Olympia-Historie: Brasilien feiert erstes Winter-Gold durch Pinheiro Braathen
Lucas Pinheiro Braathen hat bei den Olympischen Winterspielen in Bormio einen historischen Coup gelandet. Der 25-Jährige schrieb im Riesenslalom Geschichte, indem er die erste Goldmedaille für Brasilien und überhaupt für einen Südamerikaner bei Winterspielen gewann. Sein Vater hatte Freudentränen in den Augen, während der geschlagene Superstar Marco Odermatt anerkennend applaudierte.
Dominante Leistung gegen die Weltelite
Pinheiro Braathen ließ die Konkurrenz mit einer famosen Leistung ratlos zurück. Im ersten Lauf baute er fast eine Sekunde Vorsprung auf Odermatt auf, der sich schließlich mit 0,58 Sekunden Rückstand und Silber begnügen musste. Bronze ging an Odermatts Teamkollegen Loic Meillard, der 1,17 Sekunden hinter dem Sieger blieb. Für Odermatt bedeutete dies das Ende des Saisonhighlights in Norditalien ohne Goldmedaille.
Deutsche Skifahrer mit gemischten Gefühlen
Bester Deutscher war Alexander Schmid auf Rang 13. Der Parallel-Weltmeister von 2023 zeigte sich nach seinem Comeback von einem Kreuzbandriss und einer Sprunggelenksverletzung „sehr zufrieden“. Anton Grammel landete knapp dahinter auf Platz 15. Eine bittere Enttäuschung erlebte hingegen Fabian Gratz: Nach einem zehnten Platz im ersten Lauf schied er im Finale nach einem Fahrfehler aus und äußerte sich nach dem Rennen niedergeschlagen.
Spektakuläre Rückkehr nach kontroversem Rücktritt
Pinheiro Braathens Erfolg ist umso bemerkenswerter, als er erst im Oktober 2024 nach einem einjährigen Rücktritt zurückkehrte. 2023 hatte er noch die Slalom-Gesamtwertung gewonnen, erklärte dann aber infolge eines Streits um Vermarktungsrechte mit dem norwegischen Verband seinen Rücktritt. Seine Rückkehr verkündete er emotional am Gaislachkogl-Gipfel oberhalb von Sölden – dem Drehort des James-Bond-Films „Spectre“ – und kündigte an, fortan für Brasilien, das Heimatland seiner Mutter, zu starten.
Showman mit Mission
Der als „Showman“ bekannte Skifahrer, der sich schon als Model versuchte, schrille Outfits trägt und sich die Fingernägel lackiert, fühlt sich auf einer Mission. Er will junge Menschen inspirieren, so zu sein, wie sie sein wollen, und repräsentiert stolz 200 Millionen Brasilianer. Sportlich sorgte der sechsmalige Weltcup-Sieger zuletzt regelmäßig für Aufsehen, mit drei Podestplätzen im Riesenslalom vor Olympia – als hätte er sich das i-Tüpfelchen bewusst für die größte Ski-Bühne aufgehoben.



