Olympia-Zoff um Leerdam: Eis-Ikonen schalten sich ein
Ireen Wüst und Irene Schouten, zwei niederländische Eisschnelllauf-Legenden, haben das Verhalten ihrer Landsfrau Jutta Leerdam gegenüber den Medien bei den Olympischen Spielen scharf kritisiert. Die früheren Olympiasiegerinnen appellierten an die Verantwortung der 25-Jährigen als Vorbild im Sport.
Medienarbeit gehört zum Job
Nachdem Leerdam mehrere Medienanfragen bei Olympia ignoriert hatte, meldeten sich Wüst und Schouten zu Wort. Besonders die sechsfache Olympiasiegerin Ireen Wüst fand im niederländischen Fernsehsender NOS deutliche Worte: „Ich finde schon, dass Interviews zum Job dazugehören“, sagte Wüst. „Natürlich hat Jutta selbst eine riesige Reichweite und erreicht über ihre eigenen Kanäle sehr viele Menschen. Aber es muss Hand in Hand gehen. Wenn man gar nicht mehr mit den Medien spricht, funktioniert das nicht.“
Wüst verwies zudem auf die wirtschaftlichen Aspekte: „Da sind auch Sponsoren involviert – man braucht einander, um den Eisschnelllauf populär zu halten.“ Die Sportikone betonte die gegenseitige Abhängigkeit von Athleten und Medien für die Popularität des Sports.
Appell an die Vorbildfunktion
Wüst appellierte besonders an die Vorbildrolle der jungen Sportlerin: „Man könnte sagen, Jutta ist so groß, dass sie es mit ihren fünf Millionen Followern auf Instagram nicht nötig hat. Aber sie hat eben auch eine Vorbildrolle. Wenn die großen Stars wie Leerdam keine Interviews mehr geben, werden andere nachziehen.“
Irene Schouten ergänzte die Bedenken ihrer Kollegin: „Dann gibt es keine Geschichten mehr – und für die Medien ist es dann irgendwann vorbei.“ Die beiden erfahrenen Athletinnen sehen in der Medienverweigerung eine Gefahr für die gesamte Sportberichterstattung.
Kritik an öffentlichem Verhalten
Besonders die Diskussion um Leerdams Behandlung ihres Knöchels mit einem Hammer kommentierte Wüst deutlich: „Sie ist nicht dumm. Man ist bei Olympischen Spielen, man weiß, dass alles gefilmt wird und dass aus einer Mücke schnell ein Elefant gemacht wird.“
Wüst riet zu mehr Umsicht: „Wenn man wirklich nicht darüber sprechen möchte, dann sollte man es in der Kabine machen – dort sieht es niemand. Es ist kein Geheimnis. Aber wenn man nicht darüber reden will, sollte man es nicht öffentlich tun, wo es jeder sehen kann.“
Offizieller Protest des Journalistenverbands
Auslöser der Debatte war Leerdams Verweigerung, im Vorfeld ihres 1000-Meter-Rennens mit der Presse zu sprechen. Der niederländische Journalistenverband (NSP) legte daraufhin offiziell Protest ein und bezeichnete das Verhalten als „unangemessen“ und „inakzeptabel“.
Erst nach Gesprächen mit dem niederländischen Team erklärte sich die Eisschnellläuferin bereit, doch noch Interviews zu geben. Gleichzeitig betonte das Team, dass Athletinnen und Athleten laut IOC-Regeln selbst entscheiden dürfen, ob sie bei Olympischen Spielen mit Medien sprechen.
Weitere Diskussionen in den Niederlanden
Der Vorfall sorgte – nach der bereits kritisierten Anreise Leerdams per Privatjet – erneut für kontroverse Diskussionen in den Niederlanden. Die Frage nach dem richtigen Umgang von Spitzensportlern mit Medien und ihrer öffentlichen Verantwortung wird intensiv debattiert.
Ob Leerdam in den kommenden Tagen wieder regelmäßig mit der Presse sprechen wird, bleibt offen. Am Montag startet sie über 1000 Meter als eine der Favoritinnen auf Gold, später folgt noch das 500-Meter-Rennen. Die Augen der Sportwelt werden nicht nur auf ihre Leistungen, sondern auch auf ihr Medienverhalten gerichtet sein.
Die Stellungnahmen von Wüst und Schouten unterstreichen die Bedeutung einer konstruktiven Medienbeziehung für die Zukunft des Eisschnelllaufsports. Beide Athletinnen betonen, dass Erfolg und Popularität des Sports von der Zusammenarbeit aller Beteiligten abhängen.



