Olympia-Sensation: Deutsche Skeleton-Frauen holen Silber und Bronze in Cortina
Bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo haben die deutschen Skeleton-Frauen einen historischen Erfolg gefeiert. Die Debütantin Susanne Kreher sicherte sich sensationell die Silbermedaille, während Jaqueline Pfeifer nach einer langen Durststrecke Bronze gewann. Nur die Österreicherin Janine Flock war nicht zu schlagen und holte souverän Gold.
Emotionale Feier am Fuß der Eisbahn
Arm in Arm standen Susanne Kreher und Jaqueline Pfeifer am Fuß der anspruchsvollen Eisbahn von Cortina d'Ampezzo und feierten mit der deutschen Fahne doppeltes Skeleton-Edelmetall. Für Kreher war es das Olympia-Debüt, das direkt mit einer Medaille gekrönt wurde. Pfeifer freute sich nach Silber 2018 und schwierigen Jahren über den erneuten Podestplatz.
„Das sind tolle Leistungen, dass wir im Skeleton mit vier Medaillen rausgehen. Das ist unfassbar“, sagte Verbandschef Thomas Schwab begeistert. „Sie muss das, glaube ich, erst noch verarbeiten. Es freut mich natürlich riesig. Mannschaftlich war das tipptopp. Mit der Janine Flock haben wir eine verdiente Siegerin, sie war viermal die Beste.“
Spannendes Rennen um die Goldmedaille
Kreher lieferte vier solide Läufe ab, fehlten ihr jedoch die überragenden Bestzeiten für Gold. Am Ende trennten sie nur 0,30 Sekunden von Olympiasiegerin Flock. Pfeifer lag 0,44 Sekunden zurück. Die Peking-Olympiasiegerin Hannah Neise belegte als Vierte bereits mit 1,15 Sekunden Rückstand einen enttäuschenden Platz.
Bis zum letzten Durchgang bestand Hoffnung auf Gold für die deutschen Athletinnen. Flock war 2018 in einer ähnlichen Situation und hatte damals die Nerven verloren. Diesmal blieb die 36-jährige Österreicherin jedoch fehlerfrei und siegte souverän.
Deutsche Medaillenbilanz verbessert sich
Die deutsche Bilanz im neuen Eiskanal von Cortina wurde damit auf neun Medaillen aufgebessert. Im Skeleton hatten bereits Axel Jungk (Silber) und Christopher Grotheer (Bronze) Edelmetall gewonnen. Zuvor hatte das Rodel-Team insgesamt fünf Medaillen abgeräumt. Die Skeleton-Wettbewerbe enden am Sonntag mit der olympischen Premiere der Team-Staffel.
Krehers beeindruckender Weg zum Olympia-Debüt
Die 27-jährige Kreher aus Annaberg-Buchholz in Sachsen ging ihr Olympia-Debüt entspannt und mit Freude an, ähnlich wie bei ihrem überraschenden Weltmeistertitel 2023 in St. Moritz. Erst beim Weltcup-Finale auf der Heimbahn in Altenberg löste sie im allerletzten Moment das Olympia-Ticket, was zu emotionalen Tränen führte.
„Meine Stärke ist die Konstanz“, betonte die ehemalige 400-Meter-Läuferin. Ihr Tattoo „You are good enough“ („Du bist gut genug“) symbolisiert ihre Einstellung – es ist eines von rund 30 Tattoos auf ihrem Körper. Seit 2020 arbeitet sie in Dresden mit Trainer Stefan Poser zusammen, der einen alten Schlitten mit Inline-Rollen modifizierte, um das Starttraining zu ermöglichen.
Innovative Schlittentechnologie im Einsatz
Wie schon die Männer fuhren auch die Frauen nagelneue FES-Schlitten, die mit 38 Kilogramm deutlich leichter sind als die bisherigen 45-Kilogramm-Modelle. Diese Geräte mit verbesserter Aerodynamik waren im Wettkampf noch nicht erprobt worden.
„Wir haben das bewusst so gemacht, auch wenn einige unserer Athleten schon nervös geworden sind“, erklärte Cheftrainer Christian Baude. Erst nach dem Weltcup-Finale testeten die Athleten die neuen Schlitten in Altenberg. Während Axel Jungk 127 km/h erreichte, brachte es Jaqueline Pfeifer bei ihrem Bahnrekord im zweiten Lauf auf starke 125 Stundenkilometer.
Die deutschen Skeleton-Frauen haben mit ihren Leistungen in Cortina d'Ampezzo nicht nur persönliche Erfolge gefeiert, sondern auch die Stärke des deutschen Wintersports eindrucksvoll unter Beweis gestellt.



