Formel 1 beschließt umfassende Regel-Änderungen nach Kritik
Die Formel 1 hat auf den massiven Aufschrei von Fahrern, Teams und Fans reagiert und umfangreiche Regel-Änderungen beschlossen. Nach dem letzten Rennen in Japan, das für viel Unmut sorgte, nutzte der Automobil-Weltverband FIA die fünfwöchige Rennpause für intensive Gespräche mit allen Beteiligten. Bereits zum kommenden Grand Prix in Miami am 3. Mai sollen fast alle neuen Bestimmungen in Kraft treten. Max Verstappen (28) war einer der lautstärksten Kritiker der bisherigen Regularien.
Qualifying: Mehr Vollgas durch weniger Energie-Management
Im Qualifying wird das Limit für das Zurückgewinnen von Energie pro Runde weiter gesenkt. Nachdem es in Japan von 9 auf 8 Megajoule reduziert wurde, sind ab Miami nur noch 7 Megajoule erlaubt. Diese Maßnahme soll den Vollgas-Anteil erhöhen, da die Fahrer weniger Energie pro Runde aufladen müssen. Dadurch wird auch das sogenannte Lift-and-Coast reduziert, bei dem Piloten vor Kurven frühzeitig vom Gas gehen, um Energie zu sparen.
Gleichzeitig wird die maximal erlaubte Superclipping-Leistung von 250 kW auf 350 kW erhöht. Superclipping bezeichnet den Vorgang, bei dem der Verbrennermotor auf Geraden die Batterie auflädt und das Auto Geschwindigkeit verliert. Die Erhöhung soll den Ladeeffekt verstärken, aber die Ladezeit verkürzen, sodass sich die Fahrer weniger auf das Energiemanagement konzentrieren müssen. Diese Änderung gilt sowohl für das Qualifying als auch für das Rennen.
Rennen: Anpassungen bei Boost und Batterie-Limit
Der in dieser Saison neu eingeführte Boost-Knopf wird nach dem Unfall von Oliver Bearman und Franco Colapinto in Suzuka angepasst. Um ähnliche Vorfälle zu verhindern, wird die maximale Zusatzleistung nun auf +150 kW begrenzt. Bearman hatte in Japan die Kontrolle über sein Auto verloren, nachdem er einen riesigen Geschwindigkeitsüberschuss erzeugte.
Ähnlich wird das allgemeine Abgabe-Limit der Batterie in bestimmten Streckenteilen, abgesehen von wichtigen Beschleunigungszonen, von 350 kW auf 250 kW gesenkt. Dies soll das Fahrverhalten vereinfachen und mehr Renn-Action ermöglichen.
Start und Regen: Neue Sicherheitsmaßnahmen
Nach gefährlichen Situationen beim Start führt die FIA das neue Sicherheitssystem Low Power Start Detection ein. Es erkennt, wenn ein Auto zu langsam losfährt, und setzt automatisch zusätzliche Elektro-Energie frei, um einen reibungslosen Start zu gewährleisten und Gefahren für nachfolgende Fahrzeuge zu minimieren. Alle Warnleuchten am Auto beginnen in diesem Fall zu blinken. Diese Prozedur wird in Miami zunächst getestet und dann angepasst.
Für Sessions im Regen wurden ebenfalls Neuerungen angekündigt. Die Temperatur der Reifendecken für Intermediates wurde erhöht, um mehr Grip zu garantieren. Zudem wird der Batterie-Einsatz limitiert, um das Fahrverhalten auf nasser Strecke zu vereinfachen. Die Rücklichter am Heck wurden vereinfacht, um die Sichtbarkeit und Sicherheit für hinterherfahrende Autos zu verbessern.
Ausblick und Zustimmung
Ob die Änderungen die breite Kritik verstummen lassen, wird sich erst in den kommenden Wochen nach einigen Rennen zeigen. Noch muss der Motorsport-Weltrat den Anpassungen zustimmen, doch dies gilt als reine Formsache. Die Formel 1 setzt damit ein klares Zeichen für mehr Action und Sicherheit auf der Strecke.



