WM-Sechzehntelfinale: 6 offene Fragen vor DFB-Knaller gegen Paraguay
WM-Sechzehntelfinale: 6 offene Fragen vor DFB-Knaller

Nach der ersten WM-Pleite gegen Ecuador (1:2) im bedeutungslosen dritten Gruppenspiel ist die Euphorie rund um die deutsche Nationalmannschaft gedämpft. Dabei steht das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann erstmals seit dem WM-Titel 2014 wieder in der K.o.-Phase. Vor dem Sechzehntelfinale am Montag um 22.30 Uhr deutscher Zeit (ZDF, Magenta TV und im BILD-Liveticker) gegen Paraguay in Boston gibt es einige offene Fragen. BILD beantwortet sie.

1. Warum spielt Woltemade überhaupt keine Rolle?

Nick Woltemade (24) schoss das DFB-Team mit vier Toren in den letzten drei Qualifikationsspielen quasi im Alleingang zur WM. Beim Turnier kam der Stürmer bislang aber noch keine einzige Minute zum Einsatz. Neben den Ersatztorhütern Oliver Baumann (36) und Alex Nübel (29) ist Woltemade zusammen mit Nachrücker Assan Ouedraogo (20) der einzige Feldspieler ohne Einsatzzeit. Der Grund: Im internen Stürmer-Ranking ist er in den vergangenen Monaten hinter Deniz Undav zurückgefallen. Aktuell ist Woltemade nur noch Stürmer Nummer drei. Das hängt vor allem damit zusammen, dass er in diesem Jahr bei seinem Klub Newcastle erst zwei Tore erzielt hat. Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) weiß zwar, wie wichtig Woltemades Treffer für die WM-Qualifikation waren. Wegen seiner aktuellen Form liegt er derzeit aber hinten. Anzeichen für einen Einsatz gibt es momentan nicht.

2. Brauchen wir Goretzka für mehr Körperlichkeit?

Beim 1:2 gegen Ecuador fehlte dem DFB-Team vor allem eines: Körperlichkeit in den Zweikämpfen. Genau dafür steht Leon Goretzka (31) wie kaum ein anderer im Kader. Seinen zwischenzeitlichen Stammplatz, den er zwischen März 2025 und März 2026 mit zehn Startelf-Einsätzen in zwölf Spielen innehatte, hat er allerdings verloren. In den ersten beiden WM-Partien wurde er eingewechselt, gegen Ecuador blieb er sogar komplett ohne Einsatz. Ist Goretzka ein Kandidat für die Startelf, um mehr Physis ins Mittelfeld zu bringen? Julian Nagelsmann machte seine Sicht deutlich: „Ich finde, dass Felix und Pavlo es gut machen, ich will auf keinen der beiden verzichten.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

3. Warum stellt Nagelsmann Kimmich nicht ins Mittelfeld?

Kaum ein Thema begleitet Joshua Kimmich so lange wie seine Position. Seit seinem Debüt 2016 bestritt der Kapitän 60 seiner 113 Länderspiele auf Rechts. Dabei gilt er im Mittelfeld, wo er auch beim FC Bayern spielt, als einer der besten Strategen Europas. Gegenüber BILD sprach sich Rekordnationalspieler Lothar Matthäus dafür aus, Kimmich wieder ins Zentrum zu ziehen. Matthäus: „Ich sehe ihn im Endeffekt als Kapitän nicht von der Körpersprache und von der Positionierung als jemanden, der die Mannschaft führt, der dann Einfluss nimmt, wenn es nicht so läuft.“ Für Bundestrainer Julian Nagelsmann ist ein erneuter Positionswechsel derzeit aber kein Thema. „Ich will auf Felix und Pavlo nicht verzichten. Ich finde, dass sie es gut machen. Im Fußball kann man nichts ausschließen, aber ein Wechsel ist akut nicht geplant“, sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz in East Rutherford. Hinzukommt: Im 26er-Kader steht kein nomineller Backup für Kimmich. Nagelsmann hat darauf verzichtet, einen gelernten Rechtsverteidiger wie z.B. Ridle Baku (28/Leipzig) oder Vagnoman (25/Stuttgart) zu nominieren. Gegen Ecuador kam Innenverteidiger Malick Thiaw (24) für Kimmich ins Spiel, gegen Curacao Waldemar Anton (29).

4. Was ist eigentlich mit Florian Wirtz passiert?

Spätestens nach seiner Wow-Gala gegen die Schweiz im März, als er an allen vier Treffern beteiligt war, galt Florian Wirtz (23) als die große deutsche WM-Hoffnung. Beim Turnier bleibt der Offensivstar bislang jedoch ein Rätsel. Von seiner Leichtigkeit, seiner Torgefahr und seinen Weltklasse-Einzelaktionen ist bisher kaum etwas zu sehen. Nach seiner durchwachsenen ersten Saison in Liverpool fehlt Wirtz aktuell das Selbstvertrauen. Immerhin stehen bislang zwei Vorlagen zu Buche. Bundestrainer Julian Nagelsmann stärkt seinem Spielmacher trotzdem den Rücken: „Flo war sehr bemüht, hat Gas gegeben. Es fehlt das Fortune in der einen oder anderen Situation. Es fehlt ihm so ein bisschen das Tor, die Dosenöffner-Aktion. Aber das wird kommen, ganz sicher.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

5. Warum findet Nagelsmann Sané eigentlich so gut?

Gegen Ecuador war er noch unser bester Offensivspieler. Leroy Sané (30) traf zum frühen 1:0, hatte aber Glück, dass das Tor nicht abgepfiffen wurde. Er arbeitet bei diesem Turnier gut mit nach hinten, unterstützt den anfälligen Kimmich. Doch so richtig in WM-Form ist auch Sané nicht. In der Öffentlichkeit wird er wegen seiner fehlenden Körpersprache oft kritisch gesehen. Warum setzt Nagelsmann trotzdem weiter auf ihn? Der Bundestrainer nach dem Spiel: „Er hatte beim Tor eine gute Position. Auch die zweite Aktion macht er richtig gut: Er legt Pacho zu Boden und kommt dann frei zum Abschluss. Da hat man gesehen, wie der Platz den Ball abbremst – dieser unglückliche Bounce. Sonst macht er, glaube ich, das 2:1. Dann hätten wir die Führung gehabt. Ob das zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen wäre oder nicht, ist in dieser Spielphase nicht relevant. Das wäre, glaube ich, ein ganz wichtiger Treffer gewesen. Insgesamt hat er das gut gemacht.“ Sané wird außerdem gebraucht, weil er auf der rechten Seite mit seinem Tempo Joshua Kimmich unterstützen soll.

6. Wären wir mit Karl viel besser?

Die Verletzung von Lennart Karl (18) schmerzt das DFB-Team noch immer. Der Shootingstar zog sich im Abschlusstraining vor dem letzten WM-Test gegen die USA in Chicago einen Muskelbündelriss im linken vorderen Oberschenkel zu. Das Turnier verpasste er dadurch auf dramatische Weise. Karl galt als einer der großen Hoffnungsträger. Er hatte beste Chancen, beim WM-Auftakt in der Startelf zu stehen. Mit seiner Unbekümmertheit und seinen Dribblings im Eins-gegen-eins sorgte er in seinen bisherigen drei Länderspielen für Furore. Ausgerechnet der Spieler, der für erfrischenden Gute-Laune-Fußball stehen sollte, fehlt dem DFB-Team nun. Mit ihm fehlt auch die Unbekümmertheit im deutschen Angriffsspiel.