DFB-Reform: Wolfgang Wolf hofft auf Klub-Beben bei Abstimmung
Wolfgang Wolf hofft auf Klub-Beben bei DFB-Reform

Die DFB-Reform steht vor einer entscheidenden Abstimmung. Am 29. Juni werden betroffene Klubs bundesweit über die neue Regionalliga-Struktur und einen fairen Aufstieg in die 3. Liga abstimmen. Das Motto lautet: „Meister müssen aufsteigen“. Nach 14 Jahren könnte ein klares Vereinsvotum den größten Zoff im deutschen Fußball beenden.

Wolfgang Wolf: „Die Basis muss den Prozess jetzt retten“

Ex-Bundesliga-Trainer Wolfgang Wolf (68), der unter anderem den 1. FC Kaiserslautern, den 1. FC Nürnberg und den VfL Wolfsburg coachte, wünscht sich ein eindeutiges Ergebnis. Er sagte gegenüber BILD: „Ich verfolge das alles sehr genau. Der DFB reagiert in dieser Sache nur auf Druck. Deshalb hoffe ich, dass er den jetzt von den Klubs bekommt – und am besten so groß wie möglich. Die Vereine müssen mit einer Sprache sprechen und die einzig wahre und faire Lösung kann nur das Kompassmodell sein.“

Das Kompassmodell sieht die Bildung von vier Staffeln vor, die nach den jeweils kürzesten Fahrtstrecken in einer Saison zusammengestellt werden. Wolf betont die Rolle der Vereine: „Die Basis muss den Prozess jetzt retten. Die Vereine sind es doch, die Leidenschaft, Geld und Herzblut investieren, um dann trotz Meisterschaft nicht hoch zu dürfen? Ich habe das selbst erlebt.“ Bei seiner letzten Station als Trainer von Lok Leipzig scheiterte der Aufstieg in die 3. Liga 2020 hauptsächlich wegen eines Torwartfehlers.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hintergrund: Ungleiche Aufstiegsregelung

Bisher gibt es fünf Regionalligen, von denen nur die Meister aus West und Südwest das direkte Aufstiegsrecht haben. Die Staffelsieger aus Bayern, dem Norden und Osten müssen in zwei von drei Jahren in eine hochumstrittene Relegation. Diese Ungleichheit sorgt seit Jahren für Streit zwischen den Regionalverbänden.

Abstimmung am 29. Juni in Nürnberg

BILD liegt die schriftliche Einladung des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) vor, der die Veranstaltung am 29. Juni um 18 Uhr im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg abhält. Aus dem Schreiben geht hervor, dass es sich um die „finale Abstimmung“ handelt. Parallelveranstaltungen in den anderen Regionalligen sind geplant. Diese Vereinbarung soll am 2. Juni auf einer Sitzung der Verbandsbosse getroffen worden sein. Anfragen von BILD an DFB und Regionalverbände blieben unbeantwortet.

Drei Wahloptionen für die Klubs

Laut Informationen soll es drei Wahloptionen geben: das Kompassmodell, das Regionenmodell (Aufspaltung der Regionalliga Nordost auf Bayern und den Norden) und keine Änderung. Bayerns verspäteter Extra-Vorschlag des Zwei-Phasen-Modells wurde abgelehnt. Die Verbände stehen unter heftigem Druck, da Fans, Experten und prominente Persönlichkeiten ihnen ein Aussitzen der Probleme vorwerfen.

Wolfgang Wolf wettert gegen „verkrustete Strukturen“

Wolf wird deutlich: „Das sind alles verkrustete Strukturen! Ich weiß gar nicht, in welcher Welt die leben!“ Auch Ulf Kirsten (60) hatte kürzlich poltert: „In den letzten 14 Jahren wurde teils sinnlos hin- und hergestritten. Immer wieder gab es aberwitzige Vorschläge, absurde Tricks und Finten der Verbände, die damals schon in der katastrophalen aktuellen Aufstiegsregelung mündeten. Jetzt ist der Moment, wo ihr als Vereine es in der Hand habt. Beendet diesen Schwachsinn und stimmt fürs Kompassmodell!“

Details des DFB-Konzepts

Das DFB-Konzept sieht vor, dass alle fünf Regionalligen zwei Startplätze abgeben, um von 90 auf 80 Teams zu kommen. Jede Saison werden vier 20er-Staffeln unter Beibehaltung von Derbys gebildet. Laut DFB-Berechnungen müssen nur jeweils ein bis zwei Klubs die Staffel wechseln. Die Zulassungskriterien aus dem Abschlussbericht der DFB-Arbeitsgruppe liegen BILD vor. Die Interessen kleiner Vereine werden gewahrt: So soll es beim Flutlicht Ausnahmen geben, die Stadionkapazität wird auf mindestens 2.500 festgelegt, bei nur 100 Sitzplätzen. Bei Risikospielen würde der DFB bezüglich Sicherheitsfragen unterstützen. Durch die sanfte Verdichtung der sportlichen Qualität soll auch die Talentförderung gestärkt werden.

Nie war ein Konzept so ausgereift. Insgeheim hoffen DFB und DFL, dass die Vereine der Kompromisslösung zum Durchbruch verhelfen – vielleicht mit einem echten Beben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration