Formel-1-Stars kritisieren neue Regeln: 'Wie Mario Kart auf Steroiden'
Die Formel 1 hat nach der größten Regelreform ihrer Geschichte gerade einmal rund 300 Kilometer beim Grand Prix von Australien zurückgelegt. Doch bereits nach diesem ersten Saisonrennen gibt es heftige Kritik von zwei Weltmeistern. Die neuen Vorgaben sorgen für kontroverse Diskussionen in der Königsklasse des Motorsports.
Verstappens Frust: 'Chaos hoch und runter'
Max Verstappen, der viermalige Weltmeister von Red Bull und leidenschaftlicher Sim Racer, kommt sich bei der neuen Formel 1 wie in einem Videospiel vor. Nach dem packenden Saisonstart in Melbourne sprach der Niederländer von 'Chaos hoch und runter' und will dies keineswegs als Lob verstanden wissen.
Die Notwendigkeit, die Batterie im Motor nach dem Entladen wieder aufzuladen, führe im Mittelfeld zu 'seltsamen Dingen', die ihn an das Videospiel 'Mario Kart' erinnern. Verstappen würde am liebsten die Zeit zurückdrehen und kritisiert: 'Es hat mit der Formel 1 eigentlich nichts zu tun. Es fühlt sich eher an wie die Formel E auf Steroiden.'
Permanentes Batterie-Management als Herausforderung
Nach der historischen Regelreform sind die Fahrer zu permanentem Batterie-Management gezwungen. Vollgas fahren können sie nicht mehr komplett, sonst geht ihnen mit den neuen Motoren der Saft aus. Die Aggregate beziehen zu gut 50 Prozent Leistung vom Verbrenner und zu fast 50 Prozent aus der Batterie, die ständig neu geladen werden muss.
Dies widerspricht dem Instinkt von Verstappen, der als vehementer Vertreter des Vollgasfahrens gilt: So spät wie möglich bremsen, so früh wie möglich beschleunigen. Das Herunterschalten auf der Geraden, vom Gas gehen und Ausrollen, um dann mit geladener Batterie wieder voll beschleunigen zu können, passt nicht zu seinem Rennstil.
Leclercs Vergleich: 'Wie ein Pilz in Mario Kart'
Auch Ferrari-Fahrer Charles Leclerc fühlte sich im Rennen phasenweise in die Welt des schnurbärtigen Videospiel-Klempners Super Mario versetzt. Einen Geschwindigkeitsschub bei Mercedes verglich er mit dem Turboantrieb in der Gaming-Reihe. 'Das ist wie ein Pilz in Mario Kart', funkte Leclerc und amüsierte damit auch seinen Renningenieur.
Die Fans bekamen in der Anfangsphase ein Spektakel geboten, als sich der spätere Rennsieger George Russell im Mercedes und Leclerc an der Spitze mehrfach überholten. Dank der neuen Modi 'Boost' (Schub) und 'Overtake' (Überholen) wurden schlussendlich 125 Überholmanöver gezählt – im Vergleich zu gerade einmal 45 beim Saisonstart in Melbourne vor einem Jahr.
Norris' Sicherheitsbedenken: 'Es ist ein Chaos'
Weltmeister Lando Norris, der die neue Formel 1 während der Tests noch verteidigt hatte, äußerte nach dem Rennen ernste Sicherheitsbedenken. Er begründete dies mit den extremen Tempounterschieden auf der Strecke.
'Es ist ein Chaos, es kommt zu schweren Unfällen. Man fährt und wartet nur darauf, dass etwas passiert und etwas schrecklich schiefgeht', meinte Norris, der vor Verstappen Fünfter wurde. Der 35. Weltmeister der Formel-1-Geschichte sprach von Unterschieden 'von 30, 40 oder 50 km/h' und warnte vor den gefährlichen Konsequenzen.
Teamchefs sehen das Rennen differenzierter
Mercedes-Teamchef Toto Wolff befand hingegen: 'Das Racing hat im Vergleich zu den vergangenen Jahren gar nicht so viel Unterschied gemacht. Und das auf einer Strecke, die energetisch besonders anspruchsvoll ist.' Er erinnerte daran, dass auch die Vorgängergeneration mit den sogenannten Ground-Effect-Wagen Probleme bereitete: 'Alle hatten davon Rückenschmerzen und die Fahrer haben sich darüber beschwert.'
Wolff findet die aktuelle Kritikwelle nicht ganz angebracht: 'Wir neigen dazu, sehr nostalgisch zu sein, wenn wir auf vergangene Ereignisse zurückblicken.' Gleichzeitig hält er Anpassungen im Reglement nicht für ausgeschlossen: 'Wir müssen die Fans begeistern, deshalb müssen wir uns einfach das Produkt ansehen.'
Appell an Fia und Formel-1-Führung
Verstappen appellierte an den Motorsport-Weltverband Fia und die Formel-1-Geschäftsführung, schnell für Änderungen zu sorgen. 'Fahrer und Fans wollen nur das Beste für den Sport. Wir sind nicht einfach nur um der Kritik willen kritisch', betonte der Niederländer. 'Wir sind aus gutem Grund kritisch, denn wir wollen, dass es die Formel 1 bleibt, also die richtige Formel 1 auf Steroiden.'
George Russell räumte jedoch ein, dass nicht alle dieselben Interessen verfolgen: 'Jeder schaut immer nur auf sich selbst. Wir sind in dieser Hinsicht alle egoistisch.' Die Diskussion über die größte Regelreform der Formel-1-Geschichte ist damit eröffnet – und wird die Königsklasse des Motorsports noch lange beschäftigen.



