Olympia 2026: Biathlon-Märchen mit deutscher Unterstützung
Der Name Lora Hristova sagte selbst etablierten Biathlon-Stars wie Franziska Preuß zunächst wenig. Doch beim olympischen Biathlon-Einzel in Antholz sorgte die 22-jährige Bulgarin für eine echte Sensation. Sie gewann überraschend die Bronzemedaille und verwehrte damit der Deutschen Vanessa Voigt einen Podestplatz. Zu verdanken hat Hristova diesen Erfolg neben ihrer harten Arbeit vor allem der Hilfe einer deutschen Trainer-Legende.
Die kuriosen Momente nach dem Rennen
„Wer ist eigentlich diese Bulgarin?“ Diese Frage stellte eine völlig verblüffte Franziska Preuß nach dem olympischen Einzel in der Umkleidekabine. Die deutsche Biathletin fuhr mit einem Lachen fort: „Dann hat so ein kleines Mädel gesagt: ‚Ja, ich.‘“ Gesucht war Lora Hristova, die den kuriosen Moment aus ihrer Sicht schilderte: „Ich hörte, wie sie miteinander sprachen und sich fragten, wer dieses bulgarische Mädchen sei. Mein erster Gedanke war: ‚Ah okay, das bin ich. Das ist leicht zu beantworten.‘“
Wenige Minuten zuvor hatte die 22-Jährige sensationell Bronze gewonnen. „Als sie fragten, war mir in diesem Moment klar, dass es eine Medaille sein würde, denn ich kannte die Ergebnisse noch nicht“, erläuterte Hristova die skurrile Kabinenszene weiter. Preuß‘ Frage zeigt, wie überraschend dieser Erfolg war, wenn selbst die eigenen Kontrahentinnen nicht wussten, wer Hristova war.
Eine bemerkenswerte Entwicklung
Mit Blick auf ihre bisherigen Resultate ist die Überraschung verständlich. Hristova belegt aktuell Platz 73 im Gesamtweltcup und schaffte in der laufenden Saison nur ein einziges Top-30-Ergebnis im Einzel von Östersund zum Auftakt. Das beste Ergebnis ihrer Karriere vor dem Bronze-Erfolg war ein 13. Platz, ebenfalls im Einzel, bei der WM in der Lenzerheide 2025.
Noch vor vier Jahren bei Olympia in Peking sah die Situation ganz anders aus: Die damals erst 18-Jährige belegte im Sprint den 89. und damit letzten Platz. Doch dieses Ergebnis habe sie für das Rennen in Antholz nur zusätzlich motiviert, wie sie erklärte. Sie habe sich zudem „an der Startlinie sehr viel selbstbewusster gefühlt, weil ich viel Arbeit investiert habe in den Jahren seit den vergangenen Olympischen Spielen“.
Deutsche Trainer-Legende als Schlüsselfigur
Der Erfolg ist auch einer deutschen Trainer-Legende zu verdanken. „Ich glaube, dass Wolfgang Pichler da eine sehr gute Grundlage legt“, sagte der deutsche Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling. Pichler, der als Trainer in Schweden unter anderem für Rekordweltcupsiegerin Magdalena Forsberg sowie Olympiasiegerin Hanna Öberg verantwortlich war, ist seit anderthalb Jahren als Berater für das bulgarische Team tätig.
„Die ist hoch einzuordnen. Ganz hoch“, versicherte der 71-jährige Pichler über Hristovas Bronzemedaille, der sich während des Gesprächs vor Gratulanten kaum retten konnte. Der Erfolg sei „unglaublich“, vor allem wenn man sich die Voraussetzungen anschaue. Während die großen Nationen mit großen Wachs-Teams und eigenen Trucks unterwegs sind, habe das bulgarische Team gerade einmal drei Wachser.
Technische Verbesserungen und mentale Stärke
Dass die Athletin aus Sofia Potenzial hat, war Pichler bereits nach der WM in der Lenzerheide bewusst – doch es gab einen Haken: „Das Problem war einfach, sie war zu schwach zum Laufen. Aber wir haben mit der Milena Todorova eine richtig gute Läuferin und das war für sie gut. Da hat sie sich danach richten können.“
Tatsächlich zeigte sich Hristova auf der Loipe zuletzt stark verbessert, auch wenn sie im Einzel trotzdem gut zwei Minuten auf die Laufschnellste verlor. Das war dank ihrer vier fehlerfreien Schießeinlagen jedoch ausreichend für den Erfolg. Der Bulgarin gelang damit, woran einige große Namen gescheitert waren.
Ein lang gehegter Traum wird wahr
Hristova, die im Alter von elf Jahren mit dem Biathlon-Sport begann und oft auch im deutschen Ruhpolding trainiert, sorgte bereits im Jugendbereich für Aufsehen. Sie gewann zwei Medaillen bei der EM sowie vier Mal Gold im Sommerbiathlon der Junioren. Ihr großes Ziel sei aber von Beginn an „eine olympische Medaille gewesen“.
Dieses hat sie nun bereits im Alter von 22 Jahren erreicht – und sich damit auch in das Bewusstsein ihrer Konkurrentinnen geschossen. Preuß war die Situation in der Umkleide im Nachhinein übrigens schon „ein bisschen unangenehm“. Hristova wird es ihr aber sicher verzeihen, zumal die deutsche Biathletin im Anschluss eine der ersten Gratulantinnen war. Die Frage, „wer eigentlich diese Bulgarin“ sei, wird Hristova so schnell ohnehin nicht mehr zu hören bekommen.



