Champions-League-Pleite: Ungewöhnliche Taktik stoppt Füchse Berlin
Diese Niederlage schmerzt die Füchse Berlin zwar nicht existenziell, wirft aber deutliche Fragen zum taktischen Umgang mit unerwarteten Gegnerstrategien auf. In der Champions League unterlag der Deutsche Meister dem polnischen Topteam Industria Kielce mit 31:33 (13:15) vor 8.611 begeisterten Fans in der praktisch ausverkauften Max-Schmeling-Halle.
Viertelfinal-Ticket bereits sicher, aber Ehrgeiz ungebrochen
Dramatische Konsequenzen hatte diese Niederlage nicht, denn der Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse stand für die Füchse bereits vor dem Anpfiff fest. Dennoch wollte das Team von Coach Nicolej Krickau die volle Leistung zeigen und hatte in elf Champions-League-Spielen zuvor beeindruckende zehn Siege eingefahren. Die voll besetzte Halle an einem Donnerstagabend unterstrich die anhaltende Handball-Euphorie in der Hauptstadt.
Desaströser Angriff und taktische Überraschung
Die erste Halbzeit entwickelte sich zum Albtraum für die Berliner. Eine Angriffseffizienz von nur 39 Prozent – normalerweise bei stabilen 75 Prozent angesiedelt – ließ das Team verzweifeln. Die erwartet harte Gangart der Polen beeindruckte die Füchse sichtlich. Bis zur 17. Minute bei 8:7 war alles offen, doch dann häuften sich die Aussetzer: sechs Fehlwürfe und sieben technische Fehler zerstörten jeden Spielrhythmus.
Die taktische Überraschung folgte in der 18. Minute. Kielces Trainer-Schlitzohr Talant Dujshebaev griff tief in die Kiste und ordnete eine ungewöhnliche Manndeckung gegen Füchse-Star Mathias Gidsel an. Diese im Profihandball seltene Maßnahme wurde von Frankreichs Nationalspieler Dylan Nahi umgesetzt, der dem dänischen Welthandballer fortan auf den Schnürsenkeln stand. Die Taktik ging auf: Kielce ging mit 15:11 in Führung.
Gidsels Frust und späte Reaktion
„Ich war ein bisschen überrascht, dass Kielce das schon nach 15 Minuten gemacht hat. Ich stehe nicht so gern an der Mittellinie, will lieber mitmachen“, kommentierte Gidsel die ungewöhnliche Bewachung. Bis zur 47. Minute war das Duell praktisch Mathias Gidsel (10 Tore) gegen ganz Kielce, während seine Rückraum-Kollegen auf der linken Seite – Lasse Andersson und Matthes Langhoff – noch keinen einzigen Treffer erzielt hatten.
Erst ab der 45. Minute reagierte Füchse-Trainer Krickau im taktischen Schachspiel der beiden Trainer mit einer offensiven Manndeckung ab der Mittellinie für alle Kielce-Spieler. Diese Gegenmaßnahme zeigte Wirkung: Die Füchse holten den Vier-Tore-Rückstand auf (20:24/42.) und gingen in der 48. Minute erstmals in der zweiten Hälfte mit 26:25 in Führung. Torhüter Lasse Ludwig steigerte sich deutlich.
Symbolischer Putzeinsatz und bitteres Ende
Ein Gidsel allein reichte an diesem Abend jedoch nicht aus. Symbolisch für seinen Einsatzwillen sorgte der Welthandballer bereits zum zweiten Mal für einen halbwegs pünktlichen Anpfiff, nachdem beim Einlauf-Feuerwerk erneut Öl ausgelaufen war. Wie schon im Liga-Spiel gegen Stuttgart putzte und wischte Gidsel alles selbst mit einem Handtuch trocken – ein beeindruckendes Zeichen von Professionalität, das jedoch nicht zum Sieg reichte.
Die Füchse zeigten in der Schlussphase noch einmal Kampfgeist, doch Kielce behielt mit 33:31 die Oberhand. Diese Niederlage offenbarte deutliche Schwächen im Umgang mit unkonventionellen Gegnertaktiken, auch wenn sie sportlich keine schwerwiegenden Konsequenzen hatte. Die Berliner müssen nun analysieren, wie sie künftig besser auf solche Überraschungsmanöver reagieren können.



