Heimliche Olympia-Stars: Wintersportler aus ungewöhnlichen Ländern überwinden Widerstände
Heimliche Olympia-Stars: Wintersportler aus ungewöhnlichen Ländern

Heimliche Olympia-Stars: Wintersportler aus ungewöhnlichen Ländern überwinden Widerstände

Sie sind besondere Teilnehmer der Spiele, die aus Regionen stammen, in denen Schnee und Eis eher seltene Phänomene sind. Um überhaupt zu Olympia zu gelangen, mussten Athleten aus wintersport-fernen Ländern wie Haiti, Brasilien oder Thailand erhebliche Widerstände überwinden. Von fehlender Infrastruktur bis hin zu persönlichen Schicksalsschlägen – ihre Geschichten sind ebenso beeindruckend wie inspirierend.

Stevenson Savart: Haitis erster Skilangläufer bei Olympia

Der 25-jährige Stevenson Savart schrieb Geschichte als erster Skilangläufer Haitis bei Olympischen Winterspielen. Mit den Plätzen 64, 79 und 82 bei seinen drei Einzelstarts zeigte er sich zufrieden. Besonders bemerkenswert: Jedes Mal, wenn er ins Ziel kam, jubelte das Skistadion in Tesero wie bei einem Olympiasieger. Savart wurde in Haiti geboren und als Dreijähriger von einem französischen Ehepaar adoptiert. Mit fünf Jahren stand er erstmals auf Skiern – ein ungewöhnlicher Beginn für einen Mann aus der Karibik. Ein weiteres Highlight war seine Ernennung zum Fahnenträger Haitis bei der Eröffnungsfeier in Predazzo.

Donovan Carrillo: Vom Einkaufszentrum zur Olympia-Kür

Der mexikanische Eiskunstläufer Donovan Carrillo verbrachte eine entscheidende Phase seiner Karriere nicht in einer professionellen Eishalle, sondern in einem Einkaufszentrum. Auf der dortigen öffentlichen Eisfläche übte der heute 26-Jährige als Teenager unter schwierigen Bedingungen. „Ich musste um die Pärchen und die Anfänger herumskaten. Ich habe mein Programm mit der Musik geübt, die dort lief“, erinnerte sich Carrillo in Mailand. Bei diesen Winterspielen qualifizierte er sich für die Kür der besten 24 und erreichte den beachtlichen 22. Platz.

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Fabio Wiest: Thailands Teenager im Ski alpin

Er wohnt in der Schweiz, geht in Deutschland zur Schule – und startet für Thailand bei den Winterspielen. Der erst 17 Jahre alte Fabio Wiest benötigte im Riesenslalom zwar 25 Sekunden mehr als Sieger Lucas Pinheiro Braathen, doch das spielte für den Teenager eine untergeordnete Rolle. „Das war ein mega Erlebnis, mit den ganzen Großen dabei zu sein, auf diesem Hang zu fahren“, schwärmte Wiest. Am Montag im Slalom vertrat er erneut die Farben Thailands, der Heimat seiner Mutter, und bewies damit, dass Wintersport keine geografischen Grenzen kennt.

Edson Bindilatti: Brasilianischer Bob-Veteran

Für den Brasilianer Edson Bindilatti sind es in Cortina die sechsten Olympischen Winterspiele. Der 46-Jährige blickt auf ein Vierteljahrhundert im Bobsport zurück, in dem er sowohl als Anschieber als auch als Pilot bei den Spielen in Salt Lake City 2002, Turin 2006, Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2022 am Start war. In der Zielgeraden seiner Karriere hat er sich der Förderung der nächsten Generation brasilianischer Bobpiloten verschrieben. Im Athleten-Mentorenprogramm des Weltverbandes IBSF arbeitet er eng mit seinem Landsmann Gustavo Dos Santos Ferreira zusammen.

Stephanie Joffroy: Chilenische Skicross-Kämpferin

Die Karriere der Chilenin Stephanie Joffroy wurde von zahlreichen Knieverletzungen überschattet. Beim Olympia-Debüt 2014 in Sotschi musste sie im Kampf um das Halbfinale verletzt aufgeben, was vier Operationen nach sich zog. 2022 konnte sie in Peking erst gar nicht teilnehmen. Bei den Spielen 2018 in Pyeongchang erreichte sie mit Platz 19 das beste Ergebnis der gesamten chilenischen Delegation – ein Triumph des Durchhaltevermögens.

Campbell Wright: Vom Biathlon-Fernland zu den USA

Der 23-jährige Campbell Wright startet mittlerweile für die USA, wurde jedoch in Neuseeland geboren und aufgewachsen. Kaum ein Land könnte dem Biathlon ferner sein, weshalb er sich nach ersten Erfolgen entschied, die Nation zu wechseln und für das Geburtsland seiner Eltern anzutreten. Für die USA gewann Wright im vergangenen Jahr sensationell gleich zweimal WM-Silber: im Sprint und in der Verfolgung. 2022 war er noch für Neuseeland bei Olympia am Start, nun zum ersten Mal für die USA.

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Patrick Burgener: Snowboarder und Spotify-Star

Geboren in der Schweiz, startet Patrick Burgener bei den Spielen für Brasilien in der Halfpipe. Sein Nationenwechsel 2025 wurde durch seine brasilianische Mutter ermöglicht. Der 31-Jährige ist jedoch nicht nur sportlich talentiert: 2021 wurde er von SRF 3 zum „Best Talent“ gekürt, und sein Song „Staring At The Sun“ wurde auf Spotify mehr als sieben Millionen Mal angeklickt.

Bruna Moura: Vom Mountainbike-Traum zum Skilanglauf

Für die 31-jährige Brasilianerin Bruna Moura war der Weg zum Skilanglauf alles andere als geradlinig. Ursprünglich wollte sie auf dem Mountainbike zu den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro. Wegen einer Herzerkrankung wurde ihr dieser Traum mit 17 Jahren verwehrt. Vor vier Jahren hatte sie sich für die Spiele in Peking qualifiziert, doch wenige Wochen vor Beginn erlitt sie in den Dolomiten einen schweren Autounfall, bei dem der Fahrer verstarb. Moura kämpfte sich zurück und wurde mit den Plätzen 74 und 99 bei Olympia in Tesero belohnt.

Diese Athleten beweisen, dass der olympische Geist keine geografischen oder persönlichen Grenzen kennt. Auch wenn Medaillen für sie oft außer Reichweite bleiben, sind sie durch ihre Geschichten und ihren unbändigen Willen zu wahren heimlichen Stars der Winterspiele geworden.