Formel-1-Stars kritisieren neue Regeln: 'Wie Mario Kart auf der Rennstrecke'
Formel-1-Kritik: 'Wie Mario Kart auf der Rennstrecke'

Formel-1-Stars kritisieren neue Regeln: 'Wie Mario Kart auf der Rennstrecke'

Die Formel 1 hat nach der größten Regelreform ihrer Geschichte gerade einmal rund 300 Kilometer beim Grand Prix von Australien zurückgelegt, doch bereits jetzt gibt es deutliche Kritik von zwei Weltmeistern. Max Verstappen fühlt sich bei der neuen Formel-1-Generation wie in einem Videospiel und will dies keineswegs als Lob verstanden wissen.

Vollgas-Fahrer gegen Batterie-Management

Der viermalige Weltmeister von Red Bull sprach nach dem packenden Saisonstart in Melbourne von „Chaos hoch und runter“. Die Notwendigkeit, die Batterie im Motor nach dem Entladen wieder aufzuladen, führe im Mittelfeld zu „seltsamen Dingen“, die ihn stark an das Videospiel „Mario Kart“ erinnern. Verstappen, ein leidenschaftlicher Sim Racer, würde am liebsten die Zeit zurückdrehen und zu den alten Regeln zurückkehren.

Schon während der Testfahrten hatte sich der 71-malige Grand-Prix-Sieger über die Generation 2026 aufgeregt: „Es hat mit der Formel 1 eigentlich nichts zu tun“, klagte Verstappen. „Es fühlt sich eher an wie die Formel E auf Steroiden.“ Nach der umfassenden Regelreform sind die Fahrer zu permanentem Batterie-Management gezwungen. Vollgas fahren können sie nicht mehr komplett, sonst geht ihnen mit den neuen Motoren der Saft aus.

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Instinkt gegen Kalkül

Die neuen Aggregate beziehen zu gut 50 Prozent Leistung vom Verbrenner und zu fast 50 Prozent aus der Batterie, die ständig neu geladen werden muss. Dies widerspricht dem Instinkt von Verstappen, der als vehementer Vertreter des Vollgasfahrens gilt: So spät wie möglich bremsen, so früh wie möglich beschleunigen. Auf der Geraden herunterschalten, vom Gas gehen und ausrollen, um dann mit geladener Batterie wieder voll beschleunigen zu können – diese Taktik, wie sie in der Qualifikation praktiziert wird, passt nicht zum Rennstil des Niederländers.

„Fahrer und Fans wollen nur das Beste für den Sport. Wir sind nicht einfach nur um der Kritik willen kritisch“, betonte Verstappen, der nach Startplatz 20 in Melbourne noch Sechster wurde. „Wir sind aus gutem Grund kritisch, denn wir wollen, dass es die Formel 1 bleibt, also die richtige Formel 1 auf Steroiden.“

Mario-Kart-Vergleiche und Sicherheitsbedenken

Auch Ferrari-Fahrer Charles Leclerc fühlte sich im Rennen phasenweise in die Welt des schnurbärtigen Videospiel-Klempners Super Mario versetzt. Einen Geschwindigkeitsschub bei Mercedes verglich er mit dem Turboantrieb in der Gaming-Reihe: „Das ist wie ein Pilz in Mario Kart“, funkte Leclerc und amüsierte damit auch seinen Renningenieur.

Weltmeister Lando Norris, der die neue Formel 1 während der Tests noch verteidigt hatte, äußerte hingegen ernste Sicherheitsbedenken. Er begründete dies mit den teils extremen Tempounterschieden zwischen den Fahrzeugen: „Es ist ein Chaos, es kommt zu schweren Unfällen. Man fährt und wartet nur darauf, dass etwas passiert und etwas schrecklich schiefgeht“, meinte Norris, der vor Verstappen Fünfter wurde.

Der 35. Weltmeister der Formel-1-Geschichte sprach von Geschwindigkeitsunterschieden „von 30, 40 oder 50 km/h“ und warnte: „Wenn jemand bei diesem Tempo einen trifft, fliegt man durch die Luft, landet über dem Zaun und fügt sich selbst und möglicherweise auch anderen großen Schaden zu. Das ist eine ziemlich schreckliche Vorstellung.“

Gemischte Reaktionen im Fahrerlager

Während Verstappen keine Aussicht auf schnelle Abhilfe sieht und an den Motorsport-Weltverband Fia sowie die Formel-1-Geschäftsführung appellierte, schnell für Änderungen zu sorgen, hält George Russell die Kritikwelle für überzogen. Der Engländer erinnerte an die sogenannten Ground-Effekt-Wagen der Vorgängergeneration, die aufgrund ihrer aerodynamischen Besonderheit auf dem Asphalt teils heftig hüpften: „Alle hatten davon Rückenschmerzen und die Fahrer haben sich darüber beschwert“, sagte Russell.

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Mercedes-Teamchef Toto Wolff findet die aktuelle Kritik ebenfalls nicht ganz angebracht: „Wir neigen dazu, sehr nostalgisch zu sein, wenn wir auf vergangene Ereignisse zurückblicken“, sagte der Österreicher, der sich natürlich freut, dass sein Rennstall die neuen Regularien schon jetzt sehr erfolgreich umzusetzen scheint.

Die Rolle der Fans

Anpassungen im Reglement hält Wolff jedoch nicht für ausgeschlossen: „Wir müssen die Fans begeistern, deshalb müssen wir uns einfach das Produkt ansehen“, betonte er. „Und wenn es angepasst werden muss, wenn wir etwas ändern müssen, dann haben wir meiner Meinung nach in der Formel 1 die Flexibilität, solche Entscheidungen immer zu treffen.“

Die Fans bekamen in Melbourne trotz aller Kritik ein spektakuläres Rennen geboten. Dank der neuen Modi „Boost“ (Schub) und „Overtake“ (Überholen) wurden insgesamt 125 Überholmanöver gezählt – gegenüber gerade einmal 45 beim Saisonstart in Melbourne vor einem Jahr. Ob sich die Formel 1 damit langfristig in Richtung Videospiel entwickelt oder ihren traditionellen Charakter bewahrt, bleibt die zentrale Frage dieser Saison.