Watzke kritisiert TV-Experten: „Ich mache den Ton aus“ und sieht Deutschland nicht als WM-Top-Favorit
Watzke: „Ich mache den Ton aus“ - Kritik an TV-Experten

Watzke attackiert TV-Experten und sieht Deutschland nicht als WM-Top-Favorit

Bei der Veranstaltung „Ein runder Abend - mit Fußball & Freunden“ in Dortmund hat BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke (66) deutliche Kritik an der aktuellen Medienlandschaft geäußert. Gemeinsam mit Gastgeber Reiner Calmund (77), Moderator Thomas Helmer (60) und BVB-Trainer Niko Kovac (54) diskutierte der DFB-Vize über Fußball und Gesellschaft.

„Alles sehr negativ und marktschreierisch geworden“

Watzke beklagte eine zunehmend negative Grundstimmung in der öffentlichen Wahrnehmung. „Es ist alles sehr negativ und marktschreierisch geworden“, so der BVB-Präsident. Als Beispiel nannte er, dass eine Vizemeisterschaft heute nicht mehr als Erfolg gewertet werde, während sie früher gefeiert worden sei.

Besonders kritisch sieht Watzke die Entwicklung im Fernsehfußball: „Du brauchst ja mittlerweile einen zweiten Expertentisch. Da stehen so viele bei einem Spiel, die ihren Senf dazugeben, dass du wahnsinnig wirst“. Seine persönliche Lösung: „Ich mache den Ton einfach komplett aus, damit man sich auf das Spiel konzentrieren kann“.

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Zur WM: „Ganz bestimmt nicht Top-Favorit“

Als Thomas Helmer das Gespräch auf die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft lenkte, wurde Watzke deutlich zurückhaltender. Zur Vorrunde meinte er: „Ich würde die Vorrunde nicht überbewerten, denn von den 48 Teams kommen 32 weiter. Ich gehe davon aus, wenn alles normal läuft, müssen wir die Gruppe gewinnen“.

In der Gruppe trifft die deutsche Nationalmannschaft auf WM-Neuling Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Watzke warnte besonders vor Ecuador: „Du darfst Ecuador nicht unterschätzen“. Curaçao bezeichnete er als „ein bisschen schwierig“, da das Team neu dabei sei, und auch die Elfenbeinküste sei „nicht komplett blind“.

Für den BVB-Patron steht fest: „Entweder es läuft von Anfang an oder du musst im Verlauf eine Dynamik entwickeln. Aber wir sind ganz bestimmt nicht Top-Favorit“. Als wahre Titelanwärter nannte er Spanien, Frankreich und Brasilien. Deutschland ordnete er erst in der nächsten Gruppe mit England, Argentinien und den Niederlanden ein.

Emotionale Erinnerungen an Franz Beckenbauer

Ein bewegender Moment des Abends waren die Erinnerungen an die verstorbene Fußball-Legende Franz Beckenbauer. Reiner Calmund hielt einen emotionalen Monolog über den „Kaiser“ und kritisierte scharf, wie Politiker, Medien und Öffentlichkeit über Beckenbauer hergezogen seien: „Das war zum Kotzen!“

Calmund berichtete, wie er 2022 bei der Verleihung des Preises für das Lebenswerk an Beckenbauer im Auswärtigen Amt in Berlin „den scheinheiligen Politikern, die neidisch waren, die Meinung gegeigt“ und Beckenbauer verteidigt habe.

Auch Watzke teilte eine persönliche Anekdote: „Ich war nach der Meisterschaft mit dem BVB 2011 bei Sky. Vor der Sendung hat er dann zu mir gesagt: ‚Pass auf, du kannst mich jetzt duzen, denn du bist deutscher Meister geworden‘“. In den folgenden Jahren hätten die beiden regelmäßig im selben Berliner Hotel bei Zigarre und Rotwein philosophiert. Watzke resümierte: „Franz war einer der großartigsten Menschen, die ich kennengelernt habe“.

Die Veranstaltung „Ein runder Abend - mit Fußball & Freunden“ bot somit eine Mischung aus scharfer Medienkritik, nüchterner WM-Einschätzung und bewegenden Rückblicken auf Fußballgeschichte.

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