Xabi Alonso übernimmt Chelsea: Kann das gutgehen?
Xabi Alonso bei Chelsea: Kann das gutgehen?

Xabi Alonso übernimmt ab Sommer beim FC Chelsea. Er bekommt mehr Macht als je zuvor in seiner Trainerlaufbahn. Kann das gutgehen?

Während seiner großen Karriere als Spieler machte Xabi Alonso an der Stamford Bridge nie die besten Erfahrungen. Dabei war er zwischen 2004 und 2009 regelmäßiger Gast im Stadion des FC Chelsea. Im Trikot des FC Liverpool erlebte Alonso quasi am eigenen Leib eine der erfolgreichsten Phasen Chelseas: 2005 und 2006 feierten die Blues die Meisterschaft.

Nun kehrt der Spanier ab dem 1. Juli an diesen Ort zurück und soll den Verein nach Jahren der chaotischen Umstände als Trainer wieder nach ganz oben bringen. Doch viele Beobachter fragen sich, wieso sich Alonso diese Aufgabe bloß antut.

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Kann Alonso Chelsea an die Spitze führen?

Und die Frage ist durchaus berechtigt. So äußerte Klub-Legende John Terry vor einigen Wochen sogar selbst ganz offen seine Bedenken im Zusammenhang mit seinem Herzensverein. „Welcher große Trainer will denn noch zu uns kommen?“, fragte sich der ehemalige Gegner von Alonso. Nun dürfte Terry selbst ein wenig überrascht sein. Immerhin schrieb Chelsea in den vergangenen Jahren kaum positive Schlagzeilen.

Im Mai 2022 kaufte Todd Boehly den Verein mit dem BlueCo-Consortium – und verschliss danach einen Trainer nach dem anderen. Nach Thomas Tuchel, Graham Potter, Frank Lampard, Mauricio Pochettino, Enzo Maresca, Liam Rosenior und Calum McFarlane ist Alonso schon die neunte große Hoffnung des Milliardärs.

Bislang wurde Boehly nie glücklich mit einem Coach. Dabei sah es vor allem unter Maresca vor wenigen Monaten gut aus. Er gewann im Sommer mit Chelsea die Klub-WM, führte den Verein zurück in die Königsklasse und dort auf den sechsten Platz der Ligaphase. Das reichte trotzdem nicht, die Ansprüche waren noch höher.

Alonso bekommt so viel Macht wie einst Mourinho

Rennt Alonso also mit offenen Augen in sein Verderben? Zumindest gibt es auch deutliche Anzeichen dafür, dass mit dem 44-Jährigen tatsächlich alles wieder anders wird.

Denn: Alonso wurde offiziell als „Manager“ vorgestellt und hat somit bei Transferfragen viel größere Macht als die vergangenen Cheftrainer. Bei Chelsea vertrauten die Bosse zuletzt 2013 José Mourinho in dieser Doppelfunktion. Zudem wird dem Teammanager bei Vereinsentscheidungen Mitsprache genehmigt.

Der frühere Blues-Stürmer Jimmy Hasselbaink erklärte bei Sky Sports, dass es ein logischer Schritt sei: „Wenn man sich für Alonso entscheidet, muss man ihm die ‚Schlüssel‘ des Vereins (die volle Autorität; Anm. d. Red.) anvertrauen. Die Spieler müssen wissen, dass der Trainer derjenige ist, der die endgültigen Entscheidungen trifft, damit sie härter arbeiten.“

Er forderte sogar: „Man sollte dem Trainer die Befugnis geben, Spieler auszuschließen, die sich nicht an sein System und seine Anweisungen halten, und diesem Prozess vertrauen.“

Vorteilhafte Ausgangslage für Alonso?

Alonso muss sich also bei Wünschen nach neuen Spielern nicht eng mit anderen Akteuren abstimmen und hat zudem ein schier endloses Budget. Seit 2022 hat die BlueCo rund 1,8 Milliarden Pfund für Spieler ausgegeben. In diesem Stil wird es wohl weitergehen.

Zudem spricht die sportliche Ausgangslage für Alonso. Chelsea wird ohne internationalen Wettbewerb auskommen müssen und so kann der Ex-Mittelfeldspieler in deutlich mehr Trainingseinheiten während der Saison seine Idee vermitteln – genau wie in seiner Anfangszeit in Leverkusen.

Bei Bayer holte der Coach 2,14 Punkte im Schnitt pro Spiel und gewann 2024 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Kurios: Bei Real steigerte Alonso seine Ausbeute sogar auf 2,24 Zähler – und musste trotzdem im Januar 2026 gehen!

Chelsea-Spieler werden Alonso „direkt respektieren“

Dennoch dürfte ihm auch die kurze Zeit bei Real Madrid in seiner Entwicklung geholfen haben. Denn sportlich gescheitert ist der Baske auch dort nicht. Der englische Sky-Chefreporter Kaveh Solkehol kommentierte dahingehend: „Er hatte bei Real auch mehr als 70 Prozent der Spiele gewonnen. Er musste gehen, weil er ein paar Egos in der Kabine gegen sich hatte.“

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Und genau dort sieht der Chelsea-Insider die große Chance für Alonso: „Bei Chelsea wird die Kabine auch schwierig sein, aber nicht so wie bei Real. Diese großen Egos bei Chelsea werden sich in die Reihe stellen, sobald Alonso ankommt. Sie werden ihn direkt respektieren und sie wissen, dass die Eigentümer immer Alonso beistehen. Er hat eine Aura, hat alles in seiner Karriere schon als Spieler gewonnen und eine soziale Schlauheit.“

Genau auf diese kommunikative Stärke setzen mehrere Experten. Immerhin hat Chelsea durchaus Spieler mit großer Klasse. Doch es fehlen die Anführer und die ordnenden Hände in der Kabine. Selbsternannte Chefs wie Enzo Fernández oder Marc Cucurella sorgten zuletzt mit forschen Aussagen eher für noch mehr Durcheinander.

„Zähmt“ Alonso die jungen Chelsea-Stars?

Chelsea-Legende William Gallas erklärte bei BetVictor: „Die neue Spielergeneration hat ein großes Ego, sobald sie ein paar gute Spiele hinter sich hat, und das war’s dann auch schon.“ Dies sei „ein noch größeres Problem, wenn man wie Chelsea nur junge Spieler im Kader“ habe.

Gallas fuhr fort: „Man muss wissen, wie man mit ihnen spricht. Xabi Alonso gehört zu meiner Generation. Ich glaube, er wäre in der Lage, mit dem Kader auf altmodische Weise zu kommunizieren, sich aber auch an die neue Generation anzupassen.“

Bei Leverkusen holte sich Alonso schnell mit Granit Xhaka einen klaren Chef an seine Seite. Es scheint naheliegend, dass der neue Coach auch in London starke Wortführer verpflichten wird – und das Alter der Mannschaft erhöht. Das wünschen sich sogar einzelne Spieler.

Cucurella sagte bei The Athletic im März: „Wir haben einen guten Kern an Spielern. Die Grundlagen sind vorhanden. Aber um um große Titel wie die Premier League oder die Champions League zu kämpfen, braucht man mehr. Nur junge Spieler zu verpflichten, könnte das Erreichen dieser Ziele erschweren.“

Am Ende kann nur die Zeit zeigen, ob Xabi Alonso bei Chelsea das schafft, woran so viele vor ihm gescheitert sind – oder ob auch er an der Stamford Bridge an seine Grenzen stößt.