf seine eigenen Erlebnisse als junger Fußballprofi, als es in den 1980er Jahren aus politischen Gründen zu Boykotten der Olympischen Spiele in Moskau und Los Angeles gekommen war. "Ich war schon immer gegen einen Boykott, weil es halt nichts bringt", erklärte der ehemalige Nationalspieler und Weltmeister von 1990. Diese persönlichen Erfahrungen haben seine ablehnende Haltung gegenüber sportlichen Boykotten nachhaltig geprägt.
Politische Kontroversen als Auslöser der Diskussion
Die Debatte um einen WM-Boykott wurde unter anderem durch folgende politische Entwicklungen angestoßen:
- Der Konflikt zwischen den USA und europäischen Nato-Staaten wegen der Besitzansprüche von US-Präsident Donald Trump auf Grönland
- Das teils brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten, bei dem zwei Menschen getötet wurden
- Forderungen von St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich, das Thema zumindest zu diskutieren
Göttlich hatte argumentiert: "Man kann ja ein Thema nicht totschweigen. Der Fußball funktioniert nicht im Reagenzglas der gesellschaftlichen Themen."
Völlers klare Botschaft an die Nationalmannschaft
Der DFB-Sportdirektor möchte verhindern, dass politische Themen erneut die WM-Reise der deutschen Nationalmannschaft überschatten. "Wir sind vor Ort, um Fußball zu spielen", stellte Völler klar. Er erinnerte an die Kontroversen während der WM in Katar um die Regenbogen-Kapitänsbinde und betonte, dass sich solche Diskussionen nicht wiederholen sollten.
"Es gibt keine Maulkörbe, jeder kann seine Meinung sagen und kann auch Dinge kritisch sehen, aber nicht am Tag vor dem Spiel", so Völler. Seine Position ist eindeutig: Der Sport sollte im Mittelpunkt stehen, ohne dass politische Debatten die Athleten belasten oder von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken.



