Kalte Halle, konfiszierte Bälle: Handball-Krise in Demmin spitzt sich zu
Das Nachholspiel der Verbandsliga-Ost zwischen Einheit Demmin und dem HSV Insel Usedom II dürfte in die Annalen des deutschen Handballs als eine der kuriosesten Begegnungen eingehen. Dass überhaupt gespielt werden konnte, war ausschließlich der Eigeninitiative zweier Demminer Spieler zu verdanken: Ole Werner und Sven Rohleder brachten ihre eigenen Bälle mit in die Beermann-Arena. Das Spiel endete 31:31 (12:16), doch die eigentliche Geschichte spielte sich hinter den Kulissen ab.
Trainer macht Ärger über skurrile Zustände Luft
Nach der Partie ließ Einheit-Trainer Jakub Olejniczak seinem Unmut freien Lauf. „Ich bin stolz auf meine Spieler. Der Trainingsausfall hat uns hart getroffen“, erklärte er. „Dass die Stadt einfach unsere Bälle konfiszierte, hatte zur Folge, dass wir nur Bewegungsübungen in den Trainingseinheiten durchführen konnten.“ Der Coach schilderte die absurde Situation: „Erstmals mussten wir in der eigenen Halle ohne Haftmittel spielen. Dieser Fakt begünstigte reihenweise Fehler, die zu einem deutlichen Rückstand führten.“ Trotzdem habe die Mannschaft Moral bewiesen, sich herangekämpft und sogar kurz geführt. „Leider gelang uns nicht der entscheidende Treffer zum Sieg.“
Konflikt mit der Stadt eskaliert
Was führte zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme? Laut Olejniczak beanstandete der Demminer Hallenwart, dass die Mannschaft Harzflecken auf dem Parkett nicht ordnungsgemäß beseitigt habe. Eine Nachbesserungsmöglichkeit sei dem Verein verwehrt worden. Daraufhin ließ die Stadt Demmin den Vereinsvorsitzenden Sebastian Borchardt unterschreiben, dass die Bälle eingezogen werden. Borchardt, der vor Ort mit dem Catering beschäftigt gewesen sein soll, unternahm laut Angaben aus der Mannschaft nichts, um den Spielbetrieb abzusichern. Auf Nachfrage des Nordkurier erklärte er lediglich: „Ich gebe keine Stellungnahme ab.“
Spieler fühlen sich im Stich gelassen
Die Handballer des SV Einheit sehen sich von Vereinsführung und Stadt gleichermaßen im Stich gelassen. Rückraumspieler Patrick Lemke brachte die Frustration auf den Punkt: „Was in den letzten Wochen abging, war für uns sehr hart. Erst die kalte Halle ohne warmes Wasser, nun die Entmündigung durch die Stadt. Handball ohne Ball, wie soll das gehen?“ Er monierte zudem, dass die seit Saisonbeginn zugesagten neuen Trikots nie bestellt wurden. Aus der Mannschaft heißt es: „Die Strukturen im Verein und die Rahmenbedingungen sind absolut leistungshemmend. So gibt es seit Längerem keine Ordner und auch keine Wischer mehr.“
Fans sorgen sich um die Zukunft
Im Umfeld des Vereins mehren sich besorgte Stimmen. Einige Besucher befürchten, dass der in der Hansestadt traditionsreiche Handballsport bald ganz verschwinden könnte, wenn sich nichts ändert. Stadt und Vereinsführung sind dringend gefordert, Lösungen zu finden, um den Sport wieder salonfähig zu machen. Die Mannschaft selbst zeigte im Spiel gegen Usedom trotz der widrigen Umstände vollen Einsatz. Gegen den Tabellendritten kämpften sie sich aus einem sieben Tore Rückstand zurück und stoppten damit eine zweimalige Niederlagenserie. Mit nun 9:13 Punkten bleiben die Peenestädter jedoch Tabellenvorletzter.
Ausblick: Letztes Heimspiel und Trainer-Entscheidung
Am 1. März bestreiten die Demminer ihr nächstes Meisterschaftsspiel gegen den Tabellenzweiten HC Empor Rostock III. Dies wird gleichzeitig das letzte Heimspiel der Saison 2025/26 sein. Eine positive Nachricht gibt es jedoch: Trainer Jakub Olejniczak wird auch in der Spielzeit 2026/27 an der Seitenlinie stehen. „Ich bleibe als Coach“, bestätigte er. Der ehemalige Einheit-Spieler, der das Amt im November 2025 übernahm, betonte: „Es gilt, die Mannschaft weiterzuentwickeln.“ Ob dies unter den aktuellen Rahmenbedingungen gelingen kann, bleibt fraglich.



