Historischer Moment nach 62 Jahren Wartezeit
In Cortina d'Ampezzo hat das deutsche Rodel-Duo Dajana Eitberger und Magdalena Matschina einen historischen Erfolg gefeiert. Bei der allerersten Austragung des Frauen-Doppelsitzers bei Olympischen Winterspielen sicherten sich die beiden Athletinnen die Silbermedaille und schrieben damit Sportgeschichte. Ganze 62 Jahre nach dem Olympia-Debüt der Männer in Innsbruck/Igls durften endlich auch Frauen in dieser Disziplin um olympische Ehren kämpfen.
Emotionale Achterbahnfahrt zum Podestplatz
Die 35-jährige Dajana Eitberger vom RC Ilmenau und ihre 15 Jahre jüngere Partnerin Magdalena Matschina vom SV Bad Feilnbach zeigten eine bemerkenswerte Leistung. Nach einem Sturz bei der Generalprobe in Oberhof, einer Baby-Pause bei Eitberger und einem mutigen Neustart krönten sie sich nun mit dem edlen Metall. "Es ging schon beim Aufstehen los. Ich war heute sehr emotional, ich habe im Zehn-Minuten-Takt nur geheult", gestand Eitberger nach dem Rennen in der ARD.
Die erfahrene Rodlerin, die bereits 2018 in Pyeongchang Silber im Einsitzer gewonnen hatte, blickte auf eine bewegte Karriere zurück: "Ich habe die letzten acht Jahre Revue passieren lassen. Da ist unglaublich viel passiert in meinem Leben." Nach der Geburt ihres Sohnes im Februar 2020 und einer WM-Titel-Rückkehr 2023 in Oberhof setzte sie nun den nächsten Meilenstein.
Spannender Zweikampf um die Goldmedaille
Im spannenden Finale lieferten sich die Deutschen einen packenden Zweikampf mit den überragenden Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer. Nach dem ersten Durchgang lagen Eitberger und Matschina trotz einer leichten Bandenberührung nur 0,022 Sekunden zurück. Auch nach einer Leistungssteigerung im zweiten Lauf reichte es am Ende mit 0,12 Sekunden Rückstand knapp nicht zum Gold.
"Ich war sau-nervös oben am Start bei beiden Läufen. Mir war es im Endeffekt scheißegal, was unten rauskommt. Ich wollte einfach nur Spaß haben", beschrieb Matschina die angespannte Situation. Die favorisierten Weltmeisterinnen Selina Egle und Lara Kipp aus Österreich mussten sich mit Bronze begnügen.
Erfolgreiches deutsches Rodel-Team
Mit dieser Silbermedaille setzte das deutsche Rodel-Team seine erfolgreiche Serie in Cortina d'Ampezzo fort. Nach den Olympiasiegen von Max Langenhan und Julia Taubitz war es bereits die dritte Medaille im dritten Rennen. Thomas Schwab, Vorstandschef des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), zeigte sich begeistert: "Alle Achtung. Ich kann nur den Hut ziehen. Ich bin richtig stolz. Ich freue mich riesig, dass dieses Projekt so gelungen ist."
Besonders bemerkenswert ist der Erfolg vor dem Hintergrund der schwierigen Vorbereitung. Bei der Olympia-Generalprobe in Oberhof war das Duo noch gestürzt, trat aber dennoch zum zweiten Lauf an. Eitberger bezeichnete den Sturz später als "Wachrüttler für uns, um das Momentum wieder nach oben zu schrauben". Ihr Erfolgsrezept beschrieb sie simpel: Den Schlitten auch mal "in die Ecke stellen, um hungrig zu bleiben".
Besondere Umstände der Premiere
Die historische Premiere fand unter besonderen Bedingungen statt. Das Internationale Olympische Komitee hatte nur eine Mannschaft je Nation zugelassen, weshalb lediglich elf Teams an den Start gehen konnten. Diese Regelung hatte zur Folge, dass die WM-Zweiten und Europameister Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal nicht teilnehmen durften.
Das deutsche Duo hatte sich jedoch bestens vorbereitet und gewann bereits Ende November das Testevent auf der neu gebauten Bahn im Cortina Sliding Centre. "Wir wissen, dass wir in Cortina fahren können", sagte Matschina daher selbstbewusst vor den Spielen.
Während die US-Rodlerin Sophia Kirkby als Fünfte leer ausging und außerhalb der Bahn für Schlagzeilen sorgte, konzentrierten sich Eitberger und Matschina voll auf ihren Sport. Nach dem Rennen schnappten sie sich die Deutschland-Fahne und feierten ihren historischen Erfolg gemeinsam mit den siegreichen Gastgeberinnen - ein Bild der puren Freude und des verdienten Triumphs nach jahrzehntelanger Wartezeit.



