Biathlon-Geschwister aus Grönland positionieren sich bei Olympia 2026 politisch
Die grönländischen Biathlon-Athleten Ukaleq und Sondre Slettemark werden bei den Olympischen Winterspielen 2026 für Dänemark antreten und nutzen diese internationale Bühne für ein deutliches politisches Statement. Die Geschwister äußern massive Kritik an US-Präsident Donald Trump und seinen Ambitionen gegenüber Grönland, während sie gleichzeitig die Verbundenheit zu ihrer Heimat und zu Dänemark betonen.
Klare Worte gegen den US-Präsidenten
Die 24-jährige Ukaleq Slettemark zeigt sich im Interview mit dem dänischen Sender DR Sporten wütend über die politischen Entwicklungen: „Wir sprechen viel darüber, und ich bin völlig wütend. Donald Trump ist ein riesiger Idiot“, erklärt die Biathletin. Ihre Sorge gilt vor allem Trumps wiederholten Äußerungen über eine mögliche Annexion Grönlands, die bei der Familie allgegenwärtig sind.
In einem Gespräch mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera wird ihre Position noch deutlicher: „Ich fahre Ski und schieße mit Platzpatronen, aber wie kann ich diejenigen ignorieren, die mit so explosiven Ideen spielen und sich darauf vorbereiten, mit echten Kugeln zu schießen?“ Die Athletin zieht dabei sogar einen direkten Vergleich zwischen Trump und dem russischen Präsidenten: „Trump ist so verrückt wie Putin, man weiß nie, ob seine Drohungen Provokationen sind oder ob er es ernst meint.“
Dänemark als sicherer Hafen und politisches Symbol
Obwohl der sportliche Fokus eigentlich auf den olympischen Wettkämpfen liegen sollte, nutzen die Slettemark-Geschwister bewusst die internationale Aufmerksamkeit: „Die stärkste Botschaft, die wir senden können, ist für Dänemark anzutreten“, betont Ukaleq Slettemark. Für die Athletin stellt Dänemark einen sicheren Hafen dar, und sie ist stolz darauf, die enge Verbindung zwischen Grönland und Dänemark zu demonstrieren.
Beim US-Nachrichtensender CNN erklärt sie: „Es ist wichtig, dass wir Dänemark als unseren sicheren Hafen haben und dass wir gut zusammenarbeiten können. Ich bin stolz zu zeigen, dass Grönland und Dänemark in diesen Zeiten stark zusammenstehen.“ Diese politische Dimension ihres olympischen Engagements gewinnt vor dem Hintergrund von Trumps unveränderten Absichten, Grönland zu „besitzen“, besondere Bedeutung.
Kulturelle Identität und Verbundenheit zur Heimat
Die Biathletin betont die tiefe kulturelle Verbundenheit zu ihrer grönländischen Heimat: „Unsere Kulturen sind so unterschiedlich. In Grönland sind wir nach wie vor ein Volk, das Teil der Natur ist“, erläutert Slettemark. Sie weist darauf hin, dass in Grönland ein anderes Verhältnis zur Natur herrsche: „Wir sehen uns nicht als etwas, das sich von der Natur unterscheidet. Wir stellen Geld nicht über die Natur. Wir möchten den Boden nicht ausbeuten, um Mineralien zu gewinnen.“
Mit Begeisterung beschreibt sie ihr Heimatland: „Wir haben so viel Freiheit, so viele unberührte Gebiete, die nicht asphaltiert sind, die keine Gebäude sind, sondern nur reine Berge, reine Flüsse, reine Ozeane.“ Diese natürlichen Gegebenheiten seien nicht nur für Wintersportler entscheidend, sondern prägten die Lebensweise aller Grönländer.
Olympische Tradition und internationale Repräsentation
Die sportliche Laufbahn der Geschwister ist eng mit der olympischen Geschichte ihrer Familie verbunden. Vater Öystein nahm 2010 in Vancouver an Olympischen Spielen teil, während die Mutter die Spiele in Salt Lake City nur wegen der Schwangerschaft mit Tochter Ukaleq verpasste. Nach ihrer Teilnahme in Peking 2022 bestreitet Ukaleq Slettemark 2026 ihre zweiten Olympischen Spiele, während Bruder Sondre sein olympisches Debüt feiert.
Da Grönland über kein eigenes Nationales Olympisches Komitee verfügt, starten die Athleten für Dänemark. Der 21-jährige Sondre Slettemark betont: „Die Menschen in Grönland sind sehr stolz und verfolgen unsere Erfolge.“ Das Geschwisterpaar weist darauf hin, dass zwar viele Grönländer Sport treiben, dies aber meist innerhalb des Landes geschehe. Umso stolzer seien sie, ihre Heimat auch auf internationaler Ebene bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen vertreten zu können.
Aktuell leben die Geschwister in Norwegen, doch Ukaleq Slettemark betont: „Natürlich liebe ich Norwegen, ich spreche Norwegisch, ich lebe dort und habe auch viel Familie in Norwegen, aber ich glaube, dass meine kulturelle Verbindung zu Grönland vielleicht stärker ist.“ Diese Verbundenheit zur Heimat bildet den emotionalen Hintergrund für ihr politisches Engagement auf der olympischen Bühne.



