Die Debatte um die Preisgelder im Tennis wird durch einen direkten Vergleich aktuell befeuert: Während die Siegerin der Berlin Tennis Open in dieser Woche rund 161.000 Euro erhält, bekommt der Gewinner des parallel stattfindenden ATP-Turniers im westfälischen Halle etwa 483.000 Euro. Beide Turniere gehören zur 500er-Kategorie, beide finden in Deutschland statt, beide dauern eine Woche, und gespielt wird jeweils über zwei Gewinnsätze. Der einzige Unterschied: In Berlin spielen Frauen, in Halle die Männer.
Die zweite Preisgeld-Debatte: Anteil der Spieler an den Grand-Slam-Einnahmen
Neben der Differenz zwischen WTA- und ATP-Turnieren gibt es eine weitere Diskussion: Wie viel Prozent der Einnahmen der Grand-Slam-Turniere an die Spielerinnen und Spieler ausgeschüttet werden. Bei den vier Majors bekommen Männer und Frauen bereits seit Jahren das gleiche Preisgeld. Doch zuletzt entzündete sich bei den French Open eine Debatte daran, dass die Profis gemessen an den enormen Umsätzen der Turniere einen ihrer Meinung nach zu kleinen Anteil erhalten. Zahlreiche Topspieler wie Aryna Sabalenka oder Jannik Sinner hatten sich deshalb in einem gemeinsamen Brief an die Verantwortlichen gewandt.
„Wir sind der Wert eines Turniers, die Leute kommen, um uns spielen zu sehen“, sagt Jessica Pegula am Rande der Berlin Tennis Open, bei denen sie am Sonntag das Finale bestreitet. „Die Grand Slams machen einen großartigen Job und veranstalten fantastische Events für uns und die Fans. Aber im Vergleich zu anderen Sportarten ist Tennis in dieser Hinsicht noch sehr traditionell.“
Spielerinnen fordern mehr Unterstützung von den Grand Slams
Die US-Amerikanerin sitzt im Players Council und beobachtet, dass der Druck wächst. „Ich glaube, wir erleben gerade zum ersten Mal wirklich Gegenwehr. Die Spieler fordern mehr Unterstützung von den vier größten Turnieren, und ich glaube, der Druck wirkt langsam.“ Pegula sieht darin die Arbeit des Players Council bestätigt. „Wir haben einen guten Job gemacht, das Thema auf die Agenda zu setzen“, sagt sie. „Früher wurde immer darüber gesprochen, jetzt passiert tatsächlich etwas.“
Ähnlich sieht es Eva Lys. Die Hamburgerin macht deutlich, dass es längst nicht mehr nur ums Geld geht. „Für ein Turnier braucht es viele Faktoren, damit es funktioniert. Aber die Spielerinnen und Spieler sind die wichtigsten Akteure. Und im Vergleich zu den anderen Sportarten, ist der Split einfach weiterhin zu niedrig“, findet sie. Im Moment gehen rund 15 Prozent der Einnahmen an die Tennisprofis – zu wenig, wie diese finden.
Geschlossenheit der Spieler als Schlüssel
Bislang seien Versuche, daran etwas zu ändern, ins Leere gelaufen. „Ich habe das Gefühl, das kommt noch nicht zu 100 Prozent an. Da müssen die Spieler sicherlich auch hart durchgreifen, damit wir gehört werden.“ Entscheidend sei dabei Geschlossenheit. „Wir brauchen die großen Spieler, aber auch den Zusammenhalt aller Spielerinnen und Spieler.“
In diesem Zusammenhang taucht regelmäßig auch die Frage auf, ob Frauen bei Grand Slams künftig ebenfalls über drei Gewinnsätze spielen sollten. Aktuell spielen Männer dort Best-of-five, Frauen Best-of-three. Pegula persönlich hätte damit kein Problem. „Ich wäre völlig okay damit“, sagt sie. „Mein Idealszenario wäre aber, dass Männer und Frauen erst ab dem Viertelfinale über drei Gewinnsätze spielen. Dann hätte man die zeitlichen Kapazitäten, ohne dass es zu riesigen Verzögerungen kommt.“
Fortschritte auf der regulären Tour
Während die Grand-Slam-Debatte vor allem den Split betrifft, ist die Situation auf der regulären Tour anders gelagert: Frauen verdienen vielerorts immer noch erheblich weniger als Männer. „Die ATP erzielt traditionell höhere Einnahmen, die WTA wächst aber kontinuierlich“, weiß Pegula und sieht zumindest Fortschritte. Als positives Beispiel nennt sie das Turnier im Londoner Queen’s Club, wo die Preisgelder zuletzt deutlich angehoben wurden. „Wir sehen eine Entwicklung, die hoffentlich irgendwann zu gleichen Preisgeldern führen wird.“
Trotzdem bleibt die Diskrepanz vielerorts enorm. „Das muss man natürlich auch ansprechen“, sagt Lys in Berlin. „Es gibt immer noch einen großen Gap zwischen Frauen- und Männerpreisgeldern.“ Die deutsche Tennis-Hoffnung verweist auf das Turnier im niederländischen ’s-Hertogenbosch, wo die Unterschiede zuletzt wieder besonders deutlich waren.
Der Vergleich zwischen Berlin und Halle zeigt ebenfalls, wie weit der Weg noch ist. Denn solange zwei Turniere derselben Kategorie, im selben Land und mit demselben Modus Preisgelder ausschütten, die Männer dabei aber das Doppelte kassieren, bleibt die Debatte aktueller denn je.



