Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihr sportlich nachrangiges drittes Gruppenspiel bei der WM 2026 mit 1:2 (1:1) gegen Ecuador verloren. Für die K.-o.-Runde war die Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits vor dem Anstoß als Gruppensieger qualifiziert.
Sanés Führungstreffer: Experten sehen klares Foul
Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich hätte das frühe 1:0 der DFB-Elf im dritten Gruppenspiel der Fußball-WM gegen Ecuador nicht gegeben. Seiner Meinung nach habe Aleksandar Pavlovic unmittelbar vor dem Treffer von Leroy Sané (2. Minute) den Fuß im Zweikampf mit seinem Gegenspieler zu weit oben gehabt. „Vor der Torerzielung ein klares Foulspiel, da lege ich mich fest“, sagte Ittrich als Experte bei MagentaTV. „Ein klarer Fußtreffer oben zu sehen.“ Schiedsrichterin Tori Penso (USA) gab den Treffer trotzdem, auch der Video-Assistent schritt nicht ein.
Ein weiterer ehemaliger Bundesliga-Referee meldete ebenfalls Zweifel an: „Das ist aus meiner Sicht eine sehr mutige Entscheidung“, sagte Lutz Wagner in seiner Rolle als ARD-Experte. „Das wundert mich jetzt sehr, dass da auch kein Einspruch vom VAR kam. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn dieses Tor zurückgenommen wird“, sagte der DFB-Schiedsrichter-Lehrwart.
Nagelsmann rotiert: Rüdiger und Raum in der Startelf
Julian Nagelsmann veränderte im letzten Gruppenspiel erstmals seine Startelf – doch Leroy Sané blieb. Neu ins Team kamen gegen Ecuador die beiden Abwehrspieler Antonio Rüdiger und David Raum. Deniz Undav, der mit drei Treffern beste deutsche Torschütze im Turnier, sollte auch in East Rutherford wieder nur als Joker zum Einsatz kommen. „Wir werden die Wechsel vornehmen, die wir müssen“, hatte Bundestrainer Nagelsmann in der Pressekonferenz angekündigt. Er wolle ansonsten die Stammformation weiter einspielen für die K.o.-Phase. Rüdiger ersetzte im Abwehrzentrum Nico Schlotterbeck, für den die WM in Amerika nach einer schweren Bänderverletzung am Fuß vorzeitig beendet ist. David Raum kam auf der linken Außenverteidigerposition für den angeschlagenen Nathaniel Brown zum Einsatz. Die übrigen neun Positionen blieben unverändert.
Nächster Gegner: Acht Optionen für das Sechzehntelfinale
Die Auswahl für den möglichen nächsten Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat sich binnen weniger Stunden von 15 auf 8 Teams reduziert. Die DFB-Auswahl bekommt es in der ersten K.-o.-Runde mit einem Vorrundendritten zu tun – dieser kann aus den Gruppen A, B, C, D und F kommen. Eine konkrete Option ist dabei Schottland. Das Team hat die Vorrundengruppe C nach dem 0:3 (0:2) gegen Rekord-Weltmeister Brasilien auf Platz drei beendet und könnte für das Team von Trainer Julian Nagelsmann zum Rivalen im Sechzehntelfinale werden. Als weitere realistische Optionen gelten Australien und Paraguay, die im direkten Duell die Plätze zwei und drei in Gruppe D unter sich ausmachen. Neben den drei wahrscheinlichsten Optionen sind auch Bosnien-Herzegowina als Dritter der Gruppe B, Südkorea als Dritter der Gruppe A sowie die Niederlande, Japan und Schweden aus Gruppe F weiterhin möglich. Das deutsche Sechzehntelfinale wird am Montag (22.30 Uhr/MESZ) in Foxborough bei Boston ausgetragen.
Historischer Erfolg für Südafrika
Südafrika hat bei seiner vierten WM-Teilnahme erstmals die K.-o.-Phase erreicht und damit nationale Fußball-Geschichte geschrieben. Trainer Hugo Broos sank überwältigt auf die Knie, seine Schützlinge tanzten auf dem Rasen ausgelassen eine Polonaise. „Es ist unglaublich. Ich komme mir vor, als würde ich träumen. Diese Geschichte werde ich später meinen Kindern erzählen“, schilderte Siegtorschütze Thapelo Maseko nach dem 1:0 (0:0) gegen Südkorea seine Gefühle. Dank des Erfolges überstand die Bafana Bafana bei der vierten WM-Teilnahme als Zweiter der Gruppe A erstmals die Vorrunde und fordert nun im Sechzehntelfinale am Sonntag in Inglewood bei Los Angeles Co-Gastgeber Kanada.
