Eisschnelllauf-Drama bei Olympia: Niederländer verliert Medaille durch chinesischen Bahnwechsel
Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand hat sich im Eisschnelllauf über 1000 Meter ein dramatischer Zwischenfall ereignet, der die Medaillenvergabe entscheidend beeinflusste. Der niederländische Hoffnungsträger Joep Wennemars (23) lag nach den Zwischenzeiten klar auf Medaillenkurs und schien sich das Silber zu sichern. Doch dann kam es zu einer folgenschweren Regelverletzung durch seinen chinesischen Konkurrenten Ziwen Lian (27).
Verbotener Bahnwechsel kostet wertvolle Sekunden
Der Chinese wechselte unmittelbar vor dem Niederländer die Bahn, was nach den Regeln des Eisschnelllaufs streng verboten ist. Wennemars konnte zwar einen direkten Zusammenstoß noch verhindern, wurde jedoch massiv ausgebremst und verlor seinen Schwung. „Ich hatte Vorfahrt, bin also meine Linie gefahren, aber dann wurde ich abgedrängt“, erklärte der enttäuschte Athlet später dem niederländischen Sender NOS. „Mein Olympiatraum ist geplatzt.“
Im Ziel erreichte Wennemars eine Zeit von 1:07,58 Minuten, was nur für den fünften Platz reichte. Der Chinese wurde umgehend disqualifiziert. Experten schätzen, dass der Niederländer durch die Behinderung etwa eine Sekunde verloren hat – genau die Differenz, die zwischen seinem Ergebnis und der Silbermedaille lag.
Nachträglicher Einzellauf ohne Erfolg
20 Minuten nach dem eigentlichen Wettbewerb durfte Wennemars auf Anweisung der Jury noch einmal alleine laufen, um eine faire Zeit zu ermöglichen. Unter dem Jubel tausender niederländischer Fans, die die Halle in ein orangefarbenes Meer verwandelten, trat er erneut an. Doch die Kraft war verbraucht, und seine Zeit war sogar eine Sekunde schlechter als zuvor, sodass seine ursprüngliche Zeit gewertet wurde.
Nach dem Rennen zeigte der Niederländer seine Wut deutlich. Er gestikulierte wütend in Richtung des chinesischen Athleten, der keinerlei Entschuldigung oder Reue zeigte. „Es ist etwas passiert, das ich nicht fassen kann“, sagte Wennemars mit hängendem Kopf, während er von einem Tross aus Kamera-Teams und Journalisten durch die Katakomben der Halle verfolgt wurde.
Gold für Stolz, Enttäuschung für Sonnekalb
Der Sieg ging wie erwartet an den amerikanischen Weltcup-Dominator Jordan Stolz (21), der in 1:06,28 Minuten nicht nur Gold gewann, sondern auch einen neuen Olympischen Rekord aufstellte. Die Silbermedaille sicherte sich Wennemars' Landsmann Jenning de Boo (22).
Auch der deutsche Hoffnungsträger Finn Sonnekalb (18) aus Thüringen musste eine Enttäuschung hinnehmen. Mit einer Zeit von 1:08,80 Minuten belegte er nur den zwölften Platz. „Der Lauf war semigut, aber den Umständen entsprechend gut“, erklärte der Athlet. „Ich bin nach der Eröffnungsfeier krank geworden und lag mit Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen zwei Tage im Bett. Ich hatte typische Grippe-Symptome und bin deswegen nicht richtig auf Geschwindigkeit gekommen.“ Am 19. Februar wird Sonnekalb noch über 1500 Meter antreten.
Der Vorfall wirft Fragen zur Fairness im Hochgeschwindigkeitssport auf und zeigt, wie schnell Olympische Träume durch unvorhergesehene Zwischenfälle zerstört werden können.



