Ilia Malinins olympisches Drama: Vom 'Vierfach-Gott' zum achten Platz
Für Eiskunstlauf-Superstar Ilia Malinin entwickelte sich die Olympia-Kür in Mailand zu einem persönlichen Desaster. Der 21-jährige US-Amerikaner, der sich selbst vor den Winterspielen als "Vierfach-Gott" bezeichnet hatte, erlebte einen Abend der Schockstarre und Ohnmacht. "Ich habe es vermasselt", gab Malinin nach der katastrophalen Darbietung gegenüber Reportern zu.
Ein unerwarteter Einbruch unter olympischem Druck
Nach der Führung im Kurzprogramm rutschte Malinin in der Kür der Männer spektakulär auf den achten Rang ab. Der zweimalige Weltmeister, der seit über zwei Jahren ungeschlagen war, galt als einer der sichersten Olympiasieger dieser Winterspiele. Doch an diesem denkwürdigen Abend zeigte das Wunderkind auf Kufen menschliche Züge.
"Der Druck ist unwirklich", erklärte Malinin. "Ich glaube, die Leute erkennen nur selten den Druck und die Nervosität, die wirklich von innen kommen." Alle hatten von dem Dominator der Eiskunstlaufszene eine Goldmedaille beim wichtigsten Wettbewerb seiner Karriere erwartet. Stattdessen wurde es Platz 15 in der Kür-Wertung.
Vom geplanten Rekordsprung zum kompletten Fiasko
Malinin hatte das Eiskunstlaufen in den vergangenen Jahren in eine neue Dimension gehoben. Bei Olympia wollte er im Einzel den nächsten Superlativ aufstellen: einen vierfachen Axel, der erste in der Olympia-Geschichte. Doch statt des historischen Sprungs zeigte er diesen nur einfach. Damit begann das Fiasko für den 21-Jährigen.
Danach war Malinin vollkommen von der Rolle und stürzte zweimal. Ausgerechnet Freitag, der 13., wurde für den "Vierfach-Gott" zum Alptraum. Die Tageszeitung "USA Today" titelte entsprechend von einem "Alptraum"-Abend für den Superstar.
Reaktionen und Mitgefühl aus der Sportwelt
Olympiasieger Michail Schaidorow aus Kasachstan, der sensationell Gold gewann, sprach sein Mitgefühl für Malinin aus: "Er ist sehr wichtig für das Eiskunstlaufen. Er ist der beste Läufer der Geschichte." Der Kasache spielte beim Malinin-Drama allerdings nur eine Nebenrolle.
Der NBC-Experte und frühere Weltklasse-Eiskunstläufer Johnny Weir aus den USA litt mit Malinin mit und richtete auf Instagram aufbauende Worte an den 21-Jährigen: "Du hast wahren Sportsgeist und Anmut gezeigt." Malinin sei einmalig auf dieser Welt, meinte Weir.
Auf den Punkt brachte es die zweimalige Olympiasiegerin Katarina Witt: "Er ist auch nur ein Mensch." Und eben doch kein Gott. Malinin selbst zeigte sich nach der Enttäuschung gefasst: "Es ist wirklich nicht leicht, aber ich bin trotzdem stolz, dass ich es bis zum Ende durchgezogen habe."
Perspektiven nach dem olympischen Desaster
So richtig nach vorne blicken konnte und wollte Malinin direkt nach dem Wettkampf noch nicht. "Man muss annehmen, was passiert ist oder was man daraus gelernt hat, und dann entscheiden, was man in Zukunft tun will und wie man die Dinge angehen möchte", erklärte der Eiskunstläufer.
Interessanterweise hatte Malinin im Teamwettbewerb vor wenigen Tagen noch Gold gewonnen. Doch dieser Triumph rückte nach diesem denkwürdigen Abend in Mailand in den Hintergrund. Das Ausnahmetalent, das so viele Vierfachsprünge beherrscht wie kein anderer Läufer auf dieser Welt, hatte sich am Ende selbst geschlagen.
Die Frage nach den Gründen für den kolossalen Einbruch bleibt vorerst unbeantwortet. War es die fehlende Olympia-Erfahrung? Körperliche Defizite? Oder einfach der immense Erwartungsdruck? Malinin selbst konnte kurz nach dem Wettkampf keine klare Antwort geben: "Ehrlich gesagt, ich kann jetzt nicht genau sagen, was es war."