Unfall bei WM-Party in Mexiko
Nach dem WM-Sieg Mexikos gegen Tschechien im letzten Gruppenspiel hat sich im Ferienort Cabo San Lucas ein Unglück mit mehreren Verletzten ereignet. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, fuhr ein Auto auf dem Boulevard Lázaro Cárdenas in eine feiernde Menschenmenge. Dabei wurden mindestens 17 Menschen verletzt. Sie wurden anschließend in verschiedene Krankenhäuser gebracht. Laut dem Generalsekretär der Stadtverwaltung von Los Cabos, Alberto Rentería Santana, gab ein Autofahrer, der in der Gegend unterwegs war, Gas, als er auf der Straße auf eine Gruppe von Menschen stieß. Der mutmaßliche Täter wurde nach dem Vorfall festgenommen. Die Ermittlungen laufen.
Marokko entgeht Blamage gegen Haiti
Marokko hat zum Abschluss der WM-Vorrunde den krassen Außenseiter Haiti mit Mühe 4:2 (2:2) besiegt und zieht als Zweiter in die K.o.-Phase ein. Der Afrikameister machte gegen den Karibikstaat zweimal einen Rückstand wett. Marokkos Torwart Bono (10. Minute) brachte den Underdog per Eigentor in Führung. Es war erst das dritte WM-Tor von Haiti. Nach dem Ausgleich durch Achraf Hakimi (39.) drosch der Haitianer Wilson Isidor (43.) den Ball aus 26 Metern in den Winkel. Die 68.239 Fans in Atlanta flippten aus – oder schauten ungläubig drein. Der bei Bayern München gehandelte Ismael Saibari (45.+1) brachte den Halbfinalisten von 2022 zurück ins Spiel. Soufiane Rahimi (78.) und Gessime Yassine (89.) sorgten schließlich noch für den marokkanischen Sieg.
Opa prophezeite Treffer für Haiti
Eine Entfernung von 26 Metern, eine Geschwindigkeit von 126 Stundenkilometern: Allein die Zahlen zu Wilson Isidors Traumtor gegen Marokko sind beeindruckend. Doch der erste selbst erzielte Treffer von Haiti bei dieser Weltmeisterschaft bedeutet so viel mehr. „Wir haben die Menschen in Haiti stolz gemacht. Wir können jetzt darauf aufbauen und kommen in vier Jahren stärker wieder“, sagte der Stürmer. Beim 2:4 war ihm das zwischenzeitliche 2:1 gelungen, Haitis erste Führung war als Eigentor gewertet worden. 1974 war Emmanuel Sanon mit seinen beiden Toren zum Nationalhelden geworden. Einen Zeitzeugen hat Isidor noch in der Familie. „Ich weiß, dass mein Großvater die Tore damals gesehen hat“, sagte der 25-Jährige. „Er war sehr stolz darauf und er hat mir gesagt, dass ich der nächste Torschütze werde. Ich denke, er ist nun sehr stolz auf mich.“
Brasilien Gruppensieger, Schweiz entreißt Kanada Gruppensieg
Vinícius Júnior tanzte an der Eckfahne und feierte mit Brasilien den Gruppensieg. Der Rekordweltmeister gewann sein letztes WM-Vorrundenspiel mit 3:0 (2:0) gegen Schottland und zog dadurch auf Rang eins in die K.-o.-Runde ein. Vor 64.478 Zuschauern in Miami schoss Vinícius Júnior seine Turniertore drei und vier (7./45.+3). Der frühere Hertha- und Leipzig-Stürmer Matheus Cunha (60.) schoss das dritte Tor. In der Schlussphase gab Neymar sein Debüt bei dieser WM. Angeführt von Freiburgs Juwel Johan Manzambi hat die Schweiz Gastgeber Kanada den Gruppensieg bei der Fußball-WM entrissen. Die Eidgenossen setzten sich im direkten Duell in Vancouver mit 2:1 (0:0) durch und beendeten die Vorrundengruppe B mit sieben Zählern auf Platz eins.



