Werner 'Beinhart' Lorant: Ein Jahr nach seinem Tod – Die Legende des unverwechselbaren Bundesliga-Trainers
Werner 'Beinhart' Lorant: Ein Jahr nach seinem Tod – Die Legende

Werner 'Beinhart' Lorant: Ein Jahr nach seinem Tod – Die Legende des unverwechselbaren Bundesliga-Trainers

Werner 'Beinhart' Lorant war eine der markantesten und unvergesslichsten Persönlichkeiten, die der deutsche Fußball je hervorgebracht hat. Heute vor genau einem Jahr, am 20. April 2025, ist der Kult-Trainer im Alter von 76 Jahren nach einer schweren Krankheit verstorben. Sein Spitzname 'Beinhart' sagt bereits alles über seinen Charakter aus: Ein Trainer, wie er in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar ist. Einer, der aneckte, der viel verlangte – von sich selbst und von anderen – und der diesen hohen Anspruch jeden Tag aufs Neue vorlebte. Lorant war ein Antreiber, später eine echte Kultfigur und geht als eine wahre Legende der Bundesliga in die Geschichte ein.

Die prägende Ära beim TSV 1860 München

Seine prägendste und erfolgreichste Zeit erlebte Werner Lorant unbestritten beim TSV 1860 München. In der Phase zwischen 1992 und 2001 entwickelte er den traditionsreichen Klub von einem Drittligisten zu einem festen Bestandteil der Bundesliga, der sogar an der Qualifikation zur prestigeträchtigen Champions League teilnahm. In der Saison 2000/01 trafen die Löwen dort auf Leeds United – der absolute Höhepunkt einer bemerkenswerten Epoche, die ohne Lorants unermüdliche Energie und seinen unbeugsamen Willen niemals möglich gewesen wäre. Lorant formte aus 1860 München einen gestandenen Bundesliga-Klub, der mit Laufstärke und körperlicher Präsenz überzeugte und zahlreiche Gegner zur Verzweiflung brachte.

Ein kompromissloser Werdegang vom Maler zum Profi

Lorants Karriere verlief keineswegs geradlinig. Aufgewachsen als ältestes von sieben Kindern im westfälischen Welver, erlernte er zunächst den Beruf des Malers und Anstreichers. Der Sprung in den Profifußball gelang ihm erst vergleichsweise spät. Anfang der 1980er Jahre feierte er als Spieler mit Eintracht Frankfurt große Erfolge und gewann den UEFA-Cup sowie den DFB-Pokal. In 325 Bundesliga-Einsätzen erzielte er 54 Tore, sammelte 67 Gelbe Karten und wurde zweimal des Feldes verwiesen. Schon auf dem Platz ging Lorant kompromisslos zu Werke und war bekannt für seine harte, arbeitsame Spielweise, die später auch seinen Trainerstil prägte.

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Unvergessliche Anekdoten und der berühmte Satz

Die Spieler wussten stets, woran sie bei Lorant waren. Sein berühmter Satz 'Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht' wurde oft zitiert, manchmal belächelt, doch er spiegelte exakt seine unnachgiebige Haltung wider. Die Zusammenarbeit mit Präsident Karl-Heinz Wildmoser schrieb ebenfalls Geschichten. Zwei starke Persönlichkeiten, die ständig aneinandergerieten und gerade dadurch gemeinsam viel erreichten. Eine derart aufgeladene und dennoch erfolgreiche Verbindung findet man im heutigen Fußball kaum noch. Immer wieder kreuzten sich seine Wege auch mit dem Stadtrivalen FC Bayern, wobei emotionale Duelle wie das hitzige Wortgefecht mit Mario Basler in Erinnerung blieben.

Emotionale Triumphe und das Ende einer Ära

Einen seiner größten und emotionalsten Triumphe feierte Lorant in der Saison 1999/2000. Mit 1860 München gelang ihm der erste Derbysieg gegen die Bayern seit 22 Jahren. Bezeichnenderweise stand Lorant beim Erfolg selbst nicht an der Seitenlinie, sondern saß nach einer Sperre wegen der Beleidigung eines Linienrichters auf der Tribüne. Das Ende seiner Zeit bei 1860 hatte ebenso eine Verbindung zu den Bayern. Nach einer deutlichen 1:5-Niederlage gegen den Rekordmeister am 18. Oktober 2001 musste Lorant gehen. Sein langjähriger Weggefährte Wildmoser fand später klare Worte: 'Mit dem Werner war es schon nervig, er war ein sehr anstrengender Mensch.'

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Internationale Stationen und ein bleibendes Vermächtnis

Für Lorant begann nach seinem Abschied von München eine Reise durch den internationalen Fußball. Der frühere Löwen-Coach, längst zur Kultfigur geworden, arbeitete bei Klubs wie Fenerbahce Istanbul, LR Ahlen, Incheon United, APOEL Nikosia, Sivasspor und vielen anderen. An die großen Erfolge aus München konnte er nicht mehr anknüpfen, doch geblieben sind die Werte, für die er immer stand: Disziplin, Ehrgeiz und eine strikte, unverwechselbare Idee vom Fußball. Lorant blieb sich stets treu – kein glattgebügelter Trainer, keiner, der es allen recht machen wollte. Er bezog Position, widersprach, wurde laut und sagte offen, was er dachte. Das brachte ihm Gegenwind ein, aber auch großen Respekt und sichert ihm einen festen Platz in den Annalen des deutschen Fußballs.