Emotionaler Olympiasieg: Norweger Botn widmet Gold seinem verstorbenen Freund
Botn gewinnt Olympia-Gold für verstorbenen Teamkollegen

Emotionaler Triumph: Botn gewinnt Olympia-Gold für verstorbenen Freund

In einem bewegenden Moment der olympischen Geschichte hat der norwegische Biathlet Johan-Olav Botn seinen größten Karriereerfolg dem Andenken seines verstorbenen Teamkollegen Sivert Guttorm Bakken gewidmet. Nach einem fehlerfreien Rennen im Einzelwettbewerb von Antholz sicherte sich Botn die Goldmedaille und ließ dabei seine Emotionen ungefiltert zu.

Ein Gruß in den Himmel

Schon vor der Ziellinie reckte der neue Olympiasieger einen Finger gen Himmel und blickte nach oben – eine Geste, die als stille Botschaft an seinen Freund interpretiert wurde. „Ich hatte das Gefühl, dass ich die letzte Runde mit ihm gelaufen bin“, erklärte Botn im ZDF-Interview. „Wir haben im letzten Jahr fast jeden Tag zusammen trainiert, für uns beide war es ein großer Traum, hier Olympiasieger zu werden. Ich hoffe, er schaut von oben zu und ist stolz auf mich.“

Die Tragödie hatte sich nur wenige Wochen zuvor ereignet: Botn hatte Bakken am Tag vor Heiligabend in einem Trainingslager in Lavazé leblos in dessen Hotelzimmer aufgefunden. Die genauen Umstände des Todes sind weiterhin ungeklärt, erste Obduktionsergebnisse werden erst im März erwartet.

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Psychische Belastung und Rückkehr

Der Fund stürzte das gesamte norwegische Team in eine tiefe Krise. Botn musste zusätzlich wegen einer Erkrankung pausieren und kehrte erst zur Olympia-Generalprobe in Nove Mesto zurück. „Ich habe seit Weihnachten kaum trainiert und meine Form war nicht besonders gut“, gestand der Athlet. „Ich musste es am Schießstand machen.“ Umso bemerkenswerter war seine Leistung: fehlerfrei am Schießstand und eine starke Laufleistung.

Auch Teamkollege Sturla Holm Laegreid, der Bronze gewann, brach im Ziel in Tränen aus. Auf dem Podest kämpften beide Norweger sichtlich mit ihren Gefühlen, als ihre Nationalhymne erklang.

Deutsche Bilanz: Nawrath knapp an Medaille vorbei

Für das deutsche Team verlief das Rennen durchwachsen. Philipp Nawrath verpasste als Fünfter knapp eine Medaille, was er einem „Leichtsinnsfehler“ beim ersten Liegendschießen zuschrieb. „Ohne diesen hätte es gereicht, aber ich bin dennoch sehr zufrieden“, sagte der 32-Jährige, der sich vor dem Rennen mit seiner Mixed-Staffel-Bronzemedaille motiviert hatte.

Die Debütanten David Zobel (Rang 21) und Lucas Fratzscher (Rang 23) lieferten solide Leistungen mit jeweils nur zwei Schießfehlern. Enttäuschend verlief das Rennen dagegen für Philipp Horn, der auf seinen Lieblingsstrecken sechs Strafminuten kassierte und nur Rang 40 erreichte.

Deutsches Medaillen-Dauerthema

Der Deutsche Skiverband wartet bei den Männern im Einzel weiterhin auf eine Medaille – seit zwölf Jahren. Den letzten Olympiasieg feierte Michael Greis 2006 in Turin, Silber holte Erik Lesser 2014 in Sotschi. Bei den Frauen gelang Denise Herrmann-Wick vor vier Jahren in Peking noch der Triumph.

Am Mittwoch treten die deutschen Biathletinnen über 15 Kilometer an: Franziska Preuß, Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz und Selina Grotian wollen die Serie fortsetzen.

Für Johan-Olav Botn bleibt dieser Olympiasieg jedoch vor allem eines: ein emotionales Vermächtnis. „Ich habe auf der letzten Runde kaum an mich selbst gedacht“, sagte er. „Meine Gedanken und Gefühle für Sivert kamen direkt nach dem letzten Schießen.“ Ein Sieg, der weit über den Sport hinausreicht.

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