Olympia-Silbermedaillengewinner Axel Jungk übt deutliche Kritik am Weltverband
Der deutsche Skeleton-Pilot Axel Jungk hat nach seinem erneuten Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo scharfe Worte für den internationalen Schlitten-Weltverband IBSF gefunden. Der 34-jährige Athlet kritisierte insbesondere die aus seiner Sicht völlig unzureichende Vermarktung seiner Sportart, die permanent im Schatten des populäreren Bobsports stehe.
„Es ist natürlich traurig“ – Jungks enttäuschende Bilanz
„Es ist natürlich traurig“, erklärte Jungk am Samstagmorgen im Deutschen Haus in Cortina. „Wir stehen halt immer so ein bisschen im Schatten vom Bobsport, was traurig ist, weil es meiner Meinung nach eine mindestens genauso interessante Sportart ist.“ Der Silbermedaillengewinner zeigte sich frustriert über die aktuelle Situation und machte konkrete Terminprobleme aus.
Die Skeletonis starten im Weltcup überwiegend an Freitagen, während die Bob-Piloten regelmäßig zu attraktiveren Sendezeiten am Samstagabend und Sonntag antreten dürfen. „Dann müssen wir uns nicht wundern, dass die Sportart nicht populärer wird“, schimpfte der erfahrene Athlet. Seine Hoffnung auf Besserung in den kommenden Jahren hält sich in engen Grenzen: „Ich gehe nicht davon aus, weil es in den letzten zehn Jahren auch nicht besser geworden ist.“
Von Skispringen zum Skeletonsport – eine ungewöhnliche Karriere
Axel Jungk hatte bei den Olympischen Spielen in Norditalien genau wie bereits vor vier Jahren in Peking die Silbermedaille gewonnen. Seine Sportkarriere begann allerdings völlig anders: Sowohl er als auch Bronzemedaillengewinner Christopher Grotheer wechselten in ihrer Jugend vom Skispringen auf den Schlitten.
Jungk erinnerte sich an seine ersten Begegnungen mit dem Skeletonsport: „Als mir erstmals von Skeleton erzählt wurde, habe ich die Sportart mit Shorttrack verwechselt.“ Diese Erfahrung beschreibt er als besonders bemerkenswert: „Das fand ich schon wirklich crazy, dass ich als Wintersportler auf dem Sport-Internat diese Sportart nicht kannte.“
Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus zeigt der Silbermedaillengewinner Verständnis für die allgemeine Unkenntnis: „Deswegen mache ich da auch niemandem einen Vorwurf, wenn er mich fragt: 'Skeleton, was ist denn das eigentlich?' Aber das ist traurig.“
Kollege Grotheer sieht zumindest kleine Fortschritte
Christopher Grotheer, der bei den Olympischen Spielen in Peking Gold gewann und in Cortina Bronze holte, teilt zwar grundsätzlich die Einschätzung, dass Skeleton „auf jeden Fall noch populärer sein“ könnte, erkennt aber zumindest minimale Verbesserungen.
„Ich glaube, dass trotzdem in den letzten Jahren, in denen wir auch einfach so erfolgreich waren, da schon eine Entwicklung zu sehen ist“, erklärte der 33-jährige Athlet. Die Olympischen Spiele bezeichnete er als „die größte Bühne, vor allem für auch diese kleinen Sportarten, in denen wir unterwegs sind“.
Grotheer würdigte insbesondere die gemeinsamen Leistungen: „Ich glaube, dass Axel und ich da schon eine sehr, sehr große Werbung gemacht haben in den letzten Jahren.“ Dennoch bleibt die grundlegende Problematik bestehen – Skeleton kämpft weiterhin um die verdiente Aufmerksamkeit neben dem etablierten Bobsport.



