Handballkrise in Demmin: Verein gegen eigene Mannschaft - Die Fronten sind verhärtet
Der traditionsreiche Handballverein SV Einheit Demmin, der im Jahr 1949 gegründet wurde, steckt in einer tiefgreifenden Krise, die den Fortbestand des Klubs ernsthaft gefährdet. In diesen Tagen steht der Verein aus der Hansestadt vor einer wahren Zerreißprobe, die das gesamte Vereinsgefüge erschüttert.
Gespräch unter der Woche bringt keine Lösung
Im Zentrum des eskalierenden Konflikts stehen der Einheit-Vorstand unter Vorsitzendem Sebastian Borchardt und die erste Männermannschaft des Vereins. Wie zuverlässige Quellen berichten, trafen sich Teile des Vorstandes und der Mannschaftsrat bereits unter der Woche zu einem dringenden Krisengespräch. Dabei wurde dem Team aus der Verbandsliga Ost vom Verein ein umfangreicher Forderungskatalog übergeben, dessen Annahme oder Ablehnung ein internes Mannschaftstreffen am Freitagabend entscheiden soll.
Vorgeschichte: Frustration bei Spielern wächst
Die Handballer des SV Einheit fühlen sich seit längerer Zeit sowohl von der Vereinsführung als auch von der Stadt Demmin im Stich gelassen. „Was in den letzten Wochen abging, war für uns sehr hart. Erst die kalte Halle ohne warmes Wasser, nun die Entmündigung durch die Stadt. Handball ohne Ball, wie soll das gehen?“, äußerte sich Rückraumspieler Patrick Lemke, der kurz vor seinem Abschied vom Verein stehen soll. Weitere Schlüsselspieler aus dem Demminer Kader könnten dem Verein ebenfalls den Rücken kehren, was den sportlichen Niedergang beschleunigen würde.
Drohung: Stadt könnte Nutzungsrecht entziehen
Die kritischen Äußerungen von Lemke stießen beim Verein auf wenig Verständnis. Während der Verein gegenüber Medien zunächst eine Gegendarstellung ankündigte, aber bis Donnerstagmittag keine entsprechende Mitteilung verschickte, wurde intern in einem WhatsApp-Chat gedroht. Darin heißt es wörtlich: „Es liegt im Bereich des Möglichen, dass nach wiederholtem Fehlverhalten einer Mannschaft die Stadt uns das Nutzungsrecht für die Halle entzieht.“
Zwischen Verein und Stadtverwaltung soll am 23. Februar ein entscheidendes Gespräch stattfinden. Dabei wird voraussichtlich auch über die konfiszierten 18 Handbälle gesprochen, die in der Beermann-Arena nicht mehr verwendet werden dürfen. Der Grund dafür ist eine starke Verschmutzung des Parketts durch Haftmittel an den Bällen.
Handbälle dürfen nicht mehr verwendet werden
In einem offiziellen Übergabeprotokoll zwischen Stadt und Verein steht eindeutig: „Die verwahrten Handbälle und weiteren Gegenstände werden dem Vereinsvorsitzenden Sebastian Borchardt am 13.02.2026 übergeben mit dem Hinweis, dass die Handbälle und weiteren Gegenstände in der Beermann Arena gemäß der Benutzungsordnung für die Sportstätten der Hansestadt Demmin nicht verwendet und aufbewahrt werden dürfen.“
In der Beermann-Arena, wo die Demminer Handballer traditionell ihre Heimspiele austragen, durften diese Spielgeräte daher auch nicht für das vergangene Heimspiel gegen den HSV Insel Usedom II (Endstand 31:31) eingesetzt werden. Die Partie konnte lediglich mit privaten Bällen von Einheit-Spielern durchgeführt werden, was selbst bei der Gastmannschaft für Verwunderung sorgte.
Heimspiel am 1. März unter schwierigen Bedingungen
„Es werden uns vom Verein Steine in den Weg gelegt“, klagen Spieler aus der Einheit-Mannschaft. Im laufenden Spielbetrieb geht es für die Demminer erst am 1. März mit dem Heimspiel gegen den HC Empor Rostock III weiter. Für den Tabellenvorletzten, der im Vorjahr aus der Oberliga abstieg, ist dies gleichzeitig der letzte Heimauftritt in der Saison 2026/27. Die zwei verbleibenden Partien finden auswärts statt, was die schwierige Situation des Vereins zusätzlich verschärft.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob der SV Einheit Demmin diese existenzielle Krise überwinden kann oder ob der traditionsreiche Verein weiter in den Abgrund schlittert. Die Fronten zwischen Vorstand, Mannschaft und Stadtverwaltung sind derzeit so verhärtet wie nie zuvor in der langen Vereinsgeschichte.



