Helmut Marko im Exklusivinterview: Rückzug aus der Formel 1 und Geschichten über Vettel und Verstappen
Marko über Rückzug, Vettel und Verstappen

Helmut Marko erklärt seinen Rückzug aus der Formel 1

Der langjährige Red-Bull-Berater Helmut Marko hat sich Ende 2025 aus dem aktiven Formel-1-Geschäft zurückgezogen. In einem exklusiven Interview spricht der 81-Jährige über die Gründe für seinen Abschied und blickt auf eine beispiellose Karriere zurück, in der er das Team zu acht Fahrer-Weltmeisterschaften führte.

Die Entscheidung zum Abschied

„Nach einigen Überlegungen bin ich zum Schluss gekommen: Auch dass wir den fünften Titel nicht gewonnen haben, ist ein Grund abzutreten“, erklärt Marko. Ursprünglich hatte er überlegt, nach einem fünften WM-Titel mit Max Verstappen den richtigen Zeitpunkt für seinen Rückzug zu finden. Die Enttäuschung über das verpasste Ziel bestärkte ihn jedoch in seiner Entscheidung.

Marko betont, dass Verstappen inzwischen zu einer eigenständigen Persönlichkeit geworden sei, die keine Ratschläge mehr benötige. „Max führt eher schon ein Team“, so der Österreicher. Das Red-Bull-Team habe sich nach der Sommerpause und der Verabschiedung von Teamchef Christian Horner ausgezeichnet entwickelt, sodass er alles in guten Händen sehe.

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Die Verstappen-Ära

Über Max Verstappen sagt Marko: „Das erste Gespräch mit Max ging weit über die normale Zeit hinaus. Da war ein 15-jähriger Körper mit dem Geist eines 25-Jährigen.“ Der Niederländer sei in seiner Entwicklung weit voraus gewesen, fokussiert und wusste genau, was er wollte.

Marko sieht noch kein Ende von Verstappens Fähigkeiten: „Wenn das nötige Auto zur Verfügung steht, wird er noch einige WM-Titel einfahren.“ Besonders beeindruckt ihn die Entwicklung des dreifachen Weltmeisters: „Max ist inzwischen Vater, hat ein ausgeglichenes Leben – und ist ganz klar einer der ganz Großen im Motorsport.“

Die Anfänge mit Sebastian Vettel

Ein besonderes Kapitel in Markos Karriere war die Förderung von Sebastian Vettel. „Vettel war einer unserer ersten – wenn nicht der erste – im Red Bull Junior Team“, erinnert sich Marko. Schon in der Formel BMW gewann der Deutsche 18 von 20 Rennen und war unglücklich über die zwei verpassten Siege.

Der Durchbruch kam 2008 mit dem überraschenden Sieg beim Großen Preis von Italien in Monza. „Und plötzlich hieß es am Sonntag: Wer ist dieser Vettel?“, so Marko. Für viele Beobachter kam der Erfolg aus dem Nichts, doch Red Bull wusste um das Talent des jungen Deutschen.

Vettels Weg zum Weltmeister

2009 holte Red Bull Vettel ins A-Team, wo er zunächst mit Mark Webber ein starkes Duo bildete. „2009 war unser Auto in der zweiten Saisonhälfte vielleicht das schnellste, aber das Team war noch nicht WM-reif“, analysiert Marko. Strategiefehler und Entwicklungsprobleme verhinderten den Titelgewinn.

Doch schon 2010 sollte sich das Blatt wenden: „Zum Finale in Abu Dhabi führte Alonso vor Webber und Sebastian. Bei Webber brachen die Reifen früher ein – und plötzlich war Vettel vorne.“ Es war der erste von vier Weltmeistertiteln, die Vettel mit Red Bull gewinnen sollte.

Vergleich zweier Weltmeister

Marko vergleicht die beiden erfolgreichsten Red-Bull-Fahrer: „Beide sind außergewöhnliche Fahrer, beide sind Persönlichkeiten – mit verschiedenen Interessen.“ Während Vettel der analytische Typ gewesen sei, der mit seinem Ingenieur bis ins letzte Detail gearbeitet habe, sei Verstappen mehr der natürliche Fahrer.

„Man sieht das, wenn es regnet: Er fährt raus und ist in den ersten zwei Runden zwei, drei Sekunden schneller als der Rest“, beschreibt Marko Verstappens besondere Fähigkeiten. Beiden gemeinsam sei jedoch der unbändige Wille zum Erfolg.

Die schwierigste Saison

Besonders emotional war für Marko die Saison 2021: „2021 war von Emotionen, von Politik – von allem das härteste Jahr, das ich in der Formel 1 erlebt habe.“ Die Rivalität zwischen Verstappen und Lewis Hamilton eskalierte sowohl auf als auch neben der Strecke.

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Marko erinnert sich an die „teilweise giftige Atmosphäre“ und die politischen Intrigen. Das Finale in Abu Dhabi, das Verstappen für sich entschied, ging zu Red Bulls Gunsten aus – auch weil das Team den richtigen Zeitpunkt für den Reifenwechsel gewählt hatte.

Ein Leben für den Motorsport

Rückblickend auf seine Karriere sagt Marko: „Sehr stolz. Aber nicht nur ich – es war ein Team, ein hervorragendes Team.“ Ohne die Unterstützung von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz und das Engagement aller Beteiligten wären die Erfolge nicht möglich gewesen.

Jetzt freut sich der 81-Jährige darauf, die Formel 1 künftig vor dem Fernseher zu verfolgen – ohne die Strapazen der langen Reisen zu den Rennstrecken dieser Welt. Sein Vermächtnis jedoch bleibt: Acht Fahrer-Weltmeisterschaften und die Entdeckung zweier Jahrhunderttalente.