Jessie Diggins: Olympia-Auftritt mit politischer Botschaft gegen Trump
Die US-amerikanische Langläuferin Jessie Diggins, aktuell Führende im Gesamtweltcup, startet bei den Olympischen Spielen in Italien nicht nur mit sportlichen Ambitionen, sondern auch mit einer klaren politischen Mission. Als bekennende Kritikerin von US-Präsident Donald Trump und seiner umstrittenen Einwanderungspolitik nutzt sie die internationale Bühne, um auf die Missstände in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Ihr sportlicher Auftakt verlief jedoch holprig: Beim Skiathlon stürzte sie früh und landete auf Platz acht, im Klassiksprint schied sie im Viertelfinale aus.
Heimat Minneapolis als Symbol für Trumps Politik
Diggins, die in Afton nahe Minneapolis aufgewachsen ist, sieht einen direkten Bezug zwischen ihrer Biografie und Trumps Politik. Minneapolis ist zum Sinnbild für das brutale Vorgehen der US-Heimatschutzbehörde ICE geworden, wo bei Einsätzen zwei Menschen getötet wurden. Auch in Mailand sorgte die Anwesenheit von ICE-Agenten, die den Tross um US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio beschützten, für Unruhen und Krawalle während der Eröffnungsfeier. Obwohl das US-Olympische Komitee keine Stellungnahme abgab, berichten Kollegen, dass sich keine ICE-Agenten mehr in der Stadt befinden.
Sportliche Konzentration leidet unter politischen Sorgen
Nach ihrem verpatzten Olympia-Start gestand Diggins ein, dass es ihr schwerfällt, sich voll auf den Sport zu konzentrieren. „Es ist unglaublich schwer, mich aufs Skifahren zu konzentrieren, wenn ich sehe, was diesen großartigen Gemeinden angetan wird“, sagte sie. Diese tiefe Angst verleiht ihren Rennen jedoch auch Sinn: Sie versteht sich als Botschafterin eines offenen und respektvollen Amerikas. „Ich konzentriere mich darauf, das Amerika zu repräsentieren, das respektvoll, liebevoll, hilfsbereit, offen und füreinander da ist“, betonte sie.
Inspiration für junge Athletinnen und Teamkolleginnen
Diggins, die 2018 Olympiagold, 2022 Silber und Bronze gewann und nach dieser Saison ihre Karriere beendet, hat den Langlaufsport in den USA auf ein neues Level gehoben. Sie gilt nicht nur als erfolgreichste Sportlerin, sondern auch als Inspiration für junge Athletinnen – auch in politischer Hinsicht. Teamkollegin Julia Kern äußerte sich ebenfalls regierungskritisch und betonte die Vielfalt Amerikas. „Wir wollen zeigen, dass es so viel gibt, wofür man dankbar sein kann“, sagte die 28-Jährige.
Nächste Chance beim Freistilrennen über zehn Kilometer
Am Donnerstag steht mit dem Freistilrennen über zehn Kilometer der nächste Wettkampf an, übertragen vom ZDF und Eurosport. Für Diggins ist dies eine weitere Gelegenheit, ein sportliches Zeichen zu setzen. Gespräche mit Menschen aus ihrer Heimat, die ihre Nachbarn beschützen, geben ihr Motivation. „Sie haben gesagt: Gib alles, das macht uns glücklich. Du kannst uns repräsentieren“, erzählte Diggins. Dieser Ansporn treibt sie an, in ihrer letzten Saison noch eine Medaille zu gewinnen und ihre Botschaft für ein besseres Amerika zu verstärken.



